
Die Kinder lieben die Serie „It’s Buddy“, die von den Abenteuern des gleichnamigen orangenfarbenen Einhorns sowie diverser Kinder erzählt. Meistens geht es dabei sehr fröhlich zu. Man sollte sich jedoch besser nicht mit dem Titelhelden anlegen, da dieser dazu neigt, bei Missfallen die entsprechende Person einfach zu töten. In der realen Welt hat Grace (Cristin Miliot) eine ganz andere Sorge: Sie hat dieses ungute Gefühl, dass sie früher ein Kind mehr hatte, kann sich aber nicht an dieses erinnern. Ihr Mann Ben (Topher Grace) will davon nichts wissen, hält das für Blödsinn. Doch es wird noch seltsamer, als sich plötzlich der Fernseher anschaltet und darin eine Folge aus „It’s Buddy“ zu sehen ist. Ehe Grace es sich versieht, wird sie in den Fernseher hineingezogen und befindet sich nun selbst in der Welt des bunt-brutalen Einhorns wieder …
Der Horror der Kinderunterhaltung
Ist das noch etwas für Kinder oder doch schon Horror? Immer wieder ist es im Laufe der Zeit vorgekommen, dass etwas, das früher für Kinder gedacht war, später in Frage gestellt wurde. Ob es nun die klassischen Märchen sind oder Filme wie Unten am Fluss oder Hexen hexen, von denen gerne mal behauptet wurde, sie hätten eine ganze Generation traumatisiert: Die Grenzen sind da durchaus fließend. Gerade bei der Frage, wie viel Gewalt so eine Kindergeschichte haben darf, scheiden sich die Geister. Im Fall von Buddy ist das jedoch recht eindeutig. Zwar spielt der Film mit der Ästhetik von Kinderfilmen aus den 1990ern, wenn hier alles überdreht und bunt ist. Doch als kurze Zeit später das erste Kind brutal ermordet wird, ist klar, dass das hier eher nicht für ein junges Publikum gedacht ist.
Manche werden an der Stelle eventuell an die diversen Horrorfilme aus den letzten Jahren denken, in denen beliebte Kinderhelden als blutrünstige Monster neu interpretiert werden – siehe etwa Winnie the Pooh: Blood and Honey. In beiden Fällen wird auf den Kontrast zwischen einer eigentlich niedlichen Figur und ihrem brutalen Treiben gesetzt. Doch während die besagten Kollegen dabei in erster Linie auf plumpe Schockeffekte vertrauen, da ist Buddy als Horrorkomödie angelegt. Die starke Diskrepanz zwischen dem kunterbunten Äußeren und den blutroten Folgen wird genutzt, um Kinderfilme aufs Korn zu nehmen. Dabei geht es durchaus auch satirisch zu, wenn Regisseur und Co-Autor Casper Kelly mit den Konventionen spielt und in eine ganz andere Richtung denkt.
Bizarr, aber spaßig
Hinzu kommt, dass hier Menschen in die Sendung hineingezogen werden, wenn sie zu lang zusehen, was sicherlich als eine Form der Medienkritik interpretiert werden darf. Allerdings sollte man in der Hinsicht nicht zu viel erwarten, der Film ist bei dem Umgang mit dem Thema weniger an Tiefgang und einer ausführlichen gesellschaftlichen Diskussion interessiert. Vielmehr hat Kelly, dessen bisherige Werke zwischen Animation und Horror wechselten, vor allem Spaß an der Seltsamkeit seines Szenarios. Buddy mag bei dem Setting zwar nicht ganz so surreal werden wie der diesjährige Kinohit Backrooms. Aber es ist doch bemerkenswert, mit welch sonderbaren Einfällen der US-Amerikaner auftrumpft.
Auch strukturell ist die Horrorkomödie, die 2026 auf dem Sundance Film Festival Weltpremiere hatte, eigenwillig. So wird eine ganze Weile nur von dem blutigen Treiben in dieser Show erzählt, bis dann auf einmal eine Verbindung zur realen Welt aufgebaut wird. Zwar ist es in dem Genre nicht unüblich, eine Art Epilog zu haben. Hier ist dieser aber so lang, dass der Anfang der eigentlichen Geschichte – sofern man überhaupt von einer solchen sprechen kann – als Fremdkörper empfunden wird. Dafür gibt es an anderen Stellen zu wenig Überraschungen, wenn das Konzept zwar eskaliert wird, ohne dabei aber auch variiert zu werden. Dennoch, Buddy ist ein sehr unterhaltsamer Quatsch, der durch die wunderbar eingefangene Retro-Optik und das spielfreudige Ensemble in Erinnerung bleibt. Und natürlich durch eine Prämisse, die wir dafür gemacht ist, sich das mit anderen anzuschauen.
OT: „Buddy“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Casper Kelly
Drehbuch: Casper Kelly, Jamie King
Musik: Michael Yezerski
Kamera: Zach Kuperstein
Besetzung: Cristin Milioti, Delaney Quinn, Clint Howard, Topher Grace
Sundance 2026
SXSW 2026
Fantasia Film Festival 2026
Fantasy Filmfest 2026
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