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The World Before

„The World Before“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Auf einer kleinen Insel vor der koreanischen Küste lebt die siebzehnjährige Jin (Sim Su-bin) mit ihrer Familie. Neben der Schule kümmert sie sich regelmäßig um die Großmutter ihres ehemaligen Freundes Dujae (Kim Eo-jin), der die Insel vor einigen Jahren verlassen hat. Als die alte Frau stirbt, kehrt Dujae für ein paar Tage in seine Heimat zurück. Nach seinem Highschool-Abschluss war Dujae zum Studieren nach Seoul gezogen, sodass er und Jin sich aus den Augen verloren hatten. Die Rückkehr bedeutet für ihn zugleich eine Begegnung mit seiner Mutter, die vor vielen Jahren zahlreiche Inselbewohner um ihr Geld betrogen hatte. Der Umzug in die Hauptstadt war für Dujae auch eine notwendige Trennung von seiner Mutter gewesen, der er diese Tat bis heute nicht vergeben kann.

Trotz des Angebots seines Onkels, bei ihm und seiner Familie zu bleiben, beschließt Dujae, im Haus seiner Großmutter zu wohnen. Als Jin ihn dort besucht, bemerkt sie, dass sie mittlerweile mehr als nur Freundschaft für ihn empfindet. Dujae zeigt sich jedoch unempfänglich für ihre Annäherungsversuche, was die junge Frau zunehmend frustriert. Ihre Gefühle für Dujae bringen Jin zum Nachdenken über ihr Leben auf der Insel. Zum ersten Mal setzt sie sich ernsthaft mit der Frage auseinander, ob ihre Zukunft dort liegt oder wie ein Leben abseits des Gewohnten für sie aussehen könnte.

Die erste Welt

The World Before ist nach Moving On (2019) der zweite Spielfilm der südkoreanischen Regisseurin Yoon Dan-bi. Dabei bleibt sie ihrem Thema der subtilen Veränderungen im Leben eines Menschen treu. Die beiden Geschwister in Moving On finden ein neues Zuhause, doch nicht beide finden einen Weg, sich dort wohlzufühlen. Auch in The World Before zeichnet sich eine Veränderung im Leben der beiden Hauptfiguren ab, wobei Gefühle wie Trauer, Liebe oder gar Wut weniger den Beginn einer neuen Lebensphase zeigen, sondern vielmehr einen Übergang zu dieser einleiten. So zumindest versteht die Filmemacherin den Kern ihres zweiten Spielfilms, der auf dem Toronto International Film Festival 2026 seine Weltpremiere feiert. Wie schon in Moving On geht es in The World Before um den Aufbruch von Menschen aus einer Lebensphase, die Fragen, welche sie dabei begleiten, und die Unsicherheit, ob man wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat.

Im Original kann man den Titel von Yoon Dan-bis Film mit „Erste Welt“ übersetzen. Auch wenn der internationale Titel The World Before interessant ist, impliziert er nicht den Prozess, in dem sich die beiden Hauptfiguren befinden, oder vielmehr die Übergangsphase, in der sich ihre beiden Leben befinden. Das behütete Leben auf der Insel, das Jin bislang genossen hat, neigt sich mehr und mehr dem Ende zu, wie man schnell erfährt. Ihre Freundinnen und sie reden bereits über ihre Pläne nach der Schule. Jins Eltern diskutieren am Esstisch über ihre Kindheit und Jugend, wie sie studieren gingen, wie sie auf die Insel kamen und dort eine Familie gründeten. Der leicht verklärte, nostalgische Blick der Erwachsenen bleibt sowohl Jin als auch Dujae noch versagt – aufgrund ihres Alters natürlich, aber auch wegen ihrer noch sehr unsicheren Haltung zum Leben. Während sie sich die Welt „dort draußen“ noch vorstellt, hat Dujae bereits einen ersten Vorgeschmack auf diese erhalten, ohne jedoch mit der „ersten Welt“ gänzlich abgeschlossen zu haben. Yoon Dan-bi erzählt dies mit einer Ruhe und Subtilität, die sich sensibel dem Prozess der Veränderung und der Emotionalität der beiden Figuren annähert.

Das Vertraute und das Fremde

Die Heimat der beiden Hauptfiguren ist eine ungemein schöne, aber fragile Idylle. Sim Su-bin und Kim Eo-jin spielen zwei Charaktere, deren Erinnerungen sich über die Bilder der Insel gelegt haben. Als Dujae von seinem Onkel in der Frühe geweckt wird, weil dieser mit seinem Neffen fischen gehen will, scheint der junge Mann bisweilen unempfänglich für die bildschönen Eindrücke wie den Sonnenaufgang. Der pittoreske Strand und die Natur sind Schauplätze einer Annäherung, die unbeholfen wirkt und keineswegs dem Ideal entspricht, das man sich wahrscheinlich im Kopf ausgemalt hat. Ablehnung und unerfülltes Verlangen beginnen diese Idylle zu überlagern, ebenso wie die Erinnerung an den Streit mit der eigenen Mutter, der letztlich zu einer schmerzlichen Trennung geführt hat. Geklärt scheint nichts – und diese Spannung liegt spürbar in der Luft.

In einer interessanten Szene besucht Dujae das Haus seiner Eltern, das nun von einer fremden Familie bewohnt wird. Der Familienvater, den Dujae vorher schon einmal getroffen hatte, zeigt ihm Fotos von seiner Familie, seiner Frau und seinem Kind, die beide derzeit nicht da sind. Das Vertraute ist freilich lange verloren – die erste Welt ist eigentlich abgeschlossen, auch wenn der junge Mann emotional noch in ihr lebt. Sie ist für ihn sowie für Jin fremd geworden, doch ob sie beide loslassen können, wissen sie selbst nicht.

Credits

OT: Cheot Segye
Land: Südkorea, Japan, Frankreich
Jahr: 2026
Regie: Dan-bi Yoon
Drehbuch: Dan-bi Yoon
Kamera: Seong-eun Lee
Musik: Min-hwi Lee
Besetzung: Su-bin Sim, Eo-jin Kim

Bilder

Trailer

Filmfeste

Toronto International Film Festival 2026

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The World Before
fazit
"The World Before" ist ein ruhiges und sensibles Coming-of-Age-Drama über den Moment, in dem die vertraute Welt allmählich fremd wird, während die neue noch nicht begonnen hat. Yoon Dan-bi erzählt mit großer Zurückhaltung von Liebe, Trauer und familiären Konflikten, vor allem aber von zwei jungen Menschen, die lernen müssen, ihre „erste Welt“ hinter sich zu lassen.
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