
Eigentlich hatten sich alle auf die 80er-Jahre-Party gefreut. Doch der Spaß nimmt ein jähes Ende, als Nora Plötz (Amy Lombardi) tot aufgefunden wird. Offensichtlich hat sie jemand durch eine Injektion ermordet. Außerdem wurde sie zuvor betäubt. Und nicht nur sie: Jemand hat in die Bowle KO-Tropfen gegeben und damit alle Gäste ausgeschaltet. Doch zu welchem Zweck? Warum sollte sich jemand die Mühe machen, so viele Leute zu betäuben, nur um eine zu töten? Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier), Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) und Ludwig Schaller (Alexander Held) versuchen, eben das herauszufinden. Gleichzeitig haben sie aber auch mit der neuen Kriminaloberrätin Dr. Linda Hösl (Eva Karl Faltermeier) zu kämpfen, die keine hohe Meinung von dem Trio hat …
Umbruch beim Krimi-Dauerbrenner
München Mord ist eine echte Institution im deutschen Fernsehen. So werden seit dem Start der ZDF-Krimireihe im Jahr 2014 unentwegt neue Teile produziert. Zuletzt gab es dieses Jahr den sehr empfehlenswerten Teil Im Zweifel für den Zweifel zu sehen, bei dem ein Chefkoch entlassen und anschließend getötet wird. Doch Fans müssen sich in Zukunft auf einige Veränderungen gefasst machen. So gibt es in Die Stadt, die es nicht gibt, dem 23. Teil der Reihe, eine erste Umbesetzung: Kriminaloberrat Helmut Zangel (Christoph Süß) ist nicht mehr mit von der Partie. An seine Stelle tritt Hösl. Vor allem aber ist das hier der vorletzte Teil, in dem Alexander Held zu sehen ist, der im Mai 2026 überraschend nach kurzer Krankheit gestorben ist und so wie sein Kollege Süß auch von Anfang an dabei war.
Beim vorliegenden Film ist davon natürlich noch nichts zu sehen. Hier ist noch business as usual angesagt. Das betrifft auch den Ablauf, der dem traditionellen Whodunit-Schema folgt. Am Anfang der Folge wird eine Leiche gefunden, danach ermittelt das Trio anderthalb Stunden, wer denn diesen Mord begangen hat. München Mord: Die Stadt, die es nicht gibt gefällt aber durch die rätselhafte Ausgangssituation. Dass jemand ermordet wird, ist zwar Genrealltag, die Reihe heißt nicht ohne Grund so. Aber wo liegt der Sinn darin, eine komplette Partygesellschaft zu betäuben? Der Mord wäre auch einfacher gegangen, da muss man nicht einen solchen Aufwand betreiben. Man darf hier also noch ein bisschen mehr rätseln, als es ohnehin immer der Fall ist.
Zurück im Mittelmaß
Doch der vielversprechende Einstieg macht mit der Zeit Ernüchterung Platz. Zwar ist die Geschichte tatsächlich komplexer. Wo man bei anderen Krimis oft recht früh ahnen kann, worum es geht und wer dahintersteckt, da ist München Mord: Die Stadt, die es nicht gibt überraschend. Nur ist überraschend nicht automatisch gut. Schon die Erklärung, was es mit der gepanschten Bowle auf sich hat, ist etwas unbefriedigend, da die Begründung wenig nachzuvollziehen ist. Richtig schlimm ist dann aber die Auflösung. Die ist dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass man sich so richtig veralbert vorkommen darf. Wer gern bei diesem Genre selbst grübelt, wer da was getan hat, wird hiermit wenig glücklich sein, man hat quasi keine Chance, selbst auf die Lösung zu kommen.
Klar, die Reihe will auch nicht zwangsläufig intelligente Unterhaltung anbieten. Oft steht der Spaß im Vordergrund, wo dann vor allem der Humor die Aufgabe hat, das Publikum zu beglücken. Bei manchen Folgen klappt das ganz gut. Hier ist das eher weniger der Fall. Ob es die Auseinandersetzungen mit der neuen Chefin sind, die diversen überzeichneten Episodenfiguren oder auch eine spätere kurze Fantasiesequenz, zum Lachen ist das alles nicht. Das ist schade, denn wenn ein mäßiger Krimi auf schwachen Humor trifft, können auch die sonstigen guten Einfälle nicht mehr viel retten. Nach dem überraschend guten Vorgänger ist München Mord: Die Stadt, die es nicht gibt wieder deutlich schwächer, mehr als Mittelmaß ist da einfach nicht drin.
OT: „München Mord: Die Stadt, die es nicht gibt“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Eva Spreitzhofer
Drehbuch: Matthias Kiefersauer, Alexander Liegl
Musik: Stephan Massimo
Kamera: Nathalie Wiedemann
Besetzung: Bernadette Heerwagen, Marcus Mittermeier, Alexander Held, Eva Karl Faltermeier, Michele Cuciuffo, Beatrice Richter, David Zimmerschied, Tilman Vellguth, Leander Lesotho
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