Kritik

Hilfe ich habe meine Lehrerin geschrumpft DVD

„Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ // Deutschland-Start: 17. Dezember 2015 (Kino) // 9. Juni 2016 (DVD/Blu-ray)

Für den 11-jährigen Felix (Oskar Keymar) heißt es: jetzt oder nie! Nachdem der Junge schon von mehreren Schulen geflogen ist, liegen alle Hoffnungen nun auf der Otto-Leonhard-Schule. Richtig toll läuft es dort aber auch nicht. So hat ihn die Rektorin Dr. Schmitt-Gössenwein (Anja Kling) von Anfang an auf dem Kieker, stellt ihn wegen seiner mangelnden Mathekenntnisse vor allen bloß. Da will er sich wenigstens mit den Schülern gutstellen und lässt sich daher auf eine Mutprobe des arroganten Anführers Mario (Georg Sulzer) ein: Er soll in der Nacht in der Schule einbrechen. Der Einbruch selbst gelingt. Nur wird Felix dummerweise dabei gleich von Schmitt-Gössenwein erwischt. Während er sich schon auf das Schlimmste gefasst macht, schrumpft die aber wie von Geisterhand auf eine winzige Größe zusammen. Gute Nachricht? Weit gefehlt. Nicht nur, dass die Lehrerin auch in dieser Version unausstehlich ist. Sie ist zudem die einzige, die den Plan von Schulrat Henning (Justus von Dohnányi) vereiteln kann, die Schule in eine Eliteinstitution umzuwandeln. Und so bleibt Felix nichts anderes übrig, als gemeinsam mit seiner Mitschülerin Ella (Lina Hüesker) nach einem Weg zu suchen, den Zauber wieder rückgängig zu machen …

Ein bekanntes Szenario mit vielen Unbekannten

Auch wenn der Verdacht natürlich nahe lag, bei Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft handelte es sich nicht um eine Wiederaufnahme der Komödie Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft, die 1989 so erfolgreich war, dass sie zwei Fortsetzungen und eine eigene Serie nach sich zog. Stattdessen nahm man sich das 2006 erschienene gleichnamige Kinderbuch von Sabine Ludwig als lose Vorlage, um daraus ein neues Abenteuer zu machen. Worum es darin gehen würde, kündigte der Titel bereits an: Der Protagonist sorgt ungewollt dafür, dass seine Lehrerin auf einmal ganz klein ist und ist – aus verständlichen Gründen – mit dieser Situation komplett überfordert.

Dieses Grundszenario wird jedoch durch zahlreiche andere Elemente erweitert. So geht es nicht zuletzt darum, wie ein Junge sich schwer damit tut, irgendwo anzukommen und seinen Platz zu finden. Warum das der Fall ist, das verrät Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft jedoch nicht. Das Publikum erfährt weder, was bei den vorangegangen Schulen vorgefallen ist, noch was denn das Problem von Felix ist. Dass er es nicht so mit Mathe hat, das wird zwar gleich zu Beginn demonstriert. Außerdem wird angedeutet, dass die Entscheidung der Mutter, aus beruflichen Gründen weit weg zu sein, ihm zu schaffen macht. Mehr als das hat das Drehbuch über ihn aber nicht zu sagen.

Nicht dass es den anderen Figuren in der Hinsicht deutlich besser ginge. Dr. Schmitt-Gössenwein darf, bedingt durch ihre Erfahrungen als Winzling, auch eine innere Wandlung durchmachen und ihre gute Seite erkennen. Das geschieht aber eher spontan, als dass man sich die Mühe gemacht hätte, ihr eine graduelle Entwicklung zuzugestehen. Beim Rest gibt es nicht einmal das. Besonders deutlich wird das bei Mario und dessen Vater, der als Schulrat so gar kein Interesse an seinen Schülern und Schülerinnen hat und das Prestige und Geld der Elite vorzieht. Denn beide sind reine Stereotypen, die so kantenlos sind, dass sie nicht einmal als wirkliche Gegner durchgehen.

Das übliche Chaos

Allgemein ist das Drehbuch sicherlich nicht das ausgefeilteste. Das aus Gerrit Hermans, Silja Clemens und Florian Schumacher bestehende Team setzte mehr auf Quantität als Qualität, wenn diverse Themen und Figuren eingeführt und gleich darauf wieder fallen gelassen werden. Beim dramaturgischen Aufbau hingegen geht es sehr geradlinig zu. Ob es nun die Wandlung der Rektorin ist, die Freundschaft zu Ella oder die Vereitelung der diversen Pläne, man weiß hier schon sehr genau, was alles passieren wird. Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft richtet sich an ein jüngeres Publikum, das das noch keine direkten inhaltlichen Herausforderungen verträgt.

Letzteres darf mit dem überdrehten Film dann auch seinen Spaß haben. Tatsächlich interessant ist er aber nicht. Am reizvollsten ist noch das Geisterszenario rund um Otto Waalkes als Schulgründer, der selbst nach seinem Tod über die Schule wacht und damit der Geschichte eine leise Abenteuerstimmung verleiht. Auch Justus von Dohnányi (Vier zauberhafte Schwestern) zeigt sich routiniert als schmieriger Schulrat. Der überzogene Auftritt von Anja Kling (Das Quartett: Das Mörderhaus) hingegen wird schnell anstrengend, worunter vor allem die erste Hälfte des Films zu leiden hat. Erst wenn dann mal alle Figuren platziert sind und die Hauptgeschichte beginnt, zeigt Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft eine sehenswerte Seite, was aber nicht genug ist, um mehr als Durchschnitt zu sein.

Credits

OT: „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2015
Regie: Sven Unterwaldt
Drehbuch: Gerrit Hermans, Silja Clemens, Florian Schumacher
Vorlage: Sabine Ludwig
Musik: Karim Sebastian Elias
Kamera: Stephan Schuh
Besetzung: Oskar Keymer, Anja Kling, Lina Hüesker, Axel Stein, Justus von Dohnányi, Georg A. Sulzer, Otto Waalkes

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Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft
Ein Junge tut sich schwer an einer neuen Schule und lässt ungeplant seine schreckliche Lehrerin schrumpfen. Basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch ist „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ ein netter Familienfilm, der jedoch zu sehr auf Quantität als Qualität setzt. Vor allem bei den Figuren hätte mehr getan werden müssen, zumal die Geschichte sich beim Verlauf streng an alle Erwartungen erhält.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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