Kritik

Lisa Der helle Wahnsinn Weird Science

„L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“ // Deutschland-Start: 19. Dezember 1985 (Kino) // 28. August 2020 (DVD/Blu-ray)

In ihrer High School gehören Gary (Anthony Michael Hall) und Wyatt (Ilan Mitchell-Smith) zu den Außenseitern und Versagern, zumindest sehen sie das so, werden sie doch tagtäglich gemobbt oder sind Opfer irgendwelcher anderer Streiche. All dies wäre nicht so schlimm, wenn die beiden wenigstens einmal Glück hätten beim anderen Geschlecht, doch ihr Ruf sowie ihre Schüchternheit stehen ihnen im Weg. Nachdem die beiden bei Wyatt zu Hause Frankensteins Braut gesehen haben, kommt ihnen die Idee, per Computer die perfekte Frau zu schaffen, was ihnen, trotz einiger Pannen, gelingt. So stolziert plötzlich eine bildschöne Frau (Kelly LeBrock), die sie schließlich Lisa taufen, aus dem Kleiderschrank, welche die beiden unbescholtenen Teenager sogleich auf eine Spritztour durch das Nachtleben mitnimmt. Doch das Leben mit Lisa ist alles andere als einfach für Gary und Wyatt, stellt diese doch einige Ansprüche an die beiden, vor allem dass sich Wyatt beispielsweise endlich gegenüber seinem herrischen Bruder Chet (Bill Paxton) behaupten soll und Gary mehr Selbstbewusstsein zeigt. Aus Frust über ihre „Erschaffer“, die einfach nicht aus ihrer Haut herauskommen, veranstaltet Lisa in Wyatts Heim eine Party, bei der die beiden endlich sich selbst und allen anderen beweisen könne, dass sie für sich einstehen können.

Deine Kreation, dein Programm
Nach seinem Debüt als Regisseur mit Das darf man nur als Erwachsener folgten 1985 gleich zwei Filme, zum einen Breakfast Club – Der Frühstücksclub und zum anderen L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn von Filmemacher John Hughes. Interessant ist an dieser Entwicklung, dass die erste Geschichte als einer der Jugendfilme schlechthin bis heute behandelt wird, während sich der zweite nicht nur von diesem aus erzählerischer Sicht entfernt, sondern zudem thematisch und formal sich vom Teenie-Film distanziert. Gerade deswegen ist  L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn ein sehr viel spannenderes und mutigeres Werk als Breakfast Club, geht es in dieser wilden Mischung aus Teenie-Film und Science-Fiction um Konzepte von Sexualität und Männlichkeit mit Bezug zu einer der wahrscheinlich langlebigsten Geschichten der fantastischen Literatur.

Auch wenn Lisa eine „Kreation“ der beiden Hauptcharaktere ist, ist sie doch keinesfalls eine Sklavin ihres Willens. Schon nach kurzer Zeit scheint sich die junge Frau mit den beiden Jugendlichen zu langweilen, die einfach nicht mit ihrem Unternehmungsgeist, auch in sexueller Hinsicht, mithalten können und sich auch in anderen Belangen als eine Enttäuschung herausstellen. Ähnlich der Konfrontation Doktor Frankensteins mit der von ihm geschaffenen Kreation ist es vor allem Ernüchterung, die sich bei Lisa einstellt, wenn sie an die beiden pubertären Jungs denkt, die sie zwar erschaffen haben, aber irgendwie nicht so recht wissen, was sie mit ihr anfangen sollen. Anders als in Mary Shelleys Vorlage Frankenstein und im Film, den sich Wyatt und Gary als Inspiration zu ihrer Unternehmung ansehen, folgt daraufhin aber keine Serie von Morden, sondern eine andere Form der Zerstörung, die nicht nur mit dem Bild vom anderen Geschlecht aufräumt, sondern zudem mit den konservativen Idealen, dem dies zugrunde liegt.

Trotz ihres Status als ihre „Erschaffer“ gelingt es weder Wyatt noch Gary, Lisa zu erobern oder sich ihr wirklich zu nähern. Diese enttäuschende Erkenntnis stellt sich recht schnell bei den beiden Jungen ein, die nun erkennen müssen, dass ihre Unzulänglichkeit und Schüchternheit auch damit verbunden ist, wie viel man bereit ist, sich von anderen bieten zu lassen. In vielerlei Hinsicht ist es deswegen ironisch, wenn die idealisierte Frau, die sie geschaffen haben, dazu beiträgt, dass sie den Fehler in ihrem Charakter erkennen, der zu ihrer Erschaffung beigetragen hat und sich von der Oberflächlichkeit ihres Umfeldes lösen.

Spaß, ohne Sinn und Verstand
Sind Breakfast Club oder Das darf man nur als Erwachsener noch Geschichten, die in der Realität der 80er verwurzelt sind, verabschiedet sich L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn schon nach wenigen Minuten von jenem Realitätsbezug. Streng genommen ergibt wenig in dieser Geschichte Sinn, ist reines Unterhaltungskino und teils sogar etwas geschmacklos, wie die beiden Protagonisten an einer Stelle selbst anmerken. Erzählerisch und visuell nutzt Hughes das Stilmittel der Übertreibung, das in einer Party kulminiert, in der die Zerstörung kleinbürgerlicher Ideale stattfindet.

Während sich die Revolte der Jugend gegen die konservative, statusorientierte Welt der 80er Jahre noch im Privaten niederschlug, hält Hughes in L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn nicht zurück, wenn es um die (vermeintliche) Zerstörung dieser Welt geht. Wie schon im Falle seiner anderen Figuren, stellt sich auch im Falle von Wyatt und Gary die Frage, ob sie sich dieser Welt weiterhin annähern und anpassen wollen oder lieber eine Alternative für sich suchen.

Credits

OT: „Weird Science“
Land: USA
Jahr: 1985
Regie: John Hughes
Drehbuch: John Hughes
Musik: Ira Newborn
Kamera: Matthew F. Leonetti
Besetzung: Anthony Michael Hall, Kelly LeBrock, Ilan Mitchell-Smith, Bill Paxton, Suzanne Snyder, Judie Aronson, Robert Downey Jr.

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L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn
3.4 (68%) 5 Artikel bewerten

L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn
„L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“ John Hughes ist eine sehr vergnügliche Mischung aus Jugendfilm und Science-Fiction. Dank der Besetzung von Kelly LeBrock als Lisa und vieler interessanter Ideen des Drehbuchs ist dies ein sehr sehenswerter Eintrag in der Filmografie Hughes, der abermals seine Ambivalenz zu der konservativen Wertewelt der 180er zeigt.
7von 10

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