Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit TV Fernsehen arte Streaming online Mediathek DVD
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Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit

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„Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit“ // Deutschland-Start: 25. September 1986 (Kino)

Inhalt / Kritik

Als am Strand einer Kleinstadt in der Bretagne die Leiche von Raoul Mons (Jacques Dacqmine) gefunden wird, weist alles auf ein persönliches Mordmotiv hin. Schließlich wurde er nackt ausgezogen, auf seinem Rücken steht groß das Wort „Schwein“. Zuvor hatte sich der vermögende Schriftsteller mit einer Reihe von Leuten angelegt. An möglichen Tätern und Täterinnen mangelt es also nicht. Als Inspektor Jean Lavardin (Jean Poiret) anreist, um die Ermittlungen zu übernehmen, erlebt er eine große Überraschung: Bei der Witwe handelt es sich ausgerechnet um Hélène (Bernadette Lafont), seine Jugendliebe, die er viele Jahre nicht mehr gesehen hat. Und so quartiert sich Lavardin in der Villa ein, wo Hélène mit ihrem Bruder Claude Alvarez (Jean-Claude Brialy) und Véronique (Hermine Clair), ihrer Tochter aus erster Ehe, zusammenlebt. Dabei führt die Spur schnell zu Max Charnet (Jean-Luc Bideau), der im Ort einen Nachtclub betreibt …

Ein ambivalenter Polizist in Serie

Zwar bringt man Claude Chabrol in erster Linie mit seinen Kinofilmen in Verbindung. Doch im Laufe seiner langen Karriere hat sich die französische Regielegende mehrere Male am seriellen Erzählen versucht. Die wohl bekanntesten Titel entstanden dabei in den 1980ern. So drehte Chabrol mehrere Geschichten rund um den berüchtigten Meisterverbrecher Fantomas. Später wechselte er die Seiten und folgte einem Polizisten. Dabei war das Debüt von Lavardin 1985 in Hühnchen in Essig fast schon beiläufig, erst vergleichsweise spät taucht der Inspektor dort auf. In dem ein Jahr später veröffentlichten Kinofilm Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit war er schon deutlich zentraler. Von 1989 bis 1990 folgte noch eine vier Episoden umfassende Serie, in der Jean Poiret noch einmal in die Rolle des Ermittlers schlüpfte.

Wer den Vorgänger gesehen hatte, ahnte schon, was ihn hier erwarten würde. Der Rest durfte sich verwundert die Augen reiben. Natürlich hatte es früher bereits Beispiele gegeben, dass Polizisten in Krimis und Thrillern die Grenze zwischen gut und böse verschwimmen lassen. Bei Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit ist das aber noch einmal verstärkt der Fall. Zwar handelt es sich bei dem Protagonisten um keines dieser durch und durch korrupten Exemplare, die ihre Position missbrauchen, um sich selbst zu bereichern. Vielmehr geht es Lavardin schon um Gerechtigkeit. Nur definiert er diese selbst, interessiert sich nicht für Gesetze oder Regeln. Er nimmt willkürlich anderen ihre Ausweise weg, nötigt sie anderweitig, zerstört deren Besitz und manipuliert auch schon mal Beweise, wenn es seiner Meinung nach einem guten Zweck dient.

Gesellschaftsdemontage und willkürlicher Krimi

Das ist mitunter schwer erträglich, passt aber gut zu der Vorliebe von Chabrol, die gutbürgerliche Gesellschaft zu demaskieren und demontieren. Wenn Raoul Mons als großer Moralist auftritt und dafür sorgt, dass ein Theaterstück wegen angeblicher Blasphemie verboten wird, später aber selbst als übergriffiger Krimineller entlarvt wird, wundert das nicht wirklich. Aber so ist das eben in Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit: Da haben sie alle Geheimnisse, Skrupel hingegen weniger, da wird gelogen und betrogen, dazu gnadenlos ausgenutzt. Manchmal auch mehr. Wo andere Krimis das Publikum am Ende mit dem Gefühl entlassen, dass die Welt besser geworden ist und für Gerechtigkeit gesorgt wurde, da darf man hier ein großes Fragezeichen hinterlassen.

Das ist als Gesellschaftsporträt sehenswert, zudem wunderbar inszeniert. Mit einem sagenhaften Blick für Details, ungewöhnlichen Perspektiven und humorvollen Einfällen bewies Claude Chabrol erneut sein Talent dafür, etwas andere Genrevertreter vorzulegen. Als reiner Krimi ist Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit hingegen eher weniger interessant. Zwar darf man hier tatsächlich bis zum Schluss rätseln, wer das Schwein nun abgestochen hat. Der Weg zur Auflösung ist aber schon sehr willkürlich. Gerade in der ersten Hälfte, wenn der Inspektor ganz „zufällig“ über Hinweise stolpert, wird es so übertrieben, dass man meinen könnte, es handele sich hier um eine Krimiparodie à la Eine Leiche zum Dessert. Wer damit leben kann, dass sich der Film mehr für die Figuren interessiert als den Fall, hat hiermit aber auch Jahrzehnte später noch Spaß.

Credits

OT: „Inspecteur Lavardin“
Land: Frankreich
Jahr: 1986
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol, Dominique Roulet
Musik: Matthieu Chabrol
Kamera: Jean Rabier
Besetzung: Jean Poiret, Jean-Claude Brialy, Bernadette Lafont, Jean-Luc Bideau, Jacques Dacqmine, Hermine Clair, Pierre-François Dumeniaud, Florent Gibassier

Bilder

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Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit
fazit
„Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit“ war der zweite Auftritt des französischen Polizisten. Und erneut stellte Regie-Legende Claude Chabrol Konzepte wie gut und böse oder eben Gerechtigkeit in Frage. Als Krimi ist das aufgrund der Willkürlichkeit nicht ganz so spannend. Die Demontage und Demaskierung der Gesellschaft sowie die inszenatorische Finesse machen den Film aber bis heute sehenswert.
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