Mother May I
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Mother, May I?

Mother May I
„Mother, May I?“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Eigentlich sollte der Tod seiner Mutter Emmett (Kyle Gallner) sehr nahe gehen, doch auch während der Einäscherung kann er nicht anders, als wie ein Beobachter dem Geschehen teilnahmslos zu zusehen. Seine Verlobte Anya (Holland Roden) macht sich deswegen Sorgen um ihn, vor allem, weil er bis heute noch nicht die Beziehung zu seiner Mutter überwunden hat. Übermächtig und bestimmend trat sie in Emmetts Leben auf, sodass es wie ein Befreiungsschlag für ihn war, als er von zu Hause auszog und ein neues Leben begann. Aufgrund dieses Umstands macht es ihn stutzig, als er hört, dass seien Mutter ihm ihr Anwesen, einen umgebaute Scheune, vermacht hat, die idyllisch in der Nähe eines Waldes und eines kleinen Sees liegt. Da dieser Ort für Emmett zu viele schmerzliche Erinnerungen bereit hält, will er das Anwesen so schnell es geht verkaufen, auch wenn Anya ihn überreden will, es als ihr Landhaus zu behalten. Da sie ihn nicht umstimmen kann, beginnt sie ein Rollenspiel mit Emmet, bei dem sie ein Gespräch über ihre Probleme und Gefühlszustände beginnen und dann die Rolle des Gegenübers übernehmen. Zwar kann die Emmett so spiegeln, wie er sich verhält, doch es braucht wohl etwas Radikales, weshalb die Idee, ein paar Pilze einzuwerfen, ihr und auch Emmett sehr gelegen kommt.

Die Episode hat jedoch einige unheimliche Nebenwirkungen, denn während Emmett mit einem Kater davonkommt, verwandelt sich Anya vor seinen Augen in seine Mutter. Sie übernimmt mit jeder Stunde immer mehr ihrer Verhaltensweisen, beginnt zu rauchen und Emmett so zu kontrollieren, wie er es aus seiner Kindheit und Jugend kennt. Ihm ist klar, dass er sie befreien muss, doch dann ist er sich auch nicht sicher, ob es sich nicht doch um eines jener Rollenspiele handelt, mit denen Anya ihn aus der Reserve locken will.

Toxische Beziehungen

Dass man durch die Mittel des Horror- und Thrillerkinos gesellschaftspolitische Themen aufgreifen kann, ist, was viele Genrebeiträge auszeichnet und interessant macht. Drehbuchautor und Regisseur Laurence Vannicelli hat mit seinen Werken wie The Young Horsefly oder Porno – Dämonische Verführung gezeigt, dass er zum einen die Klaviatur des Genrekinos beherrscht, doch zugleich an dieser anderen erzählerischen Ebenen interessiert ist. In Mother, May I?, der aktuell im Programm der Fantasy Filmfests Nights zu sehen ist, geht es daher vor allem um toxische Beziehungen und psychologische Störungen.

Vorab sei vor allem Fans des Effektkinos gesagt, dass Mother, May I? definitiv keiner jener Filme ist, die auf dieser Ebene beim Publikum punkten werden. Auch wenn es in der zweiten Hälfte zu dem ein oder anderen Schockmoment kommt, geht es Vannicelli in erster Linie um Atmosphäre, was man vor allem anhand von Aspekten wie den Bildern von Kameramann Craig Harmer sowie dem Sounddesign sehen kann. Vannicelli inszeniert ein Kammerspiel, das die meiste Zeit über in dem großzügigen Anwesen von Emmets verstorbener Mutter spielt, welches abwechselnd wie ein willkommenes Zuhause wirkt, dann aber wieder wie ein Gefängnis für die beiden Hauptfiguren. Interessant ist hierbei, dass sich die Inszenierung nicht auf Kniffe wie beispielsweise Rückblenden verlässt, um das Verhältnis des Pärchens oder zwischen Sohn und Mutter zu beleuchten. Durch das Schauspiel, Andeutungen oder Details wie die Home Videos, auf die Anya bei ihrer ersten Erkundungstour stößt, bekommt der Zuschauer ein Bild der Familie, über die Mechanismen der Kontrolle, die Momente des emotionalen Rückzugs sowie die diversen Wege, wie man sich aus Konflikten herausgelöst hat. Mother, May I? mag ein langsames Erzähltempo anschlagen, doch liefert dafür ein sehr detailliertes und beunruhigendes Bild über Hierarchien in Beziehung.

Mittel der Kontrolle

Auf demselben hohen Niveau wie die Inszenierung bewegen sich auch die schauspielerischen Leistungen. Sowohl Kyler Gallner als auch Holland Roden spielen überzeugend Figuren, die trotz aller Rollenspiele mit ihren Gefühlen und Wünschen nicht ehrlich umgehen und sich somit immer mehr angreifbar machen, für den anderen oder eben die Mächte, die (möglicherweise) noch in den Wänden des Familienanwesens sich befinden. Die Idee des Rollenspiels ist dabei eine interessante Spielart, die schon Genrebeiträge wie The Lodge von Veronika Franz und Severin Fiala effektvoll für sich nutzen konnten. Nie ist den Figuren oder eben den Zuschauern klar, wer hier eigentlich wem etwas vorspielt, ob es sich dabei um die Wahrheit handelt, was man sagt, oder ob es sich nur um ein ausgefeiltes Lügengebäude handelt, ausgedacht zum Schutz vor unangenehmen Erinnerungen und welche Macht sie den Menschen geben könnten, die uns gegenüber sitzen.

Credits

OT: „Mother, May I?“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Laurence Vannicelli
Drehbuch: Laurence Vannicelli
Musik: Marc Riordan
Kamera: Craig Harmer
Besetzung: Kyle Gallner, Holland Roden, Chris Mulkey, Michhael Giannone, Daphne Gaines

Trailer

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Mother, May I?
fazit
„Mother, May I?“ ist ein spannender, clever inszenierter und gespielter Mix aus Horrorfilm und Thriller. Laurence Vannicellis Film ist langsam, aber effektvoll erzählt, lässt sich Zeit für seine Figuren und lässt den Zuschauer im Ungewissen, was nun Wahrheit ist und was nicht.
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