Kritik

Hexen hexen 1990 The Witches

„Hexen hexen“ // Deutschland-Start: 28. Juni 1990 (Kino) // 5. Juni 2009 (DVD)

Mit Hexen kennt sich Helga Eveshim (Mai Zetterling) aus, immer wieder erzählt sie ihrem Enkelsohn Luke (Jasen Fisher) davon. Dass sie einer begegnen würde, damit hatte sie jedoch nicht gerechnet. Eigentlich wollten die beiden auch nur Urlaub machen, auf Rat des Arztes, als sie zu einem abgelegenen Hotel am Meer reisen. Einfach ein bisschen ausspannen, der Gesundheit wegen. Dummerweise ist aber auch die Großmeister-Hexe (Anjelica Huston) vor Ort und plant mit zahlreichen anderen Hexen, alle Kinder dieser Welt zu zerstören. Als Luke davon Wind bekommt, steht für ihn fest, dass er dies unbedingt verhindern muss. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn man plötzlich so klein ist wie er …

Der britische Autor Roald Dahl war für zwei Dinge bekannt: Kinderbücher und ein schwarzer Humor, der auch schon mal ein wenig makaber sein konnte. Ganz voneinander zu trennen ist das Ganze natürlich nicht, selbst die leichteren Stoffe waren zuweilen recht düster. Ein Paradebeispiel hierfür ist der 1983 veröffentlichte Roman Hexen hexen. Die Geschichte um einen Jungen, der in eine Maus verwandelt wird und nun mit seiner Oma gegen eine fiese Hexe ankämpft, gehört sicherlich zu den bekanntesten des Schriftstellers. Daran hat aber auch die Verfilmung aus dem Jahr 1990 ihren Anteil, der nachgesagt wird, sie hätte eine ganze Generation von Kindern traumatisiert.

Das Grauen hinter der Maske
Vor allem eine Szene ist es, die sich tief ins Gedächtnis gebrannt hat. Wenn die Hexen im Hotel zusammenkommen und sich in der Annahme unbeobachtet zu sein ihrer Verkleidungen entledigen, dann ist das tatsächlich Stoff für Albträume. Beeindruckend ist dabei vor allem, dass der Film seinerzeit nicht auf Computereffekte zurückgreifen konnte, wie es die Neuverfilmung von 2020 tut. Stattdessen wurde mit einer klassischen Maske gearbeitet. Die hat es dafür in sich, was neben der herausragenden Arbeit an der Maske an sich auch mit den schiefen Kameraperspektiven zu tun hat, welche das Ungeheuer von einer besonders abscheulichen Seite zeigen. Dass Hexen in Wahrheit anders aussehen, das hat Oma Helga zwar gleich zu Beginn verraten. Auf den Anblick war damals aber keiner vorbereitet. Und auch heute noch ist die Wirkung beachtlich.

Das sind auch die beiden Faktoren, die Hexen hexen bis heute zu etwas Besonderem machen. Zum einen ist der Film ungewöhnlich düster, so als hätte Regisseur Nicolas Roeg (Wenn die Gondeln Trauer tragen, Der Mann, der vom Himmel fiel) viel lieber einen Horrorfilm gedreht, anstatt sich um ein junges Publikum zu kümmern. Außerdem sind die handgemachten Spezialeffekte der von Muppets-Mastermind Jim Henson produzierten Adaption sehenswert. Gerade die Maus-Puppen sind so charmant, dass man sich dreißig Jahre später noch immer in sie verlieben kann – zumal man sich viel Mühe gab, dass der Film die Welt aus Sicht der kleinen Protagonisten zeigt.

Eine Bildberbuchhexe
Aber es gibt noch eine dritte Stärke: die Besetzung. Während Mr. Bean Rowan Atkinson eine vergnügliche Interpretation des Hoteldirektors abgibt und Mai Zetterling als wissendes, aber doch völlig überfordertes Großmütterchen gefällt, so ist der Film letztendlich eine einzige Bühne für Anjelica Huston. Die Schauspielerin hat dermaßen viel Spaß an ihrer Rolle der bösen Hexe, dass sich das automatisch auf das Publikum überträgt. Man sieht einfach gern zu, wie sie alle terrorisiert, ob Mensch oder Maus, selbst die Hexen zittern vor ihren Wutausbrüchen. Gleichzeitig steht sie aber auch der Komik des Films nicht im Weg, wenn Hexen hexen immer mal wieder auch eher albern wird und sich doch an ein jüngeres Publikum richtet.

Schade ist dabei nur, dass im Vergleich zum Buch das Ende doch abgewandelt wurde. Dahl selbst, der den Film vor seinem Tod noch miterleben durfte, war so erbost über die Änderung, dass er nicht mehr mit Hexen hexen in Verbindung gebracht werden wollte. Doch auch wenn die Roeg-Fassung sich auf den letzten Metern ein bisschen zu sehr an Konventionen orientiert, so ist seine Adaption nicht grundlos zu einem Kultfilm geworden – trotz enttäuschender Einspielergebnisse seinerzeit. Das Abenteuer ist spannend und kurzweilig, unheimlich und lustig. Ob man es unbedingt Kindern zeigen sollte, darüber kann man sich zwar streiten. Erwachsene, die im Herzen Kind geblieben sind und sich an der fantasievollen Gestaltung erfreuen können, die dürfen aber nach wie vor ihren Spaß haben.

Credits

OT: „The Witches“
Land: UK
Jahr: 1990
Regie: Nicolas Roeg
Drehbuch: Allan Scott
Vorlage: Roald Dahl
Musik: Stanley Myers
Kamera: Harvey Harrison
Besetzung: Anjelica Huston, Mai Zetterling, Jasen Fisher, Rowan Atkinson

Trailer

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Hexen hexen (1990)
In „Hexen hexen“ nehmen es ein kleiner Junge und seine Großmutter mit einer bösen Hexe auf. Der Film verstörte damals durch einige alptraumhafte Szenen, genießt aber auch deshalb heute Kultstatus. Den Rest erledigen charmante handgemachte Spezialeffekte und eine glänzend aufgelegte Anjelica Huston.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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