Lucy Lost
© Goodfellas
Lucy Lost
„Lucy Lost“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Dass Lucy anders ist, wissen alle. Nicht nur, dass sie weiße Haare hat. Ihre Familie versucht zudem, sie vor den anderen Menschen abzuschirmen, die auf der keinen Insel leben und nicht gut auf das elfjährige Mädchen zu sprechen sind. Dabei haben die Leute eigentlich ganz andere Sorgen: Noch immer wütet der Erste Weltkrieg, die Inselbevölkerung bangt um ihre Angehörigen, die da draußen irgendwo kämpfen, trauert um die, die es nicht geschafft haben. Für Lucy ist das alles weit weg, von der Außenwelt bekommt sie nicht mehr sehr viel mit. Einsam ist sie aber nicht. Da wären zum einen ihre Eltern und ihr jüngerer Bruder. Aber auch Milly leistet ihr Gesellschaft, ein US-amerikanisches Mädchen, das sie regelmäßig besucht – das außer ihr jedoch auch niemand sehen kann …

Animationsfilm um Ausgrenzung

Erste Eindrücke können täuschen. Das ist natürlich eine Binsenweisheit: Wir alle haben schon einmal Situationen falsch eingeschätzt oder haben in Menschen jemand anderes gesehen, als sie wirklich sind. Und auch in Geschichten kommt es manchmal anders als erwartet. Manche Filme werden sogar primär um eine Wendung herum aufgebaut, durch die das Publikum völlig überrumpelt wird und die das Vorangegangene auf den Kopf stellt. Ganz so arg wird es bei dem französischen Animationsfilm Lucy Lost zwar nicht, auch weil hier von Anfang an klar gemacht wird, dass etwas nicht stimmt. Aber es ist schon interessant, in welche Richtung sich das bewegt und wie einiges doch ganz anders ist.

Anfangs meint man noch, dass es hier primär um das Thema Ausgrenzung geht, wenn die Titelfigur aus zunächst unbekannten Gründen den anderen Einwohnern und Einwohnerinnen ein Dorn im Auge ist. Falsch ist das nicht, bis zum Schluss wird das von Bedeutung sein. Aber es dauert eine Weile, bis durchschimmert, was genau die anderen eigentlich an dem Mädchen stört. Vorher meint man noch, dass es vielleicht einfach für seltsam gehalten wird. Dem Publikum von Lucy Lost mag es ähnlich gehen, da Lucy mit einem anderen Mädchen spricht, welches sonst niemand sehen kann. Ist diese Milly nur Ausdruck von Lucys Einsamkeit, weil sie eben jemanden braucht? Oder steckt doch mehr dahinter? Beispielsweise werden sich manche vielleicht fragen, warum sich Lucy ausgerechnet ein US-amerikanisches Mädchen ausgedacht hat.

Plädoyer für Menschlichkeit

Der Film, der auf dem Cannes Film Festival 2026 Weltpremiere hatte, gibt darauf eine Antwort, jedoch erst gegen Ende hin. Zu dem Zeitpunkt überschlagen sich dann auch die Ereignisse, wenn es nicht nur auf der Insel hoch hergeht, sondern zudem die Vorgeschichte von Lucy erzählt wird. Die ist hochdramatisch, wenn innerhalb kürzester Zeit richtig viel Tragik ausgepackt wird. Mit der Glaubwürdigkeit ist das aber so eine Sache. Die Adaption des 2014 veröffentlichten Romans Listen to the Moon von Michael Morpurgo (Nur ein einziges Leben) ist in mehrfacher Hinsicht schon ziemlich konstruiert. Als Lucy Lost zu erklären versucht, was in Wahrheit geschehen ist, soll Fantasy gegen Realität eingetauscht werden. So ganz klappt das aber nicht.

Dennoch ist Regisseur und Co-Autor Olivier Clert mit seinem ersten Langfilm ein schönes Debüt gelungen. Da sind schon einige Szenen dabei, die einem zu Herzen gehen dürfen. Der für eine etwas jüngere Zielgruppe konzipierte Film bringt dem Publikum so schwere Themen wie Tod und Krieg näher, will zugleich aber auch ein Plädoyer für Menschlichkeit sein. Visuell ist das ebenfalls ansprechend. Zwar hat das Animationsstudio Xilam Animation (Ich habe meinen Körper verloren) etwas generische Designs verwendet, die eine eigene Handschrift vermissen lassen. Ansonsten überzeugt die Optik von Lucy Lost jedoch. Gerade die Settings, an denen wir uns aufhalten, sind gelungen, erzeugen ein malerisches Ambiente, welches einen reizvollen Kontrast zwischen der Idylle und dem Kriegsschrecken zeichnet.

Credits

OT: „Lucy Lost“
Land: Frankreich
Jahr: 2026
Regie: Olivier Clert
Drehbuch: Helen Blakeman, Olivier Clert
Vorlage: Michael Morpurgo
Musik: Anne-Sophie Versnaeyen
Animation: Xilam Animation

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Lucy Lost
fazit
„Lucy Lost“ erzählt von einem Mädchen, das auf einer abgelegenen Insel vom Rest ausgestoßen ist. Die Romanadaption schlägt einige Haken, erzählt eine Geschichte zwischen Diskriminierung und Kríegstrauma, ist zugleich aber auch ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit. Das ist zwar alles ziemlich konstruiert, ist aber schön anzusehen und geht zuweilen zu Herzen.
Leserwertung0 Bewertungen
0
7
von 10