
Seit Jahren schon lebt die US-Amerikanerin Lilian Steiner (Jodie Foster) in Paris, wo sie sich einen Namen als Psychotherapeutin gemacht hat. Zuletzt läuft es aber nicht mehr rund bei ihr. Vor allem der Tod ihrer Patientin Paula (Virginie Efira) geht ihr nahe, zumal es heißt, dass diese Selbstmord begangen hat – ausgerechnet mit Tabletten, die Lilian verschrieben hat. Aber kann das sein? Die Psychologin will das nicht ohne Weiteres hinnehmen, geht vielmehr davon aus, dass es sich um Mord handelt. Also begibt sie sich auf die Suche nach der Wahrheit und wird dabei von ihrem Ex-Mann Gabriel (Daniel Auteuil) unterstützt, der seinerseits nie darüber hinweggekommen ist, dass die Beziehung vorbei ist …
Hochkarätig besetztes Krimidrama
Es ist sicherlich nicht so, als gäbe es einen Mangel an Krimis. Hierzulande wird das Genre geradezu inflationär bedient, Tag für Tag werden heimische Beiträge im Fernsehen gezeigt. Aber auch international erfreuen sich solche Filme und Serien großer Beliebtheit. Dass Paris Murder Mystery weltweit viel Aufmerksamkeit erhalten hat und auf zahlreichen Festivals gezeigt wurde, liegt jedoch weniger an der Popularität solcher Mördergeschichten. Vielmehr ist es der Besetzungs-Coup. Die zweifache Oscar-Preisträgerin Jodie Foster zu gewinnen, muss man erst einmal schaffen, zumal sie nicht allzu oft Filme dreht. Und auch sonst ist die Besetzung prominent, zumindest wenn man sich im französischen Kino auskennt. Neben den oben genannten sind auch Mathieu Amalric und Vincent Lacoste zu sehen.
Diese Schauspieler und Schauspielerinnen zu engagieren, ist aber nicht allein aus Marketinggründen ein Geschenk. Es ist auch deshalb wichtig, weil es in dem Film sehr viel mehr um die Figuren geht als den Fall. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich die Therapeutin selbst, die sich als Hobby-Detektivin versucht. Das tut sie aber weniger aus Neugierde, sie ist keine zweite Miss Marple oder so. Vielmehr geht ihr das nahe, weil sie selbst unmittelbar damit zu tun hat. Schlimm genug, dass sie nicht hat kommen sehen, dass ihre Patientin selbstmordgefährdet ist. Dies auch noch mit den Medikamenten zu tun, die sie verschrieben hat, macht sie quasi mitschuldig. Paris Murder Mystery handelt also von jemandem, der nicht die Verantwortung übernehmen will und deshalb eine alternative Erklärung braucht. Zumal auch sonst einiges nicht bei ihr funktioniert, die Krise geht also über diese Geschichte hinaus.
Etwas dünn, aber unterhaltsam
Allzu tief bohrt Regisseurin und Co-Autorin Rebecca Zlotowski (Ein leichtes Mädchen) dabei aber nicht. Für einen Film, der von einer renommierten Psychotherapeutin handelt, ist die psychologische Ausbeute eher dünn. Auch bei den anderen Figuren bleibt Paris Murder Mystery an der Oberfläche. Sohn Julien (Lacoste) etwa wird nur durch das schwierige Verhältnis zur Mutter charakterisiert. Da der Kriminalfall an sich ebenfalls etwas dünn geworden ist, verwundert es daher nicht, wenn der Film bei vielen nicht sehr gut ankommt. Als Genrebeitrag ist das nicht spannend genug, als Psychodrama bleiben die Erkenntnisse zu spärlich. Dass beispielsweise der Therapeutin dauernd Tränen kommen, wird nicht so richtig aufgelöst.
Und doch ist das Krimidrama, das 2025 in Cannes Weltpremiere hatte, durchaus sehenswert. So werden die inhaltlichen Leerstellen zum Teil von dem besagten Ensemble wieder ausgeglichen. Vor allem Foster zeigt Jahrzehnte nach ihrem Durchbruch, dass sie noch immer mühelos einen Film anführen kann. Wobei die übrigen Kollegen und Kolleginnen gut mit ihr harmonieren. Da sind schon eine ganze Reihe sehenswerter Szenen dabei, die primär von dem Zusammenspiel leben. Manche sind schön, andere traurig. Immer wieder wird der Film auch unerwartet lustig, etwa weil manches übertrieben ist oder die Suche nach der Wahrheit zu kuriosen, gar surrealen Szenen führt. Es ist also nicht so, dass Paris Murder Mystery nichts zu bieten hat. Der Film ist nur in mehrfacher Hinsicht kleiner, als man das im Vorfeld erhofft hatte.
OT: „Vie privée“
IT: „A Private Life“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Rebecca Zlotowski
Drehbuch: Rebecca Zlotowski, Anne Berest, Gaëlle Macé
Musik: Rob
Kamera: George Lechaptois
Besetzung: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Amalric, Vincent Lacoste, Luàna Bajrami
Cannes 2025
Toronto International Film Festival 2025
Zurich Film Festival 2025
Filmfest Hamburg 2025
BFI London Film Festival 2025
Französische Filmwoche 2025
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