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Gas-Oil

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„Gas-Oil“ // Deutschland-Start: 27. April 1956 (Kino) // 27. Januar 2017 (DVD)

Inhalt / Kritik

Eigentlich hätte es reine Routine sein sollen, als sich der Lastwagenfahrer Jean Chape (Jean Gabin) in der Nacht hinter das Steuer seines Lkws setzt. Doch diesmal kommt alles anders. Zu seinem großen Entsetzen überfährt er bei strömenden Regen einen Mann. Pflichtbewusst informiert er die Polizei über den Unfall. Dabei stellt sich heraus, dass der Tote ein Verbrecher war und zudem bereits tot, als Chape ihn überfahren hat. Er konnte also nichts dafür. Ende gut, alles gut? Das nicht. Denn nun sind die Komplizen des Mannes hinter ihm her, weil sie vermuten, dass Chape das spurlos verschwundene Diebesgut des Toten an sich genommen und in seinem Lastwagen versteckt hat. Und diesen wollen sie zurück, selbst wenn sie dafür über Leichen gehen müssen …

Krimidrama mit Startschwierigkeiten

Zur falschen Zeit am falschen Ort: Es gehört zu den Grundsituationen von Thrillern oder anderen Genrefilmen, dass die Hauptfigur unschuldig in eine Sache hineingezogen wird, die viel zu groß für sie ist. Sie können dann Morde beobachten oder werden selbst eines Verbrechens beschuldigt, treffen auf Leute, die sie besser nicht hätten treffen sollen.  So ergeht es dem Protagonisten in Gas-Oil, einem französischen Krimidrama von 1955, das hierzulande auch unter dem Titel Straßensperre bekannt ist. Hier ist es eine Art Unfall, für den Chape nichts kann, der an und für sich auch egal ist und trotzdem nicht ohne Folgen bleibt, wenn auf einmal Verbrecher hinter ihm her sind, die bei ihm ihr eigenes Diebesgut vermuten.

Das klingt dann nach Verfolgungsjagden und brenzligen Situationen. Ganz so wild wird es aber nicht. Vielmehr lässt sich die Adaption des ein Jahr zuvor erschienenen Romans Du raisin dans le gaz-oil von Georges Bayle ziemlich viel Zeit, bis mal ein wenig aufs Gaspedal getreten wird. Tatsächlich ist rund die Hälfte des Films vorbei, bevor die Gangster überhaupt in Erscheinung treten. Zuvor ist bei Gas-Oil ziemlich viel Rätselraten angesagt. Man weiß gar nicht so genau, worum es denn eigentlich in dieser Geschichte gehen soll. Erst später geht es etwas mehr zur Sache und der Film wird tatsächlich dem Anspruch gerecht, ein Krimi zu sein. Dabei geht es zum einen um die Jagd auf die Beute. Aber auch die Vorgeschichte wird dabei thematisiert.

Sehenswertes Milieuporträt

Bis es so weit ist, geht es ruhig zu. Regisseur Gilles Grangier (Tatort Paris) hat hier über weite Strecken vielmehr ein Drama vorgelegt, welches von dem Protagonisten und seinem Umfeld handelt. Nicht so wirklich überzeugend ist dabei die Liebesgeschichte zwischen diesem und der Lehrerin Alice. Schließlich wurde diese von Jeanne Moreau verkörpert, die zu dem Zeitpunkt noch am Anfang ihrer Karriere war und deutlich jünger als ihr berühmter Kollege. Als Paar sind die beiden nicht sonderlich glaubwürdig. Deutlich besser funktioniert Gas-Oil als Milieustudie, wenn wir eintauchen in die Welt des einfachen Lastwagenfahrers, der einfach nur seiner Arbeit nachgehen möchte, und in die Kleinstadt, in der dieser lebt. Das ist alles betont unspektakulär, fast schon dokumentarisch – und wird sicherlich einigen zu langweilig sein, da relativ wenig passiert.

Doch wer sich darauf einlassen lassen, dass das hier ein recht gemächlicher Genrevertreter ist, findet einen durchaus sehenswerten Film. Die französische Leinwandlegende Jean Gabin ist natürlich eine Idealbesetzung für die Rolle des einfachen Lastwagenfahrers, der gar nicht viel vom Leben erwartet. Wie kaum ein anderer konnte er Menschen aus dem gewöhnlichen Volk verkörpern, ein bisschen grummelig vielleicht, aber mit dem Herzen am rechten Fleck. In Frankreich war Gas-Oil dann auch ein großer Erfolg, lockte damals mehr als drei Millionen Menschen in die Kinos. Hierzulande ist der Film hingegen eher in Vergessenheit geraten, was einerseits verständlich ist, aber doch ein wenig schade.

Credits

OT: „Gas-Oil“
AT: „Straßensperre“
Land: Frankreich
Jahr: 1955
Regie: Gilles Grangier
Drehbuch: Michel Audiard
Vorlage: Georges Bayle
Musik: Henri Crolla
Kamera: Pierre Montazel
Besetzung: Jean Gabin, Jeanne Moreau, Gaby Basset, Roger Hanin, Simone Berthier, Marcel Bozzuffi, Robert Dalban, Albert Dinan, Ginette Leclerc

Bilder

Trailer

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Gas-Oil
fazit
In „Gas-Oil“ überfährt ein Lastwagenfahrer einen toten Gangster und wird dann von dessen Komplizen verfolgt. Das klingt nach einem spannenden Thriller, ist über weite Strecken aber eher ein Drama, welches den Protagonisten und sein Milieu vorstellt. Wer sich darauf einlassen kann, findet eine sehenswerte Romanadaption, die stark von Jean Gabin getragen wird.
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