
Sex vor der Ehe? Das war einmal. In den USA wurde dieser komplett verboten, spezielle Markierungen auf den Armen sollen verhindern, dass da jemand gegen das Gesetz verstößt. Einmal im Jahr wird dieses Verbot jedoch für zwölf Stunden aufgehoben. In der Nacht ist quasi alles erlaubt, solange dabei ordentlich verhütet wird. Owen (Callum Turner) freut sich bereits darauf, diese mit seiner Freundin Malika (Maya Hawke) zu verbringen. Mehr noch, er will die Nacht der Nächte nutzen, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Dummerweise hat diese aber andere Pläne und will lieber mit einem Nachbarn intim werden. Deprimiert zieht Owen daraufhin durch die Stadt. Dabei trifft er immer wieder auf Allie (Monica Barbaro), deren Nacht ebenfalls nicht so läuft wie von ihr gedacht und die einiges auf sich nimmt, um die Stunden sinnvoll zu nutzen …
Sex als Lachnummer
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass gesellschaftliche Fortschritte und Selbstbestimmung keine Güter sind, die man für selbstverständlich nehmen sollte. Weltweit ist eine stärker werdende Tendenz zu beobachten, anderen Menschen vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben haben. Ob nun in den USA die Rechte auf Abtreibung eingeschränkt werden oder Homo- und Transphobie wieder wachsen, reaktionäre Kräfte wirken überall. Wenn in One Night Only außerehelicher Sex kriminalisiert wird und das mit einem allgegenwärtigen Überwachungsstaat verbunden ist, dann ist das eine Entwicklung, die gleichzeitig absurd und irgendwie folgerichtig ist. Da liegt der Verdacht nahe, dass es sich hierbei um eine Satire auf die politischen Bemühungen ist, die Uhr zurückzudrehen und so zu tun, als hätten die letzten Jahrzehnte gar nicht erst stattgefunden.
Doch das eindeutig politische Szenario wird über weite Strecken auf fast schon irritierende Weise ignoriert. Dann und wann kommt es zwar schon zur Sprache, etwa wenn das Meme Thanks, Obama aufgegriffen wird. Aber das ist die Ausnahme. Sehr viel mehr konzentriert sich One Night Only darauf, die Auswüchse der Ausnahmenacht auszuschlachten, nicht die Umstände. Das provoziert natürlich Vergleiche zu The Purge – Die Säuberung, dort war eine Nacht pro Jahr jegliche Gewalt erlaubt. Doch während der Thriller, der ein ganzes Franchise begründete, das groteske Szenario nutzte, um menschliche Abgründe offenzulegen, wird hier lediglich gezeigt, dass die Leute gern Sex haben und wie bescheuert sie sich zum Teil benehmen. Das Publikum soll darüber lachen, in welche misslichen Situationen die beiden Hauptfiguren stolpern und welchen seltsamen Gestalten sie dabei begegnen.
Witzig, aber überraschend konservativ
Das funktioniert erstaunlich gut. Hat man sich erst einmal auf diese absonderliche Prämisse eingelassen, macht One Night Only zuweilen tatsächlich Spaß. Man dachte sich schon etwas aus, um die episodenhafte Odyssee zu füllen. Mal sind es die Figuren, welchen die beiden begegnen, die für Unterhaltung sorgen. Aber auch die Sache mit der Verhütung, wenn die Produktion nicht ausreicht, um die Nachfrage zu befriedigen, ist mit einigen witzigen Szenen verbunden. Zudem geizt der Film nicht mit bekannten Gesichtern, selbst wenn einige davon nur sehr kurz zu sehen sind – manche nicht einmal sprechen dürfen. Das Ensemble spielt bei dem Blödsinn auch gut mit, selbst wenn die prägnanteren Auftritte eindeutig die Schauspieler und Schauspielerinnen aus der zweiten Reihe haben.
Enttäuschend ist jedoch das Ende. Dass die beiden umherirrenden Hauptfiguren in One Night Only irgendwann feststellen, dass sie die jeweils Richtigen sind, war zwar zu erwarten. Trotzdem ist es schade, wie der Film da streng und ohne Ideen den Konventionen von Liebeskomödien folgt und letztendlich das Szenario verschwendet. Für ein Werk, das sich zunächst über konservative Weltbilder lustig zu machen scheint, ist es zudem befremdlich, wie konservativ der Film dann selbst ist und denen recht gibt, die zuvor eigentlich verspottet wurden. Dass dieser einige sehr negative Reaktionen hervorgerufen hat, verwundert nicht wirklich. Ganz so katastrophal ist das Ergebnis dennoch nicht. Man bleibt hier nur unter den Möglichkeiten, da wäre mehr und Intelligenteres möglich gewesen.
OT: „One Night Only“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Will Gluck
Drehbuch: Travis Braun
Musik: Este Haim, Christopher Stracey
Kamera: Yaron Orbach
Besetzung: Monica Barbaro, Callum Turner, Maya Hawke, Molly Ringwald, LeVar Burton, Charlie Gillespie, Andrew Burnap
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