Well Find Happiness
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We’ll Find Happiness

Well Find Happiness
„We’ll Find Happiness“ // Deutschland-Start: 10. September 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Saad (Mehdi Meskar) und der Iraner Reza (Aron Archer) treffen sich in Spanien während sie beide auf der Flucht vor Verfolgung in ihren Heimatländern sind. Sie werden ein Liebespaar und fliehen gemeinsam weiter nach Kanada. Während Saad seine Identität verschleiert und so versucht, sich in Montreal ein neues Leben aufzubauen, droht Reza die Abschiebung in den Iran, wo ihm aufgrund seiner Homosexualität Gefängnis, Folter oder sogar die Todesstrafe drohen. Verzweifelt sucht Saad nach einem Ausweg und beginnt eine Affäre mit Laurent (Alexandre Landry), einem Mitarbeiter der Migrationsministerin, in der Hoffnung, über ihn Einfluss auf Rezas Schicksal nehmen zu können. Dabei geraten Liebe, Loyalität und moralische Grenzen zunehmend ins Wanken.

Zwischen Liebesgeschichte und politischem Drama

Mit We’ll Find Happiness widmet sich die schweizerisch-kanadische Regisseurin Léa Pool einem Thema, das im Kino bislang nur selten behandelt wird: der Situation queerer Geflüchteter und den existenziellen Konsequenzen staatlicher Asylpolitik. Gemeinsam mit Drehbuchautor Michel Marc Bouchard, einem der renommiertesten frankokanadischen Dramatiker, gelingt ihr ein Film, der persönliche Schicksale und politische Strukturen eng miteinander verzahnt. Bemerkenswert ist dabei auch, dass es sich um Bouchards erstes Originaldrehbuch handelt, das eigens für das Kino und nicht als Adaption eines seiner Theaterstücke entstand. Diese dramaturgische Erfahrung macht sich bemerkbar, denn die Figuren besitzen eine emotionale Vielschichtigkeit, die weit über einfache Opfer- oder Täterrollen hinausgeht.

Die Dreieckskonstellation zwischen Saad, Reza und Laurent steht im Zentrum. Während Saad alles daransetzt, seinen Partner zu retten, nutzt er zugleich Laurents Gefühle für seine eigenen Zwecke, und entwickelt selbst Gefühle für den Kandier. Der Film verweigert dabei einfache moralische Urteile. Stattdessen zeigt er, wie Liebe unter Bedingungen permanenter Bedrohung zwangsläufig von Machtverhältnissen und Überlebensstrategien beeinflusst wird. Diese Ambivalenz verhindert, dass die Geschichte sich in eindeutigen Botschaften erschöpft.

Die Verbindung von individuellem Schicksal und institutioneller Kritik überzeugt ebenfalls. We’ll Find Happiness macht deutlich, dass über Leben und Tod nicht allein Gewalt oder Verfolgung in den Herkunftsländern entscheiden, sondern ebenso bürokratische Abläufe und politische Entscheidungen in vermeintlich sicheren Demokratien. Dabei zeichnet der Film den Westen nicht als uneingeschränkten Zufluchtsort, sondern als System, das Schutz verspricht und gleichzeitig neue Formen der Ausgrenzung hervorbringt. Diese Perspektive verleiht dem Drama eine zusätzliche Aktualität, ohne den Figuren ihre persönliche Geschichte zu nehmen.

Nichtlineare Erzählweise

Auch formal bleibt Léa Pool ihrer Handschrift treu, die man aus Filmen wie Das Geheimnis des blauen Schmetterlings kennt. Die ruhige Inszenierung setzt weniger auf große Gesten als auf reduzierte Mimik. Die nichtlineare Erzählweise – nach dem Beginn mit Rezas Vorgeschichte, eröffnet sich Saads Geschichte durch Rückblenden, die seine Flucht dokumentieren – verbindet Gegenwart und Vergangenheit zu einem stimmigen Gesamtbild und verdeutlicht, wie sehr Flucht und Trauma das Leben der Figuren bestimmen. Unterstützt wird dies von der atmosphärischen Kameraarbeit Yves Bélangers, die intime Nahaufnahmen mit eindrucksvollen Landschaftsbildern verbindet und so gleichermaßen Nähe und Entwurzelung vermittelt.

Die Darsteller tragen ebenfalls entscheidend dazu bei, dass die Geschichte funktioniert. Mehdi Meskar verkörpert Saad mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit, während Aron Archer Reza trotz vergleichsweise weniger Leinwandzeit eine starke Präsenz verleiht. Alexandre Landry wiederum macht Laurent zu weit mehr als einem bloßen Vertreter des Systems und verleiht der Figur eine glaubwürdige Menschlichkeit. Nicht jede dramaturgische Wendung wirkt vollkommen überzeugend, und manche Rückblenden hätten etwas straffer ausfallen dürfen. Dennoch gelingt es dem Film, seine Spannung über die gesamte Laufzeit aufrechtzuerhalten und sein politisches Anliegen mit einer berührenden Liebesgeschichte zu verbinden.

Credits

OT: „On sera heureux“
Land: Kanada, Luxemburg
Jahr: 2025
Regie: Léa Pool
Buch: Michel Marc Bouchard
Musik: Valentin Couineau, Romain Allender
Kamera: Gilles Henry
Besetzung: Mehdi Meskar, Alexandre Landry, Aron Archer, Céline Bonnier, Sascha Ley

Bilder

Trailer

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We’ll Find Happiness
fazit
„We'll Find Happiness“ verbindet queeres Liebesdrama und politische Flüchtlingsgeschichte zu einem emotionalen, vielschichtigen Film. Dank starker Darsteller, einer sensiblen Inszenierung und moralisch komplexer Figuren bleibt ein sehenswertes Drama, das aktuelle Themen mit großer Menschlichkeit erzählt.
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