
Im oberbayerischen Geisbach in der Nähe des Chiemsees leitet Kapellmeister Blasius (Georg Blädel) eine Truppe Blechmusiker. Man hadert noch ein wenig mit der Eingemeindung, denn früher war der Geisbacher Stadtteil Dürling, aus dem die Blaskapelle stammt, eine eigenständige Gemeinde gewesen. Hinzu kommt, dass Blasius die Kapelle verlässt und kurzfristig Ersatz gefunden werden muss. Kulturdezernent Dr. Zwazl (Hugo Lindinger) wendet sich an seinen Jugendfreund Kaspar Dirnberger (Josef Meinrad), der Professor in Salzburg geworden ist. Da ihm Zwazl die Stelle als neuer Kapellmeister damit schmackhaft macht, dass Dirnberger auch eigene Stücke komponieren, arrangieren und transponieren kann, lässt sich der Österreicher auf einen Versuch ein. Die hitzköpfigen Musiker Josef Huber (Max Grießer) und Matthias Praxenthaler (Karl Obermayr), die auch häufig aneinandergeraten, bringen Dirnberger immer wieder an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Der junge Nikl (Henner Quest) verursacht mit seinen Liebesabenteuern zusätzliche Scherereien in den Musikproben. Leidender Kapellmeister Georg Lohmeier (1926-2015) war ein aus dem bayerischen Erding stammender Autor, der im Laufe von mehr als drei Jahrzehnten für etliche beliebte und publikumswirksame Fernsehstoffe verantwortlich zeichnete. Seine Einsätze als Regisseur sind eher überschaubar, aber als Drehbuchautor lieferte Lohmeier die Vorlagen für nach wie vor bekannte Serienerfolge wie Königlich Bayerisches Amtsgericht (mehr als fünfzig Episoden!), Der Komödienstadel (von den 1960er bis in die 1980er Jahre mehrere Stücke) oder die kürzlich von Pidax wiederentdeckte und auf DVD veröffentlichte dreizehnteilige Serie Zwickelbach & Co., die von Erich Neureuther inszeniert wurde. Darin ging es um regionale Unterschiede, da mit dem Titel gebenden Preußen Immanuel Zwickelbach (Karl Lieffen) ein Zugereister zwischen all den Bayern in einem kleinen Dorf um Anerkennung und Respekt buhlen musste. Viele der Darsteller in der 1976 erstausgestrahlten Serie waren vier Jahre später auch bei …und die Tuba bläst der Huber wieder mit von der Partie, neben Willy Schultes sind hier insbesondere Bernhard Helfrich und Franz Muxeneder zu nennen, die in beiden Formaten regelmäßig zu sehen waren. Mit Serien, die in Mundart gedreht sind, verbindet man als Zuschauer neben heimatlichen Gefühlen häufig auch Humor, da die Dialekte jenseits der Verbreitungsgebiete häufig für Unverständnis und Amüsement sorgen. Diejenigen, die der Mundart mächtig sind, freuen sich darüber, sie auf dem Fernsehschirm oder der Leinwand zu erleben, weswegen diese Arbeiten in den letzten Jahren wieder an Popularität gewonnen haben. Man denke nur an die Rita-Falk-Verfilmung Dampfnudelblues und deren Fortsetzungen oder die ZDF-Ostfriesen-Fernsehfilme mit Christian Erdmann und Barnaby Metschurat. Vor über vierzig Jahren waren Mundart-Serien indes noch etwas einfältiger gestrickt und haben sicherlich auch schon damals genauso viele Menschen begeistert wie abgeschreckt. Bei …und die Tuba bläst der Huber kommt noch hinzu, dass die sehr spezielle (und sehr bayerische) Form der Blechblasmusik, die in erster Linie für Märsche eingesetzt wird, sicherlich nicht jedermanns Sache sein dürfte. Georg Lohmeier taucht in seiner dreizehnteiligen Serie, für die er sämtliche Drehbücher geschrieben und jeweils die Regie übernommen hatte, jedenfalls tief ein in die bierdampfgeschwängerte Atmosphäre von Kirchweihen, Dorffesten, Bauern-Hochzeiten in Dirndln und Lederhosen und etlichen anderen bayerischen Traditionen. Der Bombardon und die Musik Serien wie das bereits erwähnte Königlich Bayerische Amtsgericht und die Familien-Krimis aus der Polizeiinspektion 1 hatten durch ihren Erfolg bereits bewiesen, dass auch nördlich der Weißwurst-Grenze Interesse an bayerischer Lebensart besteht. So entschied man sich 1980 beim ZDF dazu, bei Lohmeier dreizehn Episoden für das Vorabendprogramm zu ordern. Musik stellte hier natürlich eine wichtige, wiederkehrende Komponente dar, aber der Autor legte durchaus auch Wert darauf, etliche andere Themen anzusprechen, die rund um die Blaskapelle seinerzeit relevant waren. So geht es eben auch um die kontroverse Eingemeindungspolitik, um die Nazivergangenheit (wenn auch eher um die der Elterngeneration), um Feminismus und Traditionalismus, um Bürokratie und Religion, um Liebe und unterschiedliche Formen der Pädagogik. Wenn ab der dritten Folge mit dem neuen Kapellmeister der Österreicher Josef Meinrad (Sissi, Die Trapp-Familie) zum Ensemble hinzustößt, bringt das einige zusätzliche Reibereien mit sich, die den Drehbüchern Pepp und neue Nuancen verleihen. Zwei Episoden halten für die Darsteller darüber hinaus noch Doppelrollen parat. In der Folge „Der Erfinder“ kann Max Grießer nicht nur wie üblich als Tuba-Spieler Josef Huber brillieren, sondern verkörpert auch dessen Bruder Hans Huber, der in seiner Freizeit die absonderlichsten Apparaturen erfindet (Georg Lohmeier hatte ein ähnliches Motiv auch schon in einer Episode von Zwickelbach & Co. benutzt). Die abschließende Folge „Alte Liebe“ hat mit Maria Schell und Veit Relin noch einmal zwei namhafte Gaststars zu bieten. Schell spielt darin nicht nur die bodenständige Bauersfrau, die Gamerin, sondern auch deren zwanzig Jahre jüngere Nichte Dr. Rita Heller, eine vornehme Akademikerin. Man muss sich auf Stammtischdialoge, Blechmusik und wenig subtile Volksschauspielkunst einlassen können, um an dieser ersten Staffel des „blechmusikalischen Schwanks“, wie es im Untertitel heißt, seine Freude zu haben. Die namhaften Darsteller und die größtenteils authentisch wirkenden Einblicke in oberbayerisches Dorfleben in den frühen 1980er Jahren haben jedenfalls durchaus ihren Reiz. Pidax hat die dreizehn 25-minütigen Folgen auf zwei DVDs veröffentlicht. Das Bild (im Vollbildformat 1,33:1) ist eher mäßig, da es nicht sonderlich scharf ist. Außerdem kommt es auch immer wieder zu Bewegungsschlieren. Der deutsche Originalton (Dolby Digital 2.0) ist gut zu verstehen, sofern man mit dem lokalen Zungeneschlag keine allzu großen Probleme hat. Auf die Beigabe von Bonusmaterial hat man verzichtet. Die Veröffentlichung der dreizehn Folgen der zweiten Staffel hat das Label für den 4. Juni 2026 angekündigt. 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Land: Deutschland
Jahr: 1980
Regie: Georg Lohmeier
Drehbuch: Georg Lohmeier
Kamera: Werner Kurz, Rüdiger Meichsner
Darsteller: Max Grießer, Karl Obermayr, Bernhard Helfrich, Henner Quest, Josef Meinrad, Franz Muxeneder, Monika Dahlberg
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