
Bald ist es so weit: Drew (Jedidiah Goodacre), Hannah (Madison Pettis), Kayla (Phoebe Miu), Devon (Jordan Buhat), Clay (Richard Harmon) und Lexi (Vanessa Morgan) stehen kurz vor ihrem College-Abschluss! Das muss natürlich ausgiebig gefeiert werden. Und so mieten die sechs ein abgelegenes Haus, in dem keine Wünsche offenbleiben. Zumindest ist es das, was die künstliche Intelligenz Margaux behauptet, welche das Smart Home kontrolliert. Tatsächlich ist es erstaunlich, wie sehr sie sich auf die Gäste einstellen kann, nachdem diese eine spezielle App heruntergeladen und ihre Vorliebe geteilt haben. Dabei ahnen sie nicht, dass Margaux nicht wirklich daran interessiert ist, sie alle glücklich zu machen. Im Gegenteil, sie bereitet sich darauf vor, die sechs wie schon die Leute davor nach und nach zu töten …
Vorsicht, mörderische Technik!
Gerade erst haben sich führende Unternehmer dafür ausgesprochen, die Entwicklung von Künstlichen Intelligenzen zu verlangsamen, mit dem Hinweis, dass diese unter Umständen in der Lage wären, innerhalb weniger Jahre die Menschheit auszulöschen. Da ist es doch irgendwie passend, dass Margaux dank einer Netflix-Veröffentlichung ein Publikum findet. Dabei ist der Film eigentlich von 2022, was die Geschichte aber nicht weniger aktuell macht. Problematischer ist da schon, dass es in den letzten Jahren ganz viele Horrorfilme und Thriller mit ähnlichen Szenarien gegeben hat – siehe etwa Cassandra, AfrAId, I’ll Be Watching – Zuhause hört dich niemand schreien oder Held. Auf diese Weise ist eigentlich jeder neue Film zu diesem Thema gleichzeitig ganz aktuell und doch auch ein alter Hut.
Überraschend ist es daher nicht, wenn die Technik hier – mal wieder – ein Eigenleben entwickelt und aus den hilfreichen Maschinen bedrohliche, wenn nicht gar tödliche werden. Der Film versucht auch gar nicht erst, diese Gefahren zu verstecken. Im Gegenteil: Wie so viele andere Genrevertreter auch zeigt dieser hier in einem Prolog, wie andere Menschen in dieser Situation getötet zu werden. Man weiß also, dass es die Hauptfiguren irgendwann erwischen wird. Wobei man sich immerhin bei der Brutalität einiges hat einfallen lassen. Regisseur Steven C. Miller (Under Fire, Werewolves) ist bei Margaux nicht unbedingt zurückhaltend, wenn es um die Darstellung von Gewalt geht. Da geht es dann nicht allein darum, jemanden zu töten. Das Ableben wird geradezu zelebriert. Für eine effiziente Maschine ist das eigentlich egal. Aber es ist auch nicht so, als würde der Film anderweitig viel Sinn ergeben.
Abstrus und grob
Umgesetzt wurde das alles als eine Art High-Tech-Slasher, bei der nach und nach die Figuren dran glauben müssen. Und wie das bei solchen Slashern meist ist: Die Charaktere sind recht grob gezeichnet, man arbeitet mit Stereotypen, weil sich niemand wirklich viel Arbeit für ein solches Kanonenfutter machen wollte. Margaux ist da nicht besser, aber auch nicht schlechter als die meisten anderen dieser Filme. Warum diese Leute miteinander befreundet sind, wird dabei nicht ganz klar. So richtig passen sie nicht zusammen. Das macht es auch schwierig wirklich mitzufiebern. Die meisten sind einem so egal, dass die jeweilige Mordszene nicht unbedingt zu Herzen geht.
Vermutlich soll sie das aber auch gar nicht. Vielmehr hat man zwischendurch den Eindruck, dass der Film eigentlich eine schwarze Komödie sein sollte, wenn die Leute auf abstruse Weise dran glauben müssen. Und dann ist da noch eine überraschende Wendung, die später kommt und keinen wirklichen Sinn ergibt. Leider wird das aber nicht konsequent genug verfolgt, Margaux schwankt da zu sehr, kann sich nicht durchringen, ob das jetzt ein ernst gemeinter Genrebeitrag sein soll oder nicht. Dass die Spezialeffekte eher aus des Sparabteilung sind, macht das alles nicht besser. Immerhin: Wo viele dieser Technik-Amokläufe so austauschbar sind, dass man sie schnell wieder vergisst, ist das hier teilweise so bescheuert, dass das schon irgendwie hervorsticht. Nur eben nicht zwangsläufig positiv.
OT: „Margaux“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Steven C. Miller
Drehbuch: Chris Beyrooty, Nich Waters
Musik: Matthew Rogers
Kamera: Neil Cervin
Besetzung: Madison Pettis, Vanessa Morgan, Jedidiah Goodacre, Richard Harmon, Phoebe Miu, Jordan Buhat
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