Der Spalter Tv Fernsehen ZDF Mediathek
Axel Stein als genussvoller Provokateur in "Der Spalter" (© ZDF/Oliver Feist)

Axel Stein [Interview]

Was tun, wenn der eigene Chef uneingeladen auf einer Grillparty auftaucht und bald alle mit seinen ständigen Provokationen auf die Palme bringt? Von einer solchen Situation erzählt die Komödie Der Spalter, die am 23. November 2022 um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird. Axel Stein hat dabei die Rolle des titelgebenden genussvollen Querulanten übernommen, der mit fremden- und frauenfeindlichen Sprüchen eine liberale Gesellschaft auseinanderzureißen droht. Wir haben uns anlässlich des Sendetermins mit dem Schauspieler über seine Rolle, gesellschaftliche Spaltungen und gute Teamarbeit unterhalten.

 

Was hat Sie an Der Spalter gereizt? Weshalb wollten Sie bei dem Film mitmachen?

Da war so einiges, angefangen bei der Figur. Der Lars, den ich hier spiele, ist jemand mit Ecken und Kanten, der bewusst andere Leute manipuliert. Eine derart fiese Persönlichkeit zu spielen, das reizt mich auf jeden Fall. Hinzu kommen die Kollegen und Kolleginnen, bei denen es wahnsinnig viel Spaß machte, mit ihnen zusammenzuarbeiten und einen schönen Film zu drehen. Außerdem hat es mich gereizt, dass der Film eine Art Kammerspiel ist. Da kommen also einige Faktoren zusammen.

Wie würden Sie den Lars denn beschreiben?

Der Lars ist eigentlich eine ganz tragische Figur. Er ist mit sich selbst nicht im Reinen und überträgt das auf andere Menschen. Zum Beispiel will er die Firma übernehmen, was aber nicht so ganz klappt. Ihm geht es gut, wenn es anderen schlecht geht, und hat da schon so seine sadistischen Tendenzen. Es macht ihm Spaß, Themen anzusprechen, von denen er ganz genau weiß, dass er damit für Kontroversen sorgt und mit denen er die Gesellschaft spalten kann. Themen, bei denen man selbst noch gar nicht sagen kann, welche Position man beziehen möchte und wie man sich anderen gegenüber verhalten soll. Seine Mission ist es, anderen bewusst einen Strick daraus zu drehen.

Es ist für das Publikum schon unangenehm Lars zuzusehen. Wie war es dann, so jemanden zu spielen?

Großartig! Das ist es, was ich an meinem Beruf so liebe, dass man jemanden spielen darf, der einem völlig fremd ist. Ich durfte hier mal so richtig eklig sein und konstant Grenzen austesten. In jeder Szene konnte ich überprüfen: Wie reagiert er? Mit welchen Themen kann er Leute unterdrücken? Das haben wir in den Szenen nach Belieben ausprobiert. Wenn du erst einmal so eine Figur erschaffen hast, kannst du auf ihr surfen und schauen, wie weit du wirklich gehen kannst. So eine krasse Figur, das macht schon Spaß, gerade auch innerhalb eines Ensembles.

Ganz allgemein, was ist interessanter zu spielen: das Arschloch oder der Gutmensch?

Interessanter ist für mich tatsächlich das Arschloch. Das ist meist die größere Herausforderung als Schauspieler.

Wenn er ständig bei den anderen aneckt, wie viel davon ist bewusste Provokation? Wie viel geht darauf zurück, dass zwei Welten aufeinanderprallen, die einfach nicht kompatibel sind?

Das weiß glaube ich niemand so genau, nicht einmal Lars. Er hat schon eine radikale Weltansicht, mit der er dann aber wieder im Nebensatz so spielt, dass du nicht sagen kannst: Meint er das jetzt ernst? Das ist genau das, womit ich dann auch gespielt habe. Das Publikum soll sich fragen, ob er jetzt einen doofen Spruch gemacht hat oder das wirklich so meint. Mit der Zeit wird in Der Spalter aber schon klar, dass er bewusst provoziert. Da ist schon eine gewisse Steigerung mit verbunden.

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Angespannte Stimmung in „Der Spalter“: Als Lars (Axel Stein, rechts) auftaucht, nimmt die Grillparty einen unschönen Verlauf. (© ZDF/Oliver Feist)

Diese Provokationen bedeuten zwangsläufig eine große Herausforderung für die anderen, die sich mit ihm auseinandersetzen müssen. Wie würden Sie damit umgehen, wenn jemand wie Lars in Ihrem Umfeld auftaucht?

Wenn ich solchen Leuten begegne, dann entferne ich mich ganz klar davon. Wenn in meinem Garten jemand wäre, der sich wie Lars verhält, dann würde ich den hinausbegleiten. Und auch wenn er bei Freunden von mir auftauchen würde, würde ich ganz klar Stellung beziehen. Das liegt aber auch an meinem Naturell, da ich jemand bin, der offen seine Meinung kund tut. Ich muss immer das sagen, was ich gerade denke. Ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, mit jemandem wie ihm an einem Tisch zu sitzen. Probieren würde ich es schon. Aber irgendwann reicht es dann auch einfach.

Das habe ich mich beim Anschauen auch gefragt: Lohnt es sich überhaupt, mit jemandem wie ihm diskutieren zu wollen?

Wahrscheinlich nicht. Lars fühlt sich wohl dabei, wenn er Schmutz verteilen kann. Je mehr, desto besser. Daran ergötzt er sich. Je mehr Diskussionen man ihm schenkt, umso mehr Power gibt man ihm dadurch.

Andererseits: Wenn man ihn einfach machen lässt, riskiert man, dass er andere infiziert. Das sieht man an dem Sohn, der sich von ihm auf eine Weise inspirieren lässt, die man kaum gutheißen kann.

Das stimmt. Sie suchen dann andere, an denen sie sich ausprobieren können, und machen so lange weiter, bis sie irgendwann Erfolg haben. Das kann dann auch ein 16-Jähriger sein, der noch nicht so gefestigt ist und sich deshalb leichter beeinflussen lässt. Je weniger Anknüpfungspunkte man ihnen bietet, umso länger dauert aber die Suche.

Es sind aber nicht nur 16-Jährige, die auf solche Leute reinfallen. Da sind auch genug Erwachsene, die sich infizieren lassen. Wie sollte man damit umgehen? Man kann ja schlecht überall dabei sein, wenn er austeilt.

Nein, natürlich nicht. Man kann nur versuchen, das eigene Umfeld positiv zu beeinflussen und dieses darauf vorzubereiten, dass es auch Leute wie Lars gibt. Einfach ist das natürlich nicht. Wie soll ich meinem Neffen erklären, dass er nicht auf Lars hören soll? Am Ende müssen sie selbst entscheiden und für sich selbst denken. Außerdem gibt es momentan wirklich überall Brandherde. Da ist es schon verständlich, wenn die Leute Existenzängste haben und dadurch empfänglich werden für solche Spalter und Hetzer. Ich kann nur versuchen, die Leute um mich herum so zu prägen, dass sie vorbereitet sind. Dass ich ihnen zum Beispiel erkläre, dass es etwas Gutes und etwas Schönes ist, in einer Multi-Kulti-Gesellschaft zu leben.

Erzeugt Lars diese Spaltungen oder macht er nur sichtbar, was ohnehin schon da ist?

Ich denke, dass es beides ist. Es gibt sicherlich Spaltungen, die schon da sind und die für ihn ein gefundenes Fressen sind. Aber da sind auch glatte Stellen, die er abklopft und schaut, ob er nicht doch eine Spaltung erzeugen kann.

Vermutlich dürften die wenigsten Leute Spaß daran haben, sich konstant mit jemandem zu streiten. Die meisten werden dann doch eher versuchen, irgendwie miteinander klarzukommen. Wo setzt man dabei die Grenze zwischen Diplomatie und Unterwerfung? Gerade auch, wenn bei der einen Figur hinzukommt, dass Lars bald der Chef sein könnte.

Ich weiß gar nicht, ob man da eine wirkliche Grenze ziehen kann. Bei der Arbeit ist das natürlich besonders schwierig, wenn manche Sachen Teil der Arbeitsaufgabe sind. Da kannst du dich nicht einfach verweigern. Wenn der dann aber auf einmal bei dir zu Hause auftaucht, dann wird da schon eine Grenze überschritten. Wichtig ist es in einem solchen Fall, dass klar kommuniziert wird.

Waren Sie bei Ihrer eigenen Arbeit je in der Situation, dass Sie mehr Kompromisse eingehen mussten, als Sie eigentlich wollten?

An einem Set laufen schon so achtzig Leute herum. Da ist es praktisch unmöglich, dass wirklich alle perfekt aufeinander abgestimmt sind. Da bleibt dir nichts anderes übrig, als auch mal Abstriche zu machen und Sachen zu akzeptieren, weil es schneller geht, als groß herumzudiskutieren. Aber ich war nie in der Situation, dass ich etwas machen musste, was ich partout nicht machen wollte, und darunter gelitten habe. Filmemachen ist ein Teamsport. Da ist die Mannschaft so stark wie das schwächste Glied. Und darauf musst du eben Rücksicht nehmen.

Was ist denn das Geheimnis dafür, dass ein Team gut funktioniert?

Ich weiß gar nicht, ob das jetzt ein Geheimnis ist. Letztendlich müssen die Leute einfach zusammenpassen. Du siehst das bei Filmen ganz oft, dass Leute nach einem Projekt mehrfach zusammenarbeiten, wenn sie eben wissen, dass es gut miteinander klappt. Aber das ist in anderen Branchen auch so. Wenn wir zum Beispiel ein Teammitglied haben, das ständig meckert und für schlechte Stimmung sorgt, dann wird der oder die beim nächsten Mal nicht unbedingt noch einmal engagiert.

Wie war denn die Arbeit an Der Spalter? Das ist schließlich ein Ensemblefilm, anstatt wie viele Filme zwei bis drei Hauptfiguren zu haben.

Das war super! Wir hatten einen sehr angenehmen und familiären Dreh, weil wir auf einer Wellenlänge waren und uns gegenseitig gut unterstützen konnten.

Was erhoffen Sie sich, dass das Publikum für sich aus dem Film mitnimmt?

Ich wäre schon zufrieden, wenn wir damit das Publikum zum Nachdenken bewegen können, egal ob es nun das Thema Arbeit ist oder auch Beziehung. Wenn die Leute klarer Stellung beziehen, anstatt dem Widerstand immer aus dem Weg zu gehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Axel Stein wurde am 28. Februar 1982 in Wuppertal geboren. Er stand bereits mit 12 Jahren vor der Kamera. Bekannt wurde er als Jugendliche durch die Serie Hausmeister Krause (1999) und den Kinofilm Harte Jungs (2000). Bis heute ist er vor allem für seine komödiantischen Rollen berühmt und spielte unter anderem in den Kinohits Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft (2015) und Die Goldfische (2019) mit. Sein Debüt als Regisseur gab er 2014 daher etwas unerwartet mit dem Horrorfilm Tape_13.



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