Primetime
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Primetime
„Primetime“ // Deutschland-Start: 24. September 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

USA, Mitte der 2000er-Jahre. Chris Hansen (Robert Pattinson) hat eine Mission: Er will Pädophile auf frischer Tat ertappen und im Fernsehen bloßstellen. Zu dem Zweck arbeitet er mit einem ganzen Team zusammen. Neben der Producerin Andie Bender (Merritt Wever), die sich hinter den Kulissen um alles kümmert, sowie Xavier Von Erck (Matthew Maher), der die notwendige Recherche übernimmt, sind auch mehrere Lockvögel im Einsatz. Während Del Harvey (Phoebe Bridgers) bereits einige Erfahrung hat und sowohl als Junge wie auch als Mädchen auftreten kann, ist Dan Plumb (Skyler Gisondo) ganz neu im Team. Eigentlich träumt er von einer seriösen Schauspielkarriere, die immer bekannter werdende Sendung „To Catch a Predator“ soll sein Sprungbrett sein. Doch dabei stößt er schnell an seine Grenzen. Und auch die anderen müssen darüber nachdenken, wie weit sie für diesen Ruhm gehen wollen …

Das Geschäft mit dem Verbrechen

Dass sexuelle Übergriffe bei Minderjährigen etwas ist, das es zu verhindern gilt, darüber dürften sich die meisten einig sein. Unterschiedlich sind jedoch die Ansichten, wie das zu erreichen ist und an welcher Stelle man ansetzen sollte. Während die einen auf Prävention setzen und Menschen mit dieser Neigung helfen wollen, diese zu kontrollieren, gehen andere direkt auf die Kriminalisierung. In die zweite Kategorie fällt To Catch a Predator, eine Fernsehsendung, die von 2004 bis 2007 im US-amerikanischen Fernsehen lief und bei der gezielt online potenzielle Täter angelockt und später mit versteckter Kamera gefilmt wurden – Verhaftung inklusive. Primetime erzählt von dieser Sendung, erzählt vor allem aber auch von den Menschen, die an dieser beteiligt waren. Wer sind sie? Was treibt sie an? Aus welchem Grund machen sie mit?

Die Antworten fallen dabei unterschiedlich aus. Während man bei Xavier tatsächlich den Eindruck hat, dass es ihm darum geht, diese Täter ausfindig zu machen, wird das bei anderen zu einem Mittel zum Zweck. So macht der Film keinen Hehl daraus, dass Hansen einen enormen Geltungsdrang hat und er seine Position als Kinderschänderjäger genießt. Die Moral ist ihm eher weniger wichtig. Und auch bei anderen stellt Primetime in Frage, ob das aus den richtigen Gründen geschieht. Während Andie, die Einzige, die da auch ein wenig reflektierter an die Arbeit geht, sich durchaus bewusst ist, dass sie kein guter Mensch ist, ist gerade der Fall von Dan bemerkenswert – und tragisch. Wir lernen ihn als einen unsicheren jungen Mann kennen, der unschuldigen Träumen folgt, dabei aber zunehmend selbst korrumpiert. Er gewinnt an Selbstvertrauen, weiß sich in Szene zu setzen, sieht in anderen nur noch eine Möglichkeit, beruflich voranzukommen.

Interessant und irritierend

Eine wirkliche Vorbildfunktion hat hier deshalb niemand. Tatsächlich bleibt einem das Thrillerdrama, welches 2026 im Wettbewerb von Venedig Weltpremiere feierte, dadurch in Erinnerung, dass irgendwie alle Figuren unangenehm bis verabscheuungswürdig sind. Ob es die Pädophilen sind, die Mitarbeitenden der Show oder die waffenverrückte Polizei, man darf bei Primetime schon seinen Glauben an die Menschheit verlieren. Zumal da noch die Frage ist, wie das Publikum zu beurteilen ist. Ähnlich zu den True-Crime-Produktionen erfreuen sich die Zuschauer und Zuschauerinnen auf gewisse Weise an Verbrechen und dem Nervenkitzel. Die Opfer geraten dabei, wie so oft, völlig aus den Augen.

Während das alles interessant ist, hat Lance Oppenheim aber auch einige irritierende Entscheidungen getroffen. Der eigentlich für Dokumentarfilme wie Some Kind of Heaven bekannte Regisseur setzt zum einen auf inszenatorische Spielereien. Immer wieder wird sein Film zu einer Art Fiebertraum, bei dem es nicht mehr auf das „was“ ankommt, sondern das „wie“. Aber auch inhaltlich ist das hier irgendwie sonderbar. Beispielsweise gibt es einen Nebenstrang, der sich um das Privatleben des Protagonisten dreht, da dieser – welch Überraschung – seine Ehefrau betrügt. Diese Scheinheiligkeit wird zwar zu einer Parallele zu einem der Täter, dessen öffentlich Image ebenfalls in einem starken Kontrast steht zum privaten Verhalten. Dass Hansen ein unmoralischer Mensch ist, war aber auch vorher klar. Solche Passagen ziehen Primetime nur in die Länge, führen dabei zu nichts. Dennoch ist das Ganze klar sehenswert, auch wegen des Ensembles, das sich furchtlos in diese Abgründe begibt und dabei viel Material zum Nachdenken hervorholt.

Credits

OT: „Primetime“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Lance Oppenheim
Drehbuch: Ajon Singh
Musik: Ari Balouzian
Kamera: David Bolen
Besetzung: Robert Pattinson, Merritt Wever, Skyler Gisondo, Phoebe Bridgers, Matthew Maher

Bilder

Trailer

Filmfeste

Venedig 2026
Fantastic Fest 2026
BFI London Film Festival 2026

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Primetime
fazit
„Primetime“ erzählt die Geschichte einer umstrittenen TV-Enthüllungsshow, in der Pädophile vorgeführt wurden. Das Thrillerdrama stellt viele interessante Fragen zur Moral, wenn das Leid der Opfer ein Mittel zum Zweck wird. Es irritiert aber auch durch inszenatorische Spielereien und letztendlich folgenlose Nebenstränge, die den Film in die Länge ziehen.
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