AnyMart
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AnyMart
„AnyMart“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Sonderlich aufregend ist die Arbeit von Sakai (Shôta Sometani) in dem Convenience Store nicht. Es gibt unzählige Regeln, gerade auch im Hinblick auf den Umgang mit der Kundschaft. Denn die werden hofiert. Er selbst und die anderen Angestellten werden hingegen oft von ihrem Chef (Masahiko Nishimura) gemaßregelt, vor allem, wenn sie sich eben nicht an die Regeln halten. Sakai hat sich daran gewöhnt, er nimmt die Monotonie des Alltags in Kauf, erledigt den Job ohne große Anteilnahme. Doch als die neue Kollegin Ogawa (Erika Karata) anfängt, kommt wieder Leben in den Laden. Und der Tod. Die Lage eskaliert immer weiter, verschiedene Zwischenfälle stellen den Alltag auf den Kopf – bis nichts mehr so ist, wie es einmal war …

Arbeit statt Leben

Wer schon einmal in Japan war, weiß, dass der Einkauf in einem Laden anders abläuft als hier. Nicht nur, dass die Angestellten auf eine geradezu aufdringliche Weise zuvorkommend sind. Ständig ertönen irgendwo Begrüßungsformeln, hört man Jingles oder Melodien, etwa wenn die Eingangstür aufgeht. Gleichzeitig ist alles distanziert, wirkt geradezu surreal in seiner Entmenschlichung. Das macht einen solchen Laden zu einem dankbaren Ort, um einen Film zu drehen. Mit AnyMart ist dieses Jahr einer erschienen, der das Treiben in einem Geschäft unter die Lupe nimmt. Dann und wann gibt es zwar auch mal Szenen, die an einem anderen Schauplatz spielen. Aber das ist die Ausnahme, überwiegend halten wir uns wirklich nur in dem titelgebenden Convenience Store auf.

Zumindest anfangs meint man, dass der japanische Film eine dieser typischen Arbeitsplatzkomödien ist. AnyMart macht sich über die Regelhaftigkeit in der japanischen Gesellschaft lustig, wenn es für alles und jeden Vorschriften gibt. Diese müssen dann auch nicht zwangsläufig Sinn ergeben. Sie müssen nur eingehalten werden. Die Komik des Films besteht aber auch in der Reaktion der Figuren – oder dem Mangel an einer Reaktion. Gerade Protagonist Sakai nimmt alles mit einer stoischen Gleichgültigkeit an. Der bekannte Hauptdarsteller Shota Sometani (Suzuki=Bakudan, Parasyte) ist eine ideale Besetzung für die Figur des jungen Angestellten, der sich innerlich schon so sehr von allem zurückgezogen hat, dass man gar nicht mehr sagen kann: Lebt der eigentlich noch?

Absurd und erschreckend

Auf Dauer wäre das vermutlich etwas wenig gewesen. Glücklicherweise hat Regisseur und Drehbuchautor Yusuke Iwasaki aber gar nicht vor, dieses anfängliche Konzept bis zum Schluss beizubehalten. Stattdessen erhöht er nach und nach die Intensität, lässt die Situation eskalieren, lässt Figuren sterben. Die anfängliche Komödie bewegt sich allmählich weg, wird zu einer Art Horrorfilm. Kein Wunder also, dass AnyMart seine Weltpremiere bei der Berlinale 2026 in der experimentelleren Sektion Forum feierte, bevor dann Einladungen zu anderen Festivals erfolgten. Denn auch wenn man den Film gut als Horrorkomödie bezeichnen könnte, hat er doch wenig mit dem gemeinsam, was man sonst so in dem Segment sieht.

So weiß man oft gar nicht so genau, ob man eigentlich lachen sollte oder nicht. Denn irgendwo ist es auch erschreckend, wie die Gleichgültigkeit fortlebt, wie die Menschen von einer Eiseskälte ergriffen sind. Iwasaki, selbst Sohn eines Ladenbesitzers, beschreibt eine Gesellschaft, in der irgendwie alle gestört sind, zwischenmenschliche Beziehungen nicht mehr funktionieren, sie alle nur noch für sich selbst leben – oder gleich das Leben nehmen. Der Schrecken in AnyMart ist nicht übernatürlicher Natur. Es gibt hier keine Monster, nicht einmal irgendwelche wahnsinnigen Killer. Stattdessen wartete auf einen der Wahnsinn einer Welt, in der alle nah beieinander sind und doch einander nicht mehr wahrnehmen können. Und so übertrieben und absurd vieles von dem ist, was hier geschieht, ist das Ergebnis doch realistischer, als wir es uns eingestehen wollen.

Credits

OT: „Chirudo“
Land: Japan
Jahr: 2026
Regie: Yusuke Iwasaki
Drehbuch: Yusuke Iwasaki
Musik: PAS TASTA
Kamera: Mao Ohkawara
Besetzung: Shôta Sometani, Erika Karata, Masahiko Nishimura, Kuruma, Tatsuya Nagashima

Bilder

Trailer

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Fantasia Film Festival 2026
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AnyMart
fazit
„AnyMart“ spielt in einem Convenience Store, der von Routine geprägt ist, bevor die Lage immer mehr eskaliert. Das beginnt als Arbeitsplatzkomödie, wird später aber zu einem Horrorfilm. Erschreckend ist dabei, wie die Menschen zunehmend gefühlskalt agieren, sie nah beieinander sind, aber keine Bindungen mehr existieren.
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