Inhalt / Kritik

Knocking

„Knocking“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Für Molly (Cecilia Milocco) ist es an der Zeit, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Schließlich war sie lange genug in der Psychiatrie. Es geht ihr inzwischen gut genug, wieder raus in die Welt zu gehen und eigenständig zu leben. Die Freude an ihrem eigenen kleinen Apartment währt jedoch nicht übermäßig lang: Als würde ihr die Hitze darin nicht schon genug zu schaffen machen, hält sie bald auch noch ein Klopfen an der Ecke vom Schlafen ab. Erschwerend kommt hinzu, dass sie nicht genau sagen kann, wer für das Geräusch verantwortlich ist. Denn wen auch immer sie danach fragt, der streitet ab, etwas damit zu tun zu haben. Bildet sie sich das am Ende nur alles ein? Oder geht da etwas Finsteres in dem Haus vor sich, das ihr niemand verraten will?

Der Horror geräuschvoller Nachbarn

Wer in einem Haus mit vielen Apartments wohnt, der wird das Gefühle kennen: Da ist eigentlich immer irgendjemand, der gerade Geräusche in unmittelbarer Nähe macht. Ob nun jemand lautstark telefoniert, zu unmöglichen Zeiten mit dem Bohren beginnt, sich im Bad übergibt oder – der Klassiker – ständig irgendetwas fallen zu lassen scheint, tatsächlich leise ist es nie. Dass man dabei noch nicht einmal immer zuordnen kann, wer diese Geräusche verursacht, macht die Situation nicht unbedingt erträglicher. Wenn Knocking dieses Phänomen nimmt und drumherum eine eigene Geschichte strickt, dann ist das durchaus Stoff für Alpträume. Ein Horror, der rein akustischer Natur ist? Warum nicht.

Die Adaption eines Romans von Johan Theorin will einen aber nicht nur durch die repetitiven Geräusche langsam in den Wahnsinn treiben. Das Publikum soll sich natürlich gleichzeitig fragen, was denn hinter all dem steckt. Knocking setzt dabei auf ein im Horrorgenre immer wieder gern verwendetes Element: Die Hauptfigur wird Zeuge bzw. Zeugin eigenartiger Vorkommnisse, von denen aber niemand sonst etwas mitbekommt und für die es auch keine Beweise gibt. Das führt zwangsläufig immer dazu, dass alle an dieser Figur zweifeln. Selbst das Publikum kann sich nicht ganz sicher sein, ob es das Erlebte glauben soll. Schließlich könnte das alles reine Einbildung sein, insbesondere wenn die betroffene Person eine Vorgeschichte hat, die auf eine psychische Erkrankung schließen lässt. Ein solcher Mensch ist quasi per Definition wenig glaubwürdig.

Eine Frau bricht in sich zusammen

Tatsächlich ist der Film, der auf dem Sundance Film Festival 2021 Premiere feierte, weniger an dem Phänomen und dem Geheimnis dahinter interessiert. Stattdessen ist es die Hauptfigur und die Auswirkungen dieser Ereignisse auf ihre Psyche, welche im Mittelpunkt von Knocking stehen. Wer hier einen Mystery-Thriller erwartet, bei dem das Publikum immer mehr Puzzleteile zugesteckt bekommt, der wird eher weniger glücklich werden. Vielmehr drängen sich Vergleiche zu Paranoia-Thrillern wie Ekel auf, bei denen wir mitansehen dürfen, wie ein Mensch vor unseren Augen immer weiter auseinanderbricht. Je mehr hier zusammenkommt, etwa in Form von Flashbacks, umso weniger Zusammenhang gibt es. Die Geschichte ergibt mit der Zeit nicht unbedingt mehr Sinn.

Das wird für manche sicherlich unbefriedigend sein, zumal die Handlung überschaubar ist. Ein Großteil des Films besteht darin, wie Molly entweder in ihrer Wohnung die Nerven verliert oder durchs Haus läuft, auf der Suche nach der Quelle. Selbst bei einer Laufzeit von nicht einmal 80 Minuten ist das nicht sehr viel. Langweilig ist der Film jedoch nicht, wenn man sich darauf einlassen kann. Regisseurin Frida Kempff, die hier ihr Spielfilmdebüt abgibt, hat einen Genremix vorgelegt, der beklemmend und tragisch zugleich ist. Knocking nutzt die Geräusche, aber auch eine verfremdete Optik, um seine Protagonistin langsam im Abgrund verschwinden zu lassen, das Publikum an diese gekettet. Und so sehr diese auch strampelt, ein rettendes Land ist weit und breit nicht zu sehen. Oder zu hören.

Credits

OT: „Knackningar“
Land: Schweden
Jahr: 2021
Regie: Frida Kempff
Drehbuch: Emma Broström
Vorlage: Johan Theorin
Musik: Martin Dirkov
Kamera: Hannes Krantz
Besetzung: Cecilia Milocco, Albin Grenholm, Ville Virtanen, Krister Kern, Charlotta Åkerblom

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Knocking
„Knocking“ folgt einer psychisch angeknacksten Frau, die in ihrer neuen Wohnung ein rätselhaftes Klopfen zu hören meint. Die Abwechslung ist eher gering, viel Handlung gibt es ohnehin nicht. Dafür gelingt dem Film eine Atmosphäre irgendwo zwischen beklemmend und tragisch, wenn die Protagonistin immer mehr im Abgrund verschwindet.
7von 10
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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