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Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit

„Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit“ // Deutschland-Start: 29.10.2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Barbara Buser, 1954 in Zürich geboren und in Basel aufgewachsen, ist eine Architektin, die auf Nachhaltigkeit statt auf Neubauten setzt. Nach ihrem Studium an der ETH Zürich ging sie für zehn Jahre in den Sudan und nach Tansania, um Brunnen zu bauen. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz wird sie in Basel die erste Fähr-Frau auf dem Rhein. Sie rettet ihr Elternhaus und zwei Nachbarhäuser vor dem Abriss und gründet mit ihrem Kollegen Eric Honegger ein Baubüro, das sich auf Umnutzungsprojekte spezialisiert und nicht profitorientiert agiert. Zu ihren bekanntesten Projekten zählen das Gundelinger Feld, die Umwandlung einer alten Maschinenfabrik in ein Quartierzentrum, und der Umbau der Markthalle Basel. 2020 erhielten Buser und Honegger den Meret-Oppenheim-Preis.

Vom Wert des Wiederverwertens

Barbara Buser hat viele Hüte auf. Sie ist eine preisgekrönte Architektin und die erste Fähr-Frau auf dem Rhein, somit eine erfolgreiche Frau in gleich zwei Männerdomänen. Sie ist Umwelt-Aktivistin, Nachhaltigkeits-Pionierin und Architektur-Bewahrerin. Um die 1954 geborene Schweizerin treffend zu beschreiben, lässt man neben ihr selbst am besten ihre Weggefährten über sie sprechen. Im Dokumentarfilm der Regisseurin Gabriele Schärer macht das unter anderem Andreas Ruby, der von Mai 2016 bis 2025 das Schweizerische Architekturmuseum in Basel leitete und seine erste Ausstellung gemeinsam mit Buser organisierte. „Ich habe Barbara Buser als eine Architektin kennengelernt, die in Basel mehr Gebäude vor dem Abriss erhalten hat, als Herzog & de Meuron hier gebaut haben“, sagt Ruby. Diese Statistik fand der Museumsleiter so bemerkenswert, dass er Buser unbedingt begegnen wollte.

Das Erhalten und Wiederverwerten besitzt für Buser oberste Priorität. Als Nachkriegskind hängt diese Lebenseinstellung sicherlich mit der selbst erlebten Mängelwirtschaft zusammen. Aber auch Busers im Susan und in Tansania geleistete Entwicklungshilfe hat sie geprägt. Denn dort sei nichts weggeworfen worden, erinnert sie sich. Letzten Endes ergibt ein Wirtschaftskreislauf, der nicht nur aufs Produzieren, Konsumieren, Wegwerfen und erneut Produzieren ausgerichtet ist, aber nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch mehr Sinn. Das hängt mit den endlichen Ressourcen und deren törichter Verschwendung zusammen, wenn Buser darauf hinweist, dass in der Schweiz erstklassig gebaute Häuser oft schon nach 20 bis 30 Jahren wieder abgerissen werden und deren Baumaterial komplett auf dem Müll landet. Und es hat mit dem Energieaufwand zu tun, der beispielsweise beim in der breiten Öffentlichkeit positiv konnotierten Recycling von vielen ahnungslosen Außenstehenden nicht mit eingerechnet werde.

Männliche vs. weibliche Prinzipien

Oft würden Recycling und Wiederverwertung fälschlicherweise in einen Topf geworfen, sagt Buser. Doch: „Recycling heißt, dass man Materialien einsammelt und dann zerkleinert mit viel Lärm, Gestank und Energie. Aus diesem Rohstoff macht man dann etwas Neues. Und das ist meisten auch mit viel Energie verbunden. Man muss etwas einschmelzen, neu gießen usw. Für mich ist das ein männliches Prinzip. Alles wird mit Maschinen, industriell usw. hergestellt.“ Die Wiederverwendung sei hingegen viel komplizierter. „Man muss etwas anpassen, es genau anschauen, prüfen, ob es noch ganz ist, ob es repariert werden kann. Vielleicht muss man es streichen oder streicheln.“ Ohne es explizit auszusprechen, dürfte Buser unter diesem Streicheln, der Fürsorge für die Materialien ein weibliches Prinzip verstehen.

Gabriele Schärer, die zu Busers Generation zählt, hat ihre Landsfrau über einen Zeitraum von mehreren Jahren mit der Kamera begleitet. Sie zeigt Buser beim Fähren über den Rhein, beim Segeln in der Freizeit, auf dem Fahrrad auf dem Weg ins Architekturbüro und bei der heimischen Gartenarbeit. Architektur und Umwelt gemeinsam zu denken, zeigt sich bereits daran, wie viel blühendes Grün in Busers Projekten zu finden ist. Die melancholisch angehauchte und dennoch beschwingte Musik passt perfekt dazu und verleiht dieser Doku einen leichten Ton. Am besten ist sie immer dann, wenn Buser allein oder an der Seite anderer durch eines ihrer Projekte führt und das Kinopublikum hautnah miterleben kann, wie kluge Wiederverwertung aussehen kann.

Dass die Regisseurin der Architektin und ihrem Lebensthema positiv gegenübersteht, ist offensichtlich. Ihre Parteinahme ist aber nicht schlimm. „Seit fast vierzig Jahren mache ich Filme aus einer feministischen Perspektive“, schreibt Schärer in einem Regiestatement. „Natürlich will ich die Möglichkeiten des Erzählerischen jenseits des Patriarchats entdecken, meine Filme sollen Teil einer neuen symbolischen Ordnung sein – die es zu entdecken und zu kreieren gilt.“ Mit Barbara Buser hat sie eine ideale Kandidatin für dieses Vorhaben gefunden.

Credits

OT: „Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit“
Land: Schweiz
Jahr: 2026
Regie: Gabriele Schärer
Buch: Gabriele Schärer
Musik: SULP SwissUrbanLändlerPassion
Kamera: Peter Zwierko

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Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit
FAZIT
„Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit“ ist ein Dokumentarfilm über die gleichnamige Schweizer Architektin und ihr Anliegen, Gebäude zu erhalten und umzunutzen, anstatt sie abzureißen und neu zu bauen. So parteiisch die Regisseurin Gabriele Schärer dabei auch vorgeht, so erkenntnisreich ist Busers Credo. Ob ihr Weg die Zukunft des Bauens ist, sei dahingestellt, eine Alternative, die eine breitere Öffentlichkeit verdient, ist er allemal.
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