
Wong Tak-chung (Jackie Chan) war einst legendärer Überwachungsexperte der Polizei, hat sich inzwischen aber zur Ruhe gesetzt und verdingt sich derweil als Hundesitter, als Macau von einer ungewöhnlich professionellen Diebesbande heimgesucht wird. Ihr bislang kühnster Coup: der Versuch, hoch oben auf dem Macau Tower Zugangscodes für Kryptowährungen im Wert von über 500 Millionen zu erbeuten. Selbst die KI-gestützte Überwachungsplattform der Polizei tappt im Dunkeln – die Bande hat gelernt, für die Algorithmen unsichtbar zu bleiben. Also wird Wong reaktiviert und an die Spitze eines neuen Teams gestellt, das bewusst wieder analog ermitteln soll, mit dabei die junge Polizistin He Qiuguo (Zhang Zifeng), die Tochter von Wongs altem Freund und Partner, dessen Tor er mitverschuldet hat. Auf der anderen Seite des Spielfelds: der eiskalte Fu Longsheng alias „The Shadow“ (Tony Leung Ka-fai) und eine aus ehemaligen Waisenkindern rekrutierte Diebesbande, die von zwei Brüdern geführt wird (Ci Sha in einer Doppelrolle). Aus dem anfänglichen Versteckspiel wird zunehmend ein offener Schlagabtausch…
Katz und Maus und Action
Was den Film wirklich auszeichnet: Er muss sich nicht zwischen Actionfilm und Polizeithriller entscheiden, er ist einfach beides – mit spürbarer Lust am Handwerk. Die Duelle zwischen Wongs analogem Spürsinn und Fus digital getarnter Bande sind nicht nur Vorwand für das nächste Action-Feuerwerk, sie erzeugen echte Spannung, weil selten klar ist, wer gerade wen beobachtet. Man weiß nie, wer ist gerade Jäger und wer wird gejagt. Das macht Shadow Chase – Im Netz der Diebe zu mehr als einer bloßen Aneinanderreihung von Stunts.
Wenn dann die Fäuste fliegen, fällt das Grinsen leicht. Vom Coup auf dem Macau Tower bis zu den nächtlichen Verfolgungsjagden durch die engen Gassen sind die Actionsequenzen sorgfältig choreografiert und geschnitten, ohne sich in Reizüberflutung zu verlieren. Man merkt: Hier ging es nicht nur um Tempo, sondern auch um räumliche Klarheit – man versteht als Publikum tatsächlich, wer gerade wen über welches Dach jagt.
Eine halbe Stunde zu viel
Das Zuschauen macht unglaublich viel Spaß, aber dennoch hätte Shadow Chase – Im Netz der Diebe seinem eigenen Tempo einen Gefallen getan, wenn man sich etwas weniger Zeit gelassen hätte. Mit gut 141 Minuten ist der Film locker eine halbe Stunde zu lang, und das spürt man vor allem zwischen den großen Action-Setpieces. Immer wieder gönnt sich das Drehbuch Verschnaufpausen, die weniger der Figurenentwicklung dienen als schlicht Leerlauf produzieren – man wartet regelrecht auf die nächste Actionszene, um wieder richtig wach zu werden.
Dabei müsste der Stoff selbst gar nicht so überladen wirken. Die Familienersatz-Dynamik um Fu und seine Ziehsöhne, der Generationenkonflikt zwischen analoger und digitaler Polizeiarbeit, die Kryptowährungsintrige – jedes Element funktioniert für sich, gemeinsam ergeben sie aber eine Handlung, die sich hin und wieder selbst im Weg steht. Ein strafferer Schnitt hätte aus einem sehr guten Film einen beinahe perfekten gemacht.
Zwei Altmeister zeigen es der Jugend
Getragen wird der Film letztlich von Jackie Chan und Tony Leung Ka-fai – zwei Herren um die siebzig, die in ihren Actionszenen so überzeugend zupacken, dass man das Alter fast vergisst. Chan bringt seine physische Präsenz und den unverwechselbaren Mix aus Schmerz und Situationskomik ein, während Leung als kühl kalkulierender „Shadow“ das perfekte Gegengewicht bildet. Ihr Duell ist das Herzstück des Films: zwei Profis, die sich auf Augenhöhe belauern.
Nach einigen eher durchwachsenen Jackie-Chan-Filmen der letzten Jahre ist das hier wieder ein echtes Highlight – auch weil der Nachwuchs mithält. Zhang Zifeng gibt der jungen Polizistin Qiuguo genug Eigensinn und Verletzlichkeit, dass sie nie zur bloßen Assistentin des großen Meisters verkommt. Shadow Chase – Im Netz der Diebe beweist, dass Jackie Chan auch mit über siebzig noch weiß, wie man einen Film trägt – und dabei klug genug ist, sich dafür die richtigen Partner zu suchen.
OT: „Bu feng zhui ying“
Land: Hongkong, China
Jahr: 2025
Regie: Larry Yang
Buch: Larry Yang
Musik: Nicolas Errèra
Kamera: Qian Tiantian
Besetzung: Jackie Chan, Zhang Zifeng, Tony Leung Ka-fai, Ci Sha, Wen Junhui, Zhou Zhengjie, Wang Ziyi, Lang Yueting, Ling Qiunan, Zac Wang, Li Zhekun
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)





