Ha Chan Shake Your Booty
© Sony Pictures Classics

Ha-Chan Shake Your Booty!

„Ha-Chan Shake Your Booty!“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Haru (Rinko Kikuchi) und Luis (Alejandro Edda) sind nicht nur seit Jahren glücklich miteinander liiert. Sie harmonieren auch auf der Tanzfläche sehr gut, die beiden sind in Tokio ein fester Bestandteil der Ballroom-Szene sowie der von lateinamerikanischen Tänzen. Das ändert sich jedoch, als Luis eines Tages einen Herzanfall erleidet und plötzlich verstirbt. Seither hat sich Haru zurückgezogen, flüchtet sich in ihre Fantasien, um irgendwie durch den Tag zu kommen. Erst auf Drängen ihrer Schwester Yuki (Yoh Yoshida) und ihrer Freundin Hiromi (You) beschließt sie, sich doch wieder am Tanzen zu versuchen. Dabei lernt sie den neuen Tanzlehrer Fedir (Alberto Guerra) kennen, für den sie schnell romantische Gefühle entwickelt. Zwar hat dieser eine Frau. Doch die ist in Paris. Außerdem führen sie eine offene Ehe, weshalb Haru eine Chance für sich gekommen sieht …

Fantasievoller Umgang mit dem Tod

Manchmal muss man sich an etwas Neuem versuchen. Das gilt nicht nur für die Protagonistin von Ha-Chan Shake Your Booty!, die nach dem Verlust ihres Mannes erst einmal nicht mehr weiß, wie sie mit ihrem Leben weitermachen soll. Es gilt auch für den Mann hinter ihrer Geschichte. So ist der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Josef Kubota Wladyka sonst eigentlich im Thrillergenre zu Hause und arbeitete beispielsweise an der gefeierten Serie Tokyo Vice mit, in der ein US-Journalist der Yakuza nachspürt. In dem Film Catch the Fair One – Von der Beute zum Raubtier erzählt er von einer Frau, die ihre verschwundene Schwester sucht. In seinem neuen Langfilm, dem dritten bislang, verzichtet er auf jegliche Verbrechen oder Kriminelle und beschäftigt sich lieber mit alltäglichen Dingen.

Das bedeutet aber nicht, dass es nicht auch hier düstere Elemente gibt. So steht im Mittelpunkt der Geschichte die Frage, wie man im Leben weitermachen kann, wenn ein elementarer Bestandteil plötzlich weg ist: der eigene Partner. Wladyka und sein Co-Autor Nicholas Huynh machen daraus aber kein herkömmliches Trauerdrama, wie es naheliegend gewesen wäre. Stattdessen ist Ha-Chan Shake Your Booty! durchsetzt von Humor und einer Vorliebe für das Schräge. Beispielsweise sieht die Protagonistin den verstorbenen Luis immer wieder in Visionen, wo er aber eine etwas andere Gestalt hat. Auch sonst flüchtet sie sich immer wieder in Fantasien, bei denen dann auf Anhieb auch gar nicht klar ist, was überhaupt noch real ist und was nicht.

Sympathisch-farbenfrohes Chaos

Verpackt wird das in eine oft farbenfrohe Optik, die in einem starken Kontrast steht zu der an und für sich sehr traurigen Geschichte. Und auch musikalisch wird einiges geboten. Aus gutem Grund: Der Film spielt nun einmal in der Tanz-Community, da gehören Klänge und Rhythmen einfach dazu. Dabei treffen verschiedene Stile aufeinander, es geht schon kunterbunt zu. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Sprache: In Ha-Chan Shake Your Booty! wird je nach Situation Japanisch, Spanisch oder Englisch gesprochen, wie man es erwarten kann, wenn in Japan Einheimische auf Lateinamerikaner treffen. Wladyka drückt dabei sicherlich auch seine eigenen vielfältigen Einflüsse aus, ist der US-Amerikaner doch selbst japanisch-polnischer Abstammung.

Möglicherweise soll diese Internationalität aber auch einfach die Universalität des Stoffes ausdrücken. Denn am Ende geht es in der Tragikomödie, die 2026 beim Sundance Film Festival Weltpremiere hatte, um das Thema Trauer und wie wir mit dieser umgehen können. Auch wenn Ha-Chan Shake Your Booty! durch komische Szenen oder besagten Tänze immer wieder davon ablenkt, kehrt die Geschichte doch immer wieder dazu zurück, dass Haru nach einem Weg sucht, dieses Loch in sich auszufüllen. Das funktioniert letzten Endes, der Film ist dann doch auch eine Aufmunterung, spendet Trost. Es braucht aber ein paar Umwege. Zusammengehalten wird das Ganze durch eine mitreißend spielende Rinko Kikuchi (Kumiko, the Treasure Hunter), die hier eine wunderbare Mischung aus Herz und Skurrilität darstellt. Auch wenn die Protagonistin sich immer wieder haarsträubend verhält, wird sie doch zu einer Sympathieträgerin und Identifikationsfigur, der man die Daumen drückt, dass sie nach dem Schicksalsschlag wieder zurück ins Leben tanzt.

Credits

OT: „Ha-Chan Shake Your Booty“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Josef Kubota Wladyka
Drehbuch: Josef Kubota Wladyka, Nicholas Huynh
Musik: Nathan Halpern
Kamera: Daniel Satinoff
Besetzung: Rinko Kikuchi, Alberto Guerra, Alejandro Edda, You, Yoh Yoshida, Damián Alcázar

Bilder

Trailer

Filmfeste

Sundance 2026
Toronto International Film Festival 2026
Filmfest Hamburg 2026
BFI London Film Festival 2026

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Ha-Chan Shake Your Booty!
fazit
„Ha-Chan Shake Your Booty“ erzählt von einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes wieder neuen Lebensmut sucht. Die an und für sich traurige Geschichte wird durch Humor sowie die farbenfrohe Optik und die Tänze aufgelockert. Das ist teilweise richtig versponnen, aber auch ein zu Herzen gehendes Werk, das von einer starken Hauptdarstellerin getragen wird.
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