
Dreißig Jahre saß Joseph Komalschek (Götz George) hinter Gittern, weil er seine damalige Freundin Anita und deren neugeborenes Kind getötet haben soll. Richtige Beweise gab es zwar nie, lediglich Indizien. Dennoch war sich das Gericht damals sicher, dass er die Tat begangen haben muss. Nun ist er wieder frei und versucht, zurück in die Gesellschaft zu finden. Einfach ist das aber nicht, der junge Polizist Tom Barner (Hanno Koffler) und seine Kollegen folgen ihm auf Schritt und Tritt. Für Barner hat dieser Fall auch eine persönliche Note, da sein Vater Klaus (Manfred Zapatka) früher selbst bei der Polizei arbeitete und einer der Männer war, die Komalschek ins Gefängnis brachten. Doch je länger er dem alten Mann hinterherläuft, umso stärker wächst in ihm die Überzeugung, dass an der Geschichte mehr dran war …
Das Leben nach dem Gefängnis
An Krimis und Thrillern mangelt es im deutschen Fernsehen bekanntlich nicht, da kommt praktisch jeden Tag etwas heraus. Vor allem die diversen Serien und Filmreihen sorgen dafür, dass dieses Genre bei uns deutlich überrepräsentiert ist. Von den unzähligen Wiederholungen alter Folgen und Teile ganz zu schweigen. Aber es gibt auch immer wieder Beiträge, die in sich geschlossene Geschichten erzählen und bei denen klar ist, dass es keine Fortsetzung geben kann. Ein Beispiel hierfür ist der ARD-Thriller Besondere Schwere der Schuld aus dem Jahr 2014. Theoretisch wäre es zwar denkbar gewesen, dass der ermittelnde Polizist Tom Barner noch weitere Fälle übernimmt. Aber das wäre doch eher unpassend gewesen, da im Mittelpunkt des Geschehens gar nicht er steht, sondern der alte Komalschek.
Anfangs wirkt der Film wie eines dieser Dramen um Leute, die aus dem Gefängnis kommen und nun versuchen müssen, wieder ein normales Leben zu führen. Home und Die Wütenden – Les Misérables etwa erzählten von den Vorurteilen, mit denen jemand nach einer langen Haftstrafe zu kämpfen hat, aber auch von den Auswirkungen auf die Psyche. Bei Besondere Schwere der Schuld ist das ähnlich, wenn der Protagonist auf Schritt und Tritt verfolgt wird und ihm stetiges Misstrauen entgegenkommt. Dass eine Mutter ihr Kind nicht allein mit einem verurteilten Kindsmörder lassen will, ist durchaus nachvollziehbar. Manches ist an dem Film dann zwar schon klischeehaft. Es funktioniert jedoch recht gut.
Inhaltlich eher schwach
Dieses Thema wird relativ früh aber wieder zu den Akten gelegt, es kommt zu einer inhaltlichen Verschiebung. Anstatt sich mit der Frage zu befassen, wie jemand, der eine solche Schuld auf sich geladen hat, mit seinem Leben weitermachen soll und ob man so jemanden zurück in die Gesellschaft lassen darf, geht es dann darum, was denn damals wirklich geschehen ist. Besondere Schwere der Schuld lässt dabei wenig Zweifel daran, dass Komalschek unschuldig ist. Denn nach diesem Prinzip funktionieren solche Geschichten nun einmal. Man kann sich dann auch darüber streiten, ob das hier überhaupt noch ein Thriller ist. Zwar gibt es schon eine bedrohliche Atmosphäre, man könnte durchaus befürchten, dass jemand dem Ex-Sträfling etwas antut. Aber es geht dann doch mehr darum, das alte Verbrechen aufzuklären und einige Fragen zu klären, die damit im Zusammenhang stehen.
Zu viel sollte man in der Hinsicht nicht erwarten. Die Auflösung ist schon sehr vorhersehbar, man versucht nicht einmal, wirkliche Alternativen aufzubauen. Die dazugehörigen Figuren sind zudem recht schematisch gehalten, Nuancen muss man da schon suchen. Ein weiteres Manko ist, dass nicht alles unbedingt nachvollziehbar ist, die Leute sich teilweise recht willkürlich verhalten. Des Inhalts wegen kann man sich den Film daher sparen, das Drehbuch lässt mehrfach zu wünschen übrig. Besondere Schwere der Schuld profitiert aber von der namhaften Besetzung, allen voran natürlich Götz George als gleichermaßen willensstarker wie zerbrechlicher Mann, der vom Leben gezeichnet wurde. Und auch die Settings tragen dazu bei, dass man einen Blick darauf werfen kann.
OT: „Besondere Schwere der Schuld“
Land: Deutschland
Jahr: 2014
Regie: Kaspar Heidelbach
Drehbuch: Sascha Arango
Musik: Alexeï Aïgui
Kamera: Pierre Milon
Besetzung: Götz George, Hanno Koffler, Hannelore Elsner, Thomas Thieme, Manfred Zapatka, Hans-Martin Stier
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