Auf den ersten Blick führen Russell (Jay Duplass), seine Frau Ursula (Jessica Chastain) und Bela (Arabella Olivia Clark) ein sehr idyllisches Leben. Doch hinter der Fassade rumort es schon länger, das Ehepaar hat sich im Laufe der Zeit entfremdet. Trost verspricht dafür ein Wesen, das immer wieder bei Bela auftaucht und sie bittet, in ihr Herz aufgenommen zu werden. Die Eltern ahnen nichts von diesem übernatürlichen Besuch, der die Gestalt von Ursula annimmt und den das Mädchen deshalb „Other Mommy“ nennt – bis Russell selbst Zeuge davon wird und seinen Augen kaum glauben will. Sich der neuen Gefahr bewusst, beschließt die Familie, erst einmal woanders unterzukommen. Doch dabei haben sie die Rechnung ohne den Eindringling gemacht, der Bela nicht aufgeben will …
Viel Talent im Raum
Es gibt diverse Anzeichen dafür, an denen man die (mangelnde) Qualität eines Films festmachen kann, noch bevor man diesen gesehen hat. Weit oben auf der Liste steht dabei, wenn dieser der Presse vorab nicht gezeigt wird. Vor allem im Horrorsegment haben sich in den letzten Jahren Beispiele gehäuft, dass das Publikum lieber ohne Vorwissen ins Kino geht. Dieses Jahr etwa wurden Scream 7 und Passenger bei den Pressevorführungen übergangen. Und auch Other Mommy reiht sich in die Liste der Horrortitel ein, bei denen die Verleihe lieber darauf verzichteten, dass sie Vorabkritiken erhalten, um sich schlechte Presse zu ersparen. In dem Fall hier ist das jedoch vergebene Liebesmühe, da der deutsche Kinostart erst einige Wochen nach denen in den USA, Großbritannien oder auch Frankreich liegt. Es haben daher bereits genug Leute ihre Meinung kundgetan. Und wie war wenig überraschend wenig freundlich.
Ein wenig verwundert das angesichts der beteiligten Leute aber schon. So hat man mit Oscar-Preisträgerin Jessica Chastain und Indie-Ikone Jay Duplass zwei verlässliche Schauspieltalente engagiert. Regie führte Rob Savage, der mit Host und The Boogeyman schon eifrig Horrorerfahrung gesammelt hat. Produziert wurde das Ganze auch noch von James Wan, der unter anderem die großen Hits Saw, Insidious und Conjuring – Die Heimsuchung inszeniert hat. Was kann da schon schiefgehen? Einiges. Other Mommy ist sicher nicht der völlige Reinfall, den man befürchten konnte. Da spuckt das Genre jedes Jahr deutlich schlimmere Titel aus, gerade im Direct-to-Video-Bereich. Gemessen an dem, was man hier aber bei dem Team hinter und vor der Kamera erwarten durfte, ist das schon ziemlich enttäuschend geworden.
Wenig Spannung
Ein großes Problem ist, dass der Film tatsächlich nie wirklich spannend wird. Dass gleich zu Beginn alle Karten auf den Tisch gelegt werden, führt dazu, dass es defacto keinen Mystery-Anteil gibt, wie man ihn bei solchen übernatürlichen Wesen eigentlich fast immer hat. Im Laufe der anderthalb Stunden kommen keine relevanten neuen Erkenntnisse hinzu. Okay, am Ende ist eine kleine Wendung, welche Other Mommy dramatischer machen soll. Das bringt aber nicht wirklich etwas. Die Adaption eines Romans von Josh Malerman (Bird Box – Schließe deine Augen) spricht zwar schon ernste Themen an, wenn von einer auseinanderbrechenden Familie erzählt wird. Auch das Motiv, dass eine Mutter ihr Kind nicht liebt, wäre ein dankbarer Aufhänger gewesen. Aber daraus wird nichts gemacht, stattdessen gibt es eine Aneinanderreihung von Schreckmomenten.
Zumindest ein paar davon können sich auch tatsächlich sehen lassen, wenn das Wesen versucht, die Gestalt von Menschen anzunehmen und immer etwas nicht ganz richtig ist. Auch das Setting wird hin und wieder effektiv genutzt. Aber eben nicht genug, um dem Film zu höheren Sphären zu verhelfen. Zumal da auch immer wieder Szenen dabei sind, bei denen man nicht genau sagen kann, ob die jetzt gewollt oder ungewollt albern sind. Beim Gruselfaktor hilft das so oder so nicht. Das ist schade, nicht nur wegen des vergeudeten Talents, sondern auch weil die Geschichte von Other Mommy schon Potenzial gehabt hätte. Horrorgeschichten, in denen Trauer, Ängste oder andere negative Gefühle ausgenutzt werden, das geht schon. Hier lässt es einen jedoch kalt.
OT: „Other Mommy“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Rob Savage
Drehbuch: Nathan Elston
Vorlage: Josh Malerman
Musik: Patrick Jonsson
Kamera: Lowell A. Meyer
Besetzung: Jessica Chastain, Jay Duplass, Arabella Olivia Clark
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