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Polizeiruf 110: Sie haben Namen

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„Polizeiruf 110: Sie haben Namen“ // Deutschland-Start: 1. November 2026 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Als die Leiche der Jugendlichen gefunden wird, weiß niemand, wer sie ist. Klar ist nur, dass sie als Prosituierte gearbeitet haben muss und offensichtlich vor dem Mord gefoltert wurde. Aber von wem? Wer könnte ihr nur so etwas Schlimmes angetan haben? Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Melly Böwe (Lina Beckmann) versuchen das herauszufinden. Ausgangspunkt ist eine Feriensiedlung, die dem ehemaligen Kampfsportler, Zuhälter und Unternehmer Heiko Mischke (Sönke Möhring) gehört. Bei der Suche nach Antworten tauchen die beiden Kommissarinnen tief ein in die Welt der organisierten Prostitution und müssen sich mit menschlichen Abgründen auseinandersetzen – denen der anderen und ihrer eigenen …

Krimi mit gesellschaftlichem Abgrund

Seit dem Ende der Sommerpause haben die öffentlich-rechtlichen Sender wieder im großen Stil ihre Krimireihen fortgeführt. Doch während der Tatort bereits mehrere neue Teile zeigen durfte, mussten Fans der sonntäglichen Inhouse-Konkurrenz Polizeiruf 110 lange warten. Sehr lange sogar. Tatsächlich sind etwa sieben Monate seit dem letzten Film Goldraub vergangen, damals ging es um einen ebenso tödlichen wie rätselhaften Überfall auf eine Goldschmiede-Manufaktur. Jetzt kommt mit Sie haben Namen doch mal ein neuer Film heraus, es ist der 427. der ehemaligen DDR-Krimireihe. Hat sich die lange Wartezeit gelohnt? Leider nicht wirklich, das Comeback der beiden Kommissarinnen ist eher mäßig interessant geworden.

Das Anfangsszenario ist dabei recht klassisch. So beginnt die Geschichte mit dem Fund einer Leiche, danach muss herausgefunden werden, wer den Mord begangen hat. Da werden Spuren gesucht, Leute befragt. Ein typischer Whodunit eben. Allerdings rücken diese Ermittlungen immer wieder in den Hintergrund. Es scheint hier dann doch weniger darum zu gehen, etwas über das Milieu der Prostitution zu sagen. Grundsätzlich ist es natürlich nicht verkehrt, wenn ein Krimi genommen wird, um ein gesellschaftliches Thema aufzugreifen. Dann sollte man aber auch etwas Interessantes darüber zu sagen haben. Bei Polizeiruf 110: Sie haben Namen gibt es aber nicht viel mehr als Klischees und stereotype Figuren.

Zu viel Drama

Hinzu kommt das persönliche Drama. Das ist zwar beim Rostocker Team nichts Neues. Dass Böwe vor langer Zeit vergewaltigt wurde und ihr Kind die Folge dazu ist, das ist schon länger bekannt. Das wird hier wiederaufgegriffen und mit dem Fall verbunden. Aber auch bei König werden die privaten Probleme ausgepackt. In Kombination ist das schon ziemlich viel, zumal Polizeiruf 110: Sie haben Namen nicht gerade zurückhaltend ist, wenn es um die Umsetzung geht. Zuweilen verkommt das hier zu einem ganz großen Drama. Wer mit dem derzeitigen Trend, dass Krimis vielmehr Psychoporträts und Therapiestunden sind als Verbrechensbekämpfung, nicht viel anfangen kann, braucht es hiermit erst gar nicht zu versuchen.

Was die schon sehr konstruierte Geschichte rettet, ist die Besetzung. So ist das schon stark gespielt, was hier geschieht. Das gilt sowohl für die beiden Hauptdarstellerinnen, die hier mehrfach an ihre Grenzen gehen dürfen. Aber auch bei den übrigen, die hier mitmischen, hat man gute Arbeit geleistet. Die Ansammlung völlig verkorkster Menschen ist auf ihre Weise durchaus beeindruckend geworden. Tatsächlich spannend ist Polizeiruf 110: Sie haben Namen aber nicht. Und so richtig zu Herzen geht es auch nicht, da das hier einfach alles zu geballt ist und man irgendwann nicht mehr das Gefühl hat, Teil der realen Welt zu sein. Ein bisschen weniger hätte es da schon sein dürfen. So bleibt ein Krimi, das hin und wieder an die Nieren geht, ansonsten aber eher irritiert als zu fesseln.

Credits

OT: „Polizeiruf 110: Sie haben Namen“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Franziska Schlotterer
Drehbuch: Florian Oeller
Musik: Johannes Lehniger, Sebastian Damerius
Kamera: Hanno Lentz
Besetzung: Anneke Kim Sarnau, Lina Beckmann, Andreas Guenther, Josef Heynert, Uwe Preuss, Wolfgang Michael, Anastasiia Mazhara, Liliom Lewald, Thorsten Merten, Christian Erdmann, Sönke Möhring, Katya Molchanova

Bilder

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Polizeiruf 110: Sie haben Namen
fazit
In „Polizeiruf 110: Sie haben Namen“ untersuchen die beiden Kommissarinnen den Mord an einer jungen Prostituierten. Über das Milieu hat der Film nicht wirklich viel zu sagen, über die verkorksten Figuren umso mehr. Das ist schon beeindruckend gespielt, aber so überzogen, dass nicht die erwünscht emotionale Wucht erreicht wird.
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