East of Eden Netflix Streamen online Video on Demand
Christopher Abbott in der Dramaserie "East of Eden" (© Kirsty Griffin/Geoffrey Short/Netflix)

Christopher Abbott [Interview 2026]

Mehr als 70 Jahre nachdem Elia Kazan John Steinbecks East of Eden für die große Leinwand adaptierte, widmet sich nun seine Enkelin Zoe Kazan dem Stoff. Als Autorin, Co-Showrunnerin und Executive Producerin erzählt sie den Roman für die Netflix-Miniserie (Start: 2. Oktober 2026) neu und rückt dabei eine andere Generation der Familie Trask in den Mittelpunkt. Christopher Abbott schlüpft in die Rolle des Adam Trask, während Mike Faist dessen Bruder Charles und Florence Pugh die geheimnisvolle Cathy Ames verkörpern. Im Interview spricht Abbott über die Widersprüche seiner Figur, das komplizierte Verhältnis der beiden Brüder und darüber, warum selbst Adams Hoffnung und sein Glaube an das Gute immer auch eine dunklere Seite haben.

Als Zoe Kazan dir die Rolle des Adam Trask angeboten hat, warst du zunächst gar nicht sicher, welchen der beiden Brüder du spielen solltest. Was hat dich schließlich an Adam gereizt?

Das stimmt, als Zoe Kazan mich zum ersten Mal darauf ansprach, war ich tatsächlich etwas verwirrt, welche Figur sie für mich im Sinn hatte. Vielleicht habe ich mich selbst schon ein bisschen in eine Schublade gesteckt, aber ich fragte sie: „Willst du, dass ich Charles oder Adam spiele?“ Als sie mir dann erklärte, warum sie mich als Adam gesehen hatte, wurde die Rolle für mich noch interessanter. Man bekommt nicht oft die Gelegenheit, eine Figur zu spielen, die so vielschichtig, nuanciert und kompliziert ist. Das gilt eigentlich für alle Charaktere in dieser Geschichte. Es gibt ständig eine Dualität zwischen dem, was jemand nach außen zeigt und dem, was tatsächlich darunter liegt. Das verändert sich immer wieder. Das Drehbuch gibt einem gleichzeitig den Raum, diese Widersprüche zu erforschen und etwas Eigenes in die Figur einzubringen. Zusammen mit diesem Ensemble gab es für mich deshalb eine sehr lange Liste an Gründen, Ja zu sagen.

Adam und Charles wachsen gemeinsam auf und machen viele ähnliche Erfahrungen, entwickeln sich aber in völlig unterschiedliche Richtungen. Was unterscheidet die beiden für dich?

Zwischen ihnen gibt es ständig dieses gleichzeitige Erkennen und Zurückweisen des anderen. Da sind Liebe und Hass nebeneinander. Hass kann ohne Liebe eigentlich gar nicht existieren, denn sonst wäre da einfach Gleichgültigkeit. Auch ihre gemeinsame Kindheit ist ungewöhnlich, schließlich sind sie Halbbrüder. Dadurch spielt die Frage nach Natur und Erziehung eine große Rolle. Als junger Mann wäre Charles wahrscheinlich eher derjenige gewesen, von dem man erwartet hätte, dass er in den Krieg zieht und dieses Leben führt. Aber letztlich ist es Adam, der in den Krieg geht, umherzieht und lange Zeit wie ein Vagabund lebt, während Charles zu Hause bleibt. Diese vermeintlich vorgezeichneten Wege kehren sich also um. Unsere erste Szene als erwachsene Brüder war gleichzeitig die erste Szene, die Mike Faist und ich gemeinsam gedreht haben. Adam und Charles hatten sich zu diesem Zeitpunkt lange nicht gesehen. Wir konnten viel daran arbeiten und proben. Selbst hinter einem einfachen Satz wie „Du verbrennst den Speck“ steckt plötzlich unglaublich viel. Genau das war so spannend: Diese großen Themen werden letztlich durch sehr kleine Momente zwischen zwei Menschen erzählt.

Was war für dich die größte Herausforderung dabei, Adam Trasks Widersprüche von der Buchseite auf den Bildschirm zu übertragen?

Adam steckt voller Widersprüche. Je älter er wird, desto stoischer und vielleicht auch starrer wird er in seinen Überzeugungen. Als junger Mann ist er dagegen zunächst ein Vagabund, der allein durch die Welt zieht. Cathy Ames wird dann zum Katalysator für seine Veränderung, auch wenn Adam selbst in diesem Moment noch gar nicht erkennt, was mit ihm geschieht. Genau diese Komplexität macht die Figur schwierig, eröffnet einem als Schauspieler aber gleichzeitig unglaublich viele Möglichkeiten. In fast jeder Szene kann man mit Gegensätzen arbeiten. Es gibt nicht unbedingt die eine richtige Antwort darauf, wie Adam in einem bestimmten Moment reagieren muss. Das liebe ich, weil dadurch beim Drehen immer wieder neue Funken entstehen können.

Du hast häufig Figuren gespielt, die eher beschädigt, wütend oder am Rand der Gesellschaft stehen. War es schwieriger, mit Adam jemanden zu spielen, der so stark von Hoffnung und seinem Glauben an andere Menschen geprägt ist?

In gewisser Weise schon. Aber auch Adam besitzt diese Dualität. Selbst in seiner blinden Liebe zu Cathy steckt etwas Dunkles. Es gibt eine lange Phase, in der er durch eine sehr tiefe Traurigkeit geht. Und es stellt sich immer wieder die Frage, ob er sich mit zunehmendem Alter selbst besser versteht oder ob er eigentlich immer verlorener wird.

Natürlich gibt es in ihm Hoffnung und etwas grundsätzlich Gutes, aber gleichzeitig ist er sehr fehlerhaft. Auch bei Figuren, die nach außen viel wütender oder beschädigter erscheinen, versuche ich immer, nach dem Gegenteil zu suchen, das unter dieser Oberfläche liegt. Bei Adam habe ich im Grunde denselben Ansatz gewählt – nur aus der anderen Richtung.

Zoe Kazans Adaption beschäftigt sich immer wieder mit der Frage, ob Menschen tatsächlich gut oder böse sind. Was war dir dabei für Adam besonders wichtig?

Für mich hängt vieles damit zusammen, was eine Figur nach außen zeigt und was tatsächlich unter dieser Oberfläche liegt. Adam kann auf den ersten Blick auf eine bestimmte Weise erscheinen, aber darunter gibt es immer noch etwas anderes zu entdecken. Gerade seine Beziehung zu Cathy macht das deutlich: Seine Liebe zu ihr ist aufrichtig und beinahe blind, aber selbst darin steckt eine Dunkelheit. Das Interessante an Adam ist deshalb für mich, dass seine Güte seine Fehler nicht verschwinden lässt. Er kann Hoffnung haben, an Menschen glauben und trotzdem verloren sein. Diese Gegensätze schließen sich nicht gegenseitig aus. Genau darin liegt die Komplexität der Figur und genau das gibt einem als Schauspieler die Freiheit, immer wieder nach einer anderen Seite von ihm zu suchen.



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