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Strange Harvest

„Strange Harvest“ // Deutschland-Start: 05. November 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten suchte ein Serienmörder das an die Millionenstadt Los Angeles angrenzende Inland Empire heim. Doch lange war den ermittelnden Behörden gar nicht bewusst, dass sie es mit einer Mordserie zu tun hatten, weil sie keine Verbindung zwischen den einzelnen Taten herstellten. Das änderte sich schlagartig im Juli 2010, als eine dreiköpfige Familie aus San Bernardino ausgeblutet in ihrem Esszimmer aufgefunden wird. Das mysteriöse Symbol, das mit ihrem Blut an die Zimmerdecke gepinselt wurde, bringt die Beamten auf die Spur des Killers, der sich selbst Mr. Shiny (Jessee J. Clarkson) nennt. Vor den Kameras eines Fernsehteams geben die Kriminalpolizisten Joe Kirby (Peter Zizzo) und Lexi Taylor (Terri Apple) Jahre später Auskunft darüber, wie sie Mr. Shiny nach einem frustrierenden Katz-und-Maus-Spiel letztendlich doch noch auf die Schliche gekommen sind.

Zu kurios, um wahr zu sein

Mit zwei Jahren Verspätung kommt der zweite abendfüllende Horrorfilm des Regisseurs Stuart Ortiz endlich auch in Deutschland in die Kinos – und hat viele Vorschusslorbeeren geerntet. Strange Harvest wird unter anderem als „die nächste große Indie-Horror-Sensation“ gepriesen. Beim HARD:LINE Film Festival in Regensburg, wo das kunstvoll gestaltete Werk im März 2026 seine Deutschlandpremiere feierte, belegte es beim Publikumspreis Rang zwei. Was den Film so populär macht, ist seine nahezu perfekte Form.

Wer Stuart Ortiz‘ Debüt gesehen hat, ahnt womöglich, wohin die Reise geht. Grave Encounters (2011), den Ortiz gemeinsam mit seinem Kollegen Colin Minihan als Regieduo „The Vicious Brothers“ realisierte, ist ein übersinnlicher Found-Footage-Streifen im Geist von Blair Witch Project (1999). Darin begeben sich der Moderator einer Reality-TV-Show und seine Filmcrew in einer leerstehenden psychiatrischen Klinik auf Geisterjagd. Eine Grundidee, die später auch der deutsche Horrorfilm Heilstätten (2018) aufgriff. Das Spiel mit der angeblichen Wahrheit treibt Ortiz in seinem jüngsten Film auf die Spitze.

Typisch True Crime …

Strange Harvest beginnt mit Nachtaufnahmen eines mehrspurigen Highways. Während sich die endlosen Autoschlangen durch das Lichtermeer der umliegenden Häuser ziehen, ist die Stimme des Kriminalpolizisten Joe Kirby aus dem Off zu hören. Kirby spricht von all den Ungereimtheiten eines verstörenden Kriminalfalls. Die traurige Klaviermusik von Sarah DeCourcy setzt den dazu passenden Ton. „The following is considered one of the most unreported cases in Southern California history“ ist auf der Leinwand zu lesen, und das Kinopublikum wähnt sich in einem echten Fall, von dem es nur deshalb noch nie etwas gehört hat, weil er der Einblendung zufolge zu den „am wenigsten berichteten Fällen in der Geschichte Südkaliforniens“ zählt.

Was folgt, ist ein Lehrbeispiel in Mimikry. Von den in einer geräumigen Lagerhalle gefilmten Interviews mit den zwei Kriminalbeamten Joe Kirby und Lexi Taylor (Terri Apple) über die nachgestellten Nachrichtenbeiträge aus verschiedenen Jahrzehnten bis zu den Aufnahmen der Körperkameras von Streifenpolizisten, die als Erste an Tatorten eintreffen, sieht alles in Strange Harvest wie in einer typischen True-Crime-Fernsehserie aus. Peter Zizzo und Terri Apple liefern überzeugende Darbietungen ab. Jede Geste, jedes Nachdenken, Innehalten und Aussprechen unangenehmer Erinnerungen wirkt echt. Das Konzept, eine True-Crime-Serie zu imitieren, hat zudem einen entscheidenden Vorteil.

… und doch eigen

Als Indie-Produktion stand Strange Harvest nur ein bescheidenes Budget zur Verfügung. Meist schlagen solch beschränkte finanzielle Mittel bei den praktischen Effekten negativ zu Buche, worunter wiederum der Horror leidet. Denn wenn das bluttriefende Geschehen nicht überzeugend aussieht, kippt der Indie-Horror schnell ins Lächerliche. Als angebliches True-Crime-Format bringt Strange Harvest allerdings den Vorteil mit, dass das Gemetzel nur in wenigen Ausnahmefällen als Bewegtbild in Szene gesetzt werden muss. Der Großteil der Morde ist bereits verübt worden und wird in der Filmhandlung lediglich aus der Rückschau der ermittelnden Polizisten und anhand illustrierender Tatort-Fotos vermittelt. All das lässt sich auch mit einem geringen Budget überzeugend herstellen.

Der größte Pluspunkt ist jedoch, dass es Stuart Ortiz nicht bei einem „simplen“ Serienmörder-Fall belässt. Das von ihm selbst verfasste Drehbuch schlägt eine Volte nach der anderen – und mischt den brutalen Verbrechen schließlich Okkultes und Übersinnliches unter. Letzten Endes ist das zwar des Guten zu viel, aber auch sehr eigen. Einen so ausgefallenen Serienkiller wie in Strange Harvest bekommt man selten zu Gesicht. Und der Weg bis zur Aufklärung des Falls ist verdammt unterhaltsam, ohne dass der Film in eine Parodie des Tru-Crime-Genres umschlägt. Das muss man erst einmal hinbekommen!

Credits

OT: „Strange Harvest“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Stuart Ortiz
Drehbuch: Stuart Ortiz
Musik: Sarah DeCourcy
Kamera: Seth Fuller
Besetzung: Peter Zizzo, Terri Apple, Andy Lauer, Jessee J. Clarkson

Bilder

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Strange Harvest
FAZIT
Nach dem Found-Footage-Streifen "Grave Encounters" (2011) treibt der Regisseur und Drehbuchautor Stuart Ortiz auch in "Strange Harvest" ein überzeugendes Spiel mit der Realität. Der Horrorfilm ist im Stil einer True-Crime-Serie gestaltet und war ein Publikumsliebling beim HARD:LINE Film Festival in Regensburg. Spannend inszeniert nimmt der Grusel immer absurdere Züge an, ohne ins Lächerliche zu kippen. Sehenswert!
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