
Nachdem er seine Zeit wegen Versicherungsbetrugs abgesessen hat, ist Jónas (Ólafur Darri Ólafsson) endlich wieder auf freiem Fuß. Dieses Mal soll alles besser werden. Doch schon die Suche nach einer neuen Arbeit, die er dringend braucht, wenn er weiterhin das geteilte Sorgerecht für seine Kinder haben will, gestaltet sich schwierig. Ein Ex-Sträfling? Das macht sich im Lebenslauf nicht gut. Nachdem das mit der Anstellung nicht klappen will, beschließt er, sein Glück selbst in die Hand zu nehmen und eine eigene Fusionsküche zu eröffnen. Aber auch dabei steht ihm seine Vergangenheit im Weg, die Investoren stehen nicht unbedingt bei ihm Schlange. Wohl oder übel nimmt er deshalb das Angebot von Gangsterboss und Mithäftling Kristján (Þröstur Leó Gunnarsson) an, ihn bei dem Projekt zu unterstützen. Denn die Sache hat einen Haken: Das Lokal soll zur Geldwäsche genutzt werden …
Spannung um kommende Verbrechen
Donnerstagabend sind auf arte bekanntlich Serien angesagt. Grundsätzlich sind dabei die unterschiedlichsten Genres möglich, etwa die französische Tragikomödie Sonntagnachmittagsblues über drei junge Menschen, die sich eine Wohnung in Paris teilen. Dieses Jahr waren es aber vor allem Krimis und Thriller, mit denen der Sender auf Publikumsjagd gegangen ist. Da war beispielsweise die schweizerisch-italienische Produktion Das Caravaggio-Komplott, das die reale Geschichte um den Raub eines wertvollen Gemäldes mit dem rätselhaften Fall um einen verschwundenen Vater verband. Davor ging es nach Italien, wo in All the Sins ein Kommissar in seiner alten Heimat Morde aufklären muss. Jetzt kommt der nächste Genrebeitrag bei uns heraus, bei Reykjavík Fusion steht wie schon mehrere Male auf diesem Sendeplatz Island auf dem Reiseprogramm.
Wobei die Serie in eine andere Richtung geht, als man es von den anderen isländischen Produktionen gewohnt ist. Waren diese mehr oder weniger klassische Whodunits, bei denen herausgefunden werden musste, wer ein bestimmtes Verbrechen begangen hat, geht es hier um künftige Verbrechen. Spannung soll nicht durch die Frage erzeugt werden, was in der Vergangenheit geschehen ist, sondern in Zukunft noch passieren wird. Und das könnte bei Reykjavík Fusion einiges sein. Schließlich sind fast alle Figuren, die hier auftauchen, auf die eine oder andere Weise kriminell. Das macht das mit der Identifikationsfigur etwas schwierig. Jónas ist da so etwas wie das kleinste Übel. Und zumindest versucht er ja, etwas Vernünftiges aus seinem Leben zu machen – man lässt ihn aber nicht.
Absurde Eskalation
Das Szenario um ehemalige Sträflinge, denen die Rückkehr in die Gesellschaft schwieriger, wenn nicht gar unmöglich gemacht wird, findet sich immer wieder in Filmen. Meistens geschieht das in Form eines Dramas. Reykjavík Fusion hingegen ist überwiegend ein Thriller, der mit einer schwierigen bis gefährlichen Situation beginnt und diese dann zunehmend eskalieren lässt. Das liegt gerade auch an Kristján, der keinerlei Skrupel hat und die übrigen Figuren dazu zwingt, immer größere Risiken auf sich zu nehmen. Dass das Wahnsinn ist, ist allen vor den Fernsehern klar. Es ist auch Jónas und Marý (Hera Hilmar) klar, der rechten Hand des Gangsterbosses. Letzterer lässt den beiden aber kaum eine Wahl.
Realismus sollte man dabei nicht erwarten. Das wird teilweise schon ziemlich absurd, was einem in dieser Küche des Grauens aufgetischt wird. Nachvollziehen muss man das alles nicht. Dabei ist Reykjavík Fusion aber schon darum bemüht, die Figuren real erscheinen zu lassen. Gerade der Protagonist ist recht komplex geworden, da er zwar alles andere als heldenhaft ist. Er ist aber auch kein fieser Schurke, der nur an sich selbst denkt. Die Serie erzählt auf diese Weise die Geschichte eines Mannes, der sich in einer unmöglichen Situation bewegt und versucht, in dieser das Richtige zu tun – selbst dann, wenn es schon keine richtige Entscheidung mehr gibt.
OT: „Reykjavík Fusion“
Land: Island
Jahr: 2025
Regie: Samúel Bjarki Pétursson, Gunnar Páll Ólafsson
Drehbuch: Hörður Rúnarsson, Birkir Blær Ingólfsson, Jónas Margeir Ingólfsson
Musik: Veigar Margeirsson
Kamera: Óttar Guðnason
Besetzung: Ólafur Darri Ólafsson, Hera Hilmar, Lára Jóhanna Jónsdóttir, Þröstur Leó Gunnarsson, Guðjón Davíð Karlsson, Þorsteinn Gunnarsson, Alexander Briem, Molly Mitchell, Iðunn Ösp Hlynsdóttir, Tryggvi Freyr Torfason, Unnur Birna Jónsdóttir Backman
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