
Sommer 2006: Die 17-jährige Coley (Maya da Costa) ist in eine ländliche Gegend Oregons gezogen, um bei ihrem entfremdeten Vater Curtis (Zach Braff) zu leben. Eines Tages lernt sie dabei in einem Restaurant Sonya (Myra Molloy) kennen, die dort mit ihrem Freund Trenton (Levon Hawke), Alex (Alozie LaRose) und anderen abhängt. Spontan wird sie dazu eingeladen, sich dazuzusetzen und auch mit zum See zu fahren. Die beiden Jugendlichen verstehen sich auf Anhieb und verbringen anschließend viel Zeit miteinander – zum Missfallen von Trenton. Tatsächlich fangen die Teenagerinnen an, Gefühle füreinander zu entwickeln, was gerade für Sonya sehr schwierig ist …
Einfach und doch kompliziert
Manche Titel sagen einem schon alles, was man über einen Film wissen muss. Neuestes Beispiel hierfür ist Girls Like Girls, bei dem zwei Mädchen im Mittelpunkt stehen, die sich ineinander verlieben. Alles ganz simpel also. Und gleichzeitig wieder nicht. Wenn da alles ganz problemlos und ohne größere Konflikte ablaufen würde, gäbe es schließlich keine Geschichte zu erzählen. Also gibt es Schwierigkeiten, gibt es Hindernisse, die überwunden werden müssen. Und auch auf die tragische Vorgeschichte wird nicht verzichtet, damit die Charaktere auch richtig viel Ballast mit sich herumschleppen, den sie erst mit der Zeit loswerden oder zumindest besser in den Griff bekommen. Denn jeder und jede braucht etwas, woran sie wachsen kann.
Dieser Ansicht war wohl zumindest Hayley Kiyoko. Diese hat nicht nur den gleichnamigen Roman geschrieben und mit Stefanie Scott an dem Drehbuch gearbeitet. Sie gibt mit dem Jugenddrama gleich noch ihr Regiedebüt: Nachdem sie bereits als Schauspielerin tätig war, zwei Musikalben aufnahm und ihre eigenen Musikvideos inszenierte, versucht sie sich bei Girls Like Girls an ihrem ersten Spielfilm. Dieser ist insgesamt auch gelungen, selbst wenn das eine oder andere Klischee vielleicht nicht hätten sein müssen. Dass Coley einen entfremdeten Vater hat, der die Familie verlassen hatte, zu dem sie aber ziehen muss, nachdem ihre Mutter sich umgebracht hat, ist schon ein bisschen viel. Zumal das auch nicht wirklich zu dem Rest des Films passt, der ziemlich ruhig und ohne großes Drama auskommt.
Schöne leise Momente
Die gelungeneren Momente sind dann auch die, wenn sich Kiyoko auf die beiden Hauptfiguren konzentriert und wie diese sich langsam antasten. Man merkt dem Film dann auch an, dass die offen homosexuell lebende Künstlerin da eigene Erfahrungen verarbeitet, wie es war, in den 2000ern als Jugendliche Gefühle für das eigene Geschlecht zu haben. Girls Like Girls handelt dabei weniger von Homophobie. Zwar wird Freund Trenton als eine Art Gegenspieler etabliert, der Coley feindlich gesinnt ist. Das liegt aber eher daran, dass er eifersüchtig und besitzergreifend ist. Die eigentlichen Probleme der Protagonistinnen sind selbstgemacht, wenn sie es nicht schaffen, mit diesen Emotionen umzugehen. Vor allem Sonya schafft es nicht, offen dazu zu stehen, lebt das alles nur im Geheimen aus. Coley ist da schon offener, aber auch bei ihr ist die Begegnung auf eine Fantasie beschränkt.
Und doch ist Girls Like Girls kein Problemfilm in dem Sinn. Kiyoko stellt uns zwei Menschen vor, die zwar schon einiges erlebt haben, aber doch am Anfang stehen. Immer wieder sind da berührende Szenen dabei, etwa wenn die beiden füreinander tanzen, es zu Berührungen kommt. Sie sind füreinander da und geben sich gegenseitig die Möglichkeit, sie selbst zu sein und vielleicht auch eine neue Seite an sich selbst zu entdecken. Das ist nichts Originelles, aber doch gut umgesetzt. Maya da Costa und Myra Molloy harmonieren gut als zwei Jugendliche, die zu besten Freundinnen werden und danach feststellen, dass die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe nicht klar zu ziehen ist. Am Ende entlässt uns das Coming-of-Age-Drama mit Zuversicht in die Welt da draußen, zeigt, dass da irgendwo eine gute Zukunft wartet – und das ist etwas, das in Zeiten von antiqueerer Gewalt doch ganz schön und tröstlich ist.
OT: „Girls Like Girls“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Hayley Kiyoko
Drehbuch: Hayley Kiyoko, Stefanie Scott
Vorlage: Hayley Kiyoko
Musik: Jessica Rose Weiss
Kamera: Sonja Tsypin
Besetzung: Maya da Costa, Myra Molloy, Levon Hawke, Zach Braff, Alozie LaRose, Sierra Sidwell
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