
Die Zeit im Krankenhaus ist für Sarah (Mia Farrow) jetzt zwar vorbei, sie darf wieder zurück in den Alltag. Aber das ist gar nicht so leicht, da sie bei dem Reitunfall ihr Augenlicht verloren hat und noch nicht weiß, wie sie mit dieser Situation umgehen soll. Zu ihrem Glück hat sie aber noch ihre Verwandten, die ihr in dieser schwierigen Situation zur Seite stehen. Onkel George (Robin Bailey), Tante Betty (Dorothy Alison) und Cousine Sandy (Diane Grayson) nehmen sie mit offenen Armen auf. In dem abgelegenen Landhaus der Familie soll sie wieder den Weg zurück ins Leben finden. Dabei ahnt sie aber nicht, dass eben dieses bald schon in großer Gefahr sein wird. Denn ein brutaler Killer treibt sein Unwesen und hat auch die junge Frau im Visier …
Geradliniger Thriller
Richard Fleischer gehörte sicherlich zu den vielseitigsten Regisseuren, zumindest im Hinblick auf die Genres seiner Filme. Ob der Western Bandido (1956), der Thriller John Christie, der Frauenwürger von London (1970), die dystopische Zukunftsvision Soylent Green – Jahr 2022 … die überleben wollen (1973) oder das Historienabenteuer Der Prinz und der Bettler (1977), der US-Amerikaner hat im Laufe seiner langjährigen Karriere die unterschiedlichsten Werke gedreht. Einige davon wurden zu großen Hits und gelten heute als Klassiker. Andere sind eher in Vergessenheit geraten. Zu der letzten Kategorie zählt auch Stiefel, die den Tod bedeuten, ein Thriller aus dem Jahr 1971. Der Film enttäuschte seinerzeit an den Kinokassen, die Kritiken schwankten zudem. Und doch ist er bis heute sehenswert.
Die Geschichte ist dabei recht überschaubar. Drehbuchautor Brian Clemens, den man am meisten mit der kultigen Agentenserie Mit Schirm, Charme und Melone in Verbindung bringt, zeigte sich hier von seiner sehr geradlinigen Seite. Wir haben einen Mörder und ein designiertes Opfer, das dieser später jagen wird. Stiefel, die den Tod bedeuten lässt an beidem keine Zweifel. Der Film zeigt von Anfang an die Hilflosigkeit der Protagonistin, die schon ihre Probleme hat, sich durch die unfallbedingte Erblindung in dem Haus zurechtzufinden, das sie von früher eigentlich gut kennt. Da können wenige Zentimeter schon mal den Unterschied machen. Wie soll jemand, der bereits Probleme damit hat, die eigene Küche zu erreichen, vor einem brutalen Killer fliehen können? Sie weiß nicht, wer er ist, wo er ist. Sie würde nicht einmal merken, wenn er auf sie zukommt.
Wer ist der Killer?
Solche ungleichen Duelle gibt es im Thrillergenre immer mal wieder. See for Me – Der unsichtbare Feind und Sightless sind zwei neuere Genrebeispiele, in denen die Protagonistin nicht mehr oder schlechter sehen kann. Solche Filme sind dazu prädestiniert, dem Publikum einen Wissensvorteil zu verschaffen, wenn dieses die Bedrohung kommen sieht, anders als die Hauptfigur. Stiefel, die den Tod bedeuten macht das aber nur zum Teil. So lässt einen der Film zwar schon wissen, dass es diese Bedrohung gibt, im Gegensatz zu Sarah, die völlig ahnungslos ist. Es bleibt aber meistens bei einer ominösen Bedrohung, man weiß nicht genau, was da geschieht. Fleischer setzt zudem auf einen besonderen Clou: Man sieht immer nur die Stiefel des Mörders, daher der deutsche Titel. Nie das Gesicht. Dadurch hat der Film schon etwas von einem Whodunit, wenn die Zuschauer und Zuschauerinnen rätseln dürfen, wer denn der Mann mit den Stiefeln ist.
Im Mittelpunkt steht aber die Protagonistin, sie ist fast die ganze Zeit durch zu sehen. Mia Farrow (Rosemaries Baby) war für die Besetzung eine gute Wahl, es gelingt ihr sehr anschaulich, die Hilflosigkeit der Figur auszudrücken. Sie überspielt auch, dass die Figur von der Blindheit abgesehen kaum Eigenschaften hat. Man weiß bei dem Film nicht so wirklich, mit wem man es eigentlich zu tun hat. Doch auch wenn in der Hinsicht sowie bei der Geschichte mehr drin gewesen, ist Stiefel, die den Tod bedeuten noch immer sehenswert und hält einen anderthalb Stunden gut auf Trab. Die ansprechenden Bilder und das atmosphärische Setting runden das Vergnügen ab.
OT: „Blind Terror“
AT: „See No Evil“
Land: UK
Jahr: 1971
Regie: Richard Fleischer
Drehbuch: Brian Clemens
Musik: Elmer Bernstein
Kamera: Gerry Fisher
Besetzung: Mia Farrow, Dorothy Alison, Robin Bailey, Brian Rawlinson, Diane Grayson, Paul Nicholas, Norman Eshley
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)




