
Dreißig Jahre sind seit dem letzten Erscheinen Godzillas vergangen. Als der Reporter Goro Maki (Ken Tanaka) vor der Küste der japanischen Insel Daikoku ein verlassenes Fischerboot bemerkt, denkt zunächst niemand an eine Verbindung mit der Kreatur. Jedoch spricht der einzige Überlebende, ein Student namens Hiroshi Okumura (Shin Takuma), immer wieder davon, ein riesiges Monster gesehen zu haben, bevor er das Bewusstsein verlor. Maki wittert eine große Story für seine Zeitung, jedoch verbietet man ihm, über das Geschehene zu berichten – zu groß ist die Angst der Regierung vor einer Massenpanik in der Bevölkerung.
Schon bald ist das Geheimnis aber keines mehr, denn es kommt zu einem weiteren, dieses Mal sehr gefährlichen Zwischenfall. Als ein sowjetisches U-Boot angegriffen wird, droht der bis dahin noch „kalte“ Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion zu eskalieren. Für die japanische Regierung steht die Ursache jedoch schnell fest, sodass das Militär mit ersten Gegenmaßnahmen gegen die Riesenechse reagiert.
Parallel lernt Maki Professor Hayashida (Yosuke Natsuki) kennen, einen Wissenschaftler, der sich schon seit vielen Jahren mit Godzilla befasst. Gemeinsam mit ihm arbeitet er an einer alternativen Methode, um die Riesenechse abzuwehren, ohne dabei unnötig Menschenleben aufs Spiel zu setzen.
Japan zwischen den Fronten
Nach dem kommerziellen Misserfolg von Terror of Mechagodzilla oder Brut des Teufels (1975) blieb es ganze neun Jahre lang still um den bekannten Kaiju. Produzent Tomoyuki Tanaka glaubte aber nach wie vor daran, dass man die Filmreihe weiterführen könnte, wollte gleichzeitig jedoch einen Neustart des Franchise. Nachdem die Filme nach Ishiro Hondas Original von 1954 immer kindischere Züge angenommen hatten, sollte Godzilla wieder gefährlicher und bedrohlicher werden, so wie es auch Hondas ursprünglicher Intention entsprach. Obwohl dieser gerne selbst die Regie bei Godzilla – Die Rückkehr des Monsters übernommen hätte, musste er wegen anderer Verpflichtungen absagen, empfahl aber seinen langjährigen Regieassistenten Koji Hashimoto. Dieser legte gemeinsam mit Teruyoshi Nakano, der für die Effekte des neuen Films verantwortlich war, den Grundstein für diesen Neustart, der wieder einmal bewies, dass eine Kreatur wie Godzilla ein Spiegel globaler politischer und kultureller Konflikte sein kann.
Godzilla – Die Rückkehr des Monsters setzt sich aus zwei erzählerischen Ebenen zusammen, die für die Wirkung des Films ungemein wichtig sind. Neben den bereits erwähnten Figuren spielt Seiki Mitamura (Keiju Kobayashi), der japanische Premierminister, eine wichtige Rolle, wenn es um die weltpolitischen Dimensionen des Geschehens geht. Während in Hondas Original die Ereignisse überwiegend aus einer nationalen, also japanischen Perspektive beschrieben werden, rückt Hashimotos Film die internationale Dimension wesentlich stärker in den Vordergrund, was angesichts des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion besonders interessant ist. Als Godzilla ein sowjetisches U-Boot angreift, ist dies nur eines von vielen Beispielen, welche die sensible weltpolitische Lage deutlich machen, in der jede Seite nur auf einen Anlass wartet, einen weiteren Krieg in die Wege zu leiten, der zweifelsohne der letzte für die Menschheit wäre. Godzilla wird nicht nur zum Spiegel nationaler Ängste und Traumata, sondern auch globaler Befürchtungen, die binnen weniger Stunden zur Realität werden können.
Japan wird in Godzilla – Die Rückkehr des Monsters als Mediator dargestellt, aber keineswegs als isolierte Macht. Der Kampf gegen den Kaiju wird nicht nur zu einer nationalen Bewährungsprobe, sondern zu einer Herausforderung auf der Weltbühne und zur Abwehr eines noch viel schlimmeren Szenarios, was Hashimotos Film mit Verweisen auf die Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki mehrmals andeutet. Dass hierbei die beiden Kontrahenten des Kalten Krieges bisweilen wie Karikaturen agieren und sprechen, passt dabei in das durchweg positive Bild Japans, das der Film zeichnet.
Godzilla als Vorzeichen
Abgesehen von der (welt-)politischen Dimension des Erscheinens von Godzilla spielt wie immer natürlich auch die individuelle Perspektive eine Rolle. In diesem Falle sehen wir Medienvertreter und Forscher, also Repräsentanten der Wahrheit und zugleich des Fortschritts. Bei der Gestaltung von Figuren wie Goro Maki oder Professor Hayashida sind noch Spuren vergleichbarer Charaktere wie des von Takashi Shimura gespielten Wissenschaftlers aus Godzilla (1954) zu erkennen, jedoch sind sie bei Weitem nicht so interessant oder tiefgehend. Im Gegensatz zu den auch für heutige Verhältnisse noch beachtlichen Effekten gehören diese Aspekte zu den Schwächen eines allgemein sehr soliden Neustarts der Filmreihe, die spätestens mit Godzilla, der Urgigant zur alten Größe zurückkehren würde.
Spätestens wenn Godzilla in Tokio erscheint und sich eine erneute Zerstörungswelle anbahnt, wird die Dimension deutlich, die Produzent Tomoyuki Tanaka wichtig war. Die Riesenechse ist nicht länger nur ein Spiegel der bereits erwähnten Ängste und Traumata, sie läutet das mögliche Ende der Menschheit ein. Vor dem Hintergrund globaler Konflikte sind das Monster und die Zerstörung, die es verursacht, ein Omen dessen, was noch kommen kann und schon bald auch außerhalb Japans Realität werden könnte. Diese Deutung, die für die Filmreihe typisch von einem Wissenschaftler ausgesprochen wird, gibt dem Kaiju noch eine andere Ebene, die bis heute – auch in den US-amerikanischen Produktionen – immer wieder eine Rolle spielt.
OT: „Gojira“
Land: Japan
Jahr: 1984
Regie: Koji Hashimoto
Drehbuch: Shuichi Nagahara
Musik: Reijiro Koroku
Kamera: Katsuhiro Kato
Besetzung: Ken Tanaka, Yasuko Sawaguchi, Yosuke Natsuki, Shin Takuma, Keiju Kobayashi
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