Alienoid
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„Alienoid“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / kritik

Die Aliens sind unter uns? Fast. Genauer sind sie in uns: Seit vielen Jahrhunderten schon werden Menschen ohne ihr Wissen zu Gefängnissen krimineller Außerirdischer gemacht. Davon merken die Wirte normalerweise nichts. Problematisch wird es nur, wenn die Gefangenen auszubrechen versuchen. Doch in dem Fall sind die Roboter Guard (Woo-bin Kim) und Thunder zur Stelle, die ebenfalls versteckt unter den Menschen leben und darauf achten, dass niemand entkommt. Bislang zumindest, denn im Jahr 2022 stehen sie und ihre menschliche Adoptivtochter Yian (Choi Yu-ri) ihrer bislang größten Gefahr gegenüber: dem Controller, einem besonders fiesen und mächtigen Alien. Zur selben Zeit, mehrere Jahrhunderte zuvor, versucht der Kopfgeldjäger Mureuk (Jun-yeol Ryu) an einen ganz besonderen Dolch zu gelangen. Doch dabei ist er nicht der einzige, denn sein Weg kreuzt sich unter anderem mit dem einer schießwütigen Frau (Tae-ri Kim), dem Magier-Duo Heug-seol (Jung-ah Yum) und Cheong-woon (Woo-jin Jo) sowie dem mysteriösen maskierten Ja-jang (Eui-sung Kim) …

Wahnsinn jenseits aller Genregrenzen

Alienoid ist einer dieser Filme, bei denen es fast schon ein Verbrechen ist, vorab viel verraten zu wollen. Dabei geht es weniger darum, dass der Film so überraschende Mindfucks hat, deren Kenntnis einem das Vergnügen rauben könnten. Stattdessen handelt es sich bei dem südkoreanischen Werk um einen völlig irren Mix, den es zu sehen und erleben gilt. Denn etwas Vergleichbares wird man kaum finden. Wer also völlig blind ins Vergnügen einsteigen und überrascht werden möchte, der kann den Rest dieses Textes überspringen. Zwar enthält er keine wirklichen Spoiler, verrät aber doch, worin der Wahnsinn zum Teil besteht, den Regisseur und Drehbuchautor Dong-hoon Choi da zusammengerührt hat.

Schon die Einteilung in ein Genre funktioniert hier nicht so wirklich. Science-Fiction stimmt natürlich, schließlich haben wir es hier mit Außerirdischen, Robotern und Zeitreisen zu tun. Doch während Thunder und Guard in der Gegenwart gegen einen extraterrestrischen Feind kämpfen, sind in der Vergangenheit klassische Schwertkämpfer und magisch begabte Menschen unterwegs. Ach ja, und zwei Männer, die eigentlich Katzen sind und eigentlich als Bilder auf einem Fächer leben. Vielleicht aber eigentlich auch nicht. In derselben Zeitebene ist auch eine Frau unterwegs, die mit einer Handfeuerwaffe hantiert, die zwar ziemlich alt aussieht, im 14. Jahrhundert aber doch etwas deplatziert wirkt. Vor allem wenn alle andere mit Schwertern oder ähnlichen Waffen kämpfen, weshalb Alienoid auch ein klassischer Martial-Arts-Film ist. Nur mit viel Humor. Manchmal zumindest.

Eine Frage der Zeit

Für diesen sind neben den besagten Katzen-(Nicht-)Menschen das Magieduo zuständig, das ständig herumwirbelt und die sonderbarsten Objekte bei ihrer Aufgabe verwendet. Auch da sollte man nicht zu viel verraten, dem Überraschungseffekt zuliebe. Aber man darf doch fasziniert zusehen, wie die beiden ein Wunderwerk nach dem anderen bemühen, bei denen nie ganz klar ist, ob das jetzt großartig oder völlig bescheuert ist. Vermutlich beides. Das gilt insgesamt dann auch für Alienoid. Klar ergibt das alles keinen Sinn. Soll es aber auch nicht: Es geht hier um das Spektakel, keine ausgefeilte Geschichte. Das ist natürlich keine Seltenheit. Bei vielen Filmen steht das Erleben vor dem Inhalt. Der Unterschied ist aber, dass viele dieser Spektakel, gerade aus Hollywood, dabei festen Konventionen folgen und alle dasselbe machen. Choi hat hingegen etwas völlig Eigenes erschaffen, das die Konventionen zwar kennt und zum Teil einbaut, sich aber nicht wirklich um diese schert.

Wobei man dem Film Unrecht tun würde, wenn man ihn allein auf eine vermeintliche Unsinnigkeit beschränkt. Beispielsweise macht es durchaus Spaß zu spekulieren und später auch zu sehen, wie denn die beiden Handlungsstränge eigentlich zusammenhängen. Auch bei den Schauwerten wurde nicht gespart, wenn Fantasy- und Science-Fiction-Elemente ohne Rücksicht auf Verluste eingebaut werden. Allerdings hat das auch dazu geführt, dass der Film sündhaft teuer war und in Südkorea noch nicht einmal ansatzweise die Kosten wieder eingespielt hat. Das ist auch deshalb tragisch, weil Alienoid mit einem Cliffhanger endet und dringend eine Fortsetzung bräuchte. Aber selbst wenn diese nicht mehr kommen sollte und man hiermit Vorlieb nehmen muss: Die Reise durch die Zeit und diversen Genres lohnt sich, wenn am Ende die Welt Kopf steht und man gar nicht mehr genau sagen kann, was das jetzt eigentlich war.

Credits

OT: „Oegye+in 1bu“
Land: Südkorea
Jahr: 2022
Regie: Dong-hoon Choi
Drehbuch: Dong-hoon Choi
Musik: Young-gyu Jang
Kamera: Tae-kyung Kim
Besetzung: Jun-yeol Ryu, Woo-bin Kim, Tae-ri Kim, Ji-sub So, Hanee Lee, Jung-geun Shin, Woo-jin Jo, Jung-ah Yum, Eui-sung Kim

Trailer

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Alienoid
fazit
Was passiert, wenn zeitreisende Roboter, ein Magier-Duo, Katzenmenschen, ein Kopfgeldjäger und eingesperrte Außerirdische aufeinandertreffen? Irgendwie alles. „Alienoid“ kombiniert verschiedenste Genres und Zeitebenen zu einem wilden Mix, den man selbst dann nicht glaubt, wenn er sich gerade vor den eigenen Augen abspielt. Natürlich muss man sich auf einen Film einlassen können, der über alle Grenzen hinwegtänzelt und dabei gleichermaßen großartig wie bescheuert ist.
Leserwertung10 Bewertungen
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