
Vaiana (Catherine Laga’aia) wächst behütet mit ihrer Familie und ihrem Stamm auf einer abgelegenen Südseeinsel auf. Zu behütet, wenn es nach ihr geht. Denn immer, wenn ihre Großmutter Tala (Rena Owen) von der Vergangenheit erzählt, von früheren Abenteuern auf hoher See und alten Mythen, wird die Jugendliche hellhörig. Eigene Abenteuer werden ihr von ihrem Vater Tui (John Tui) aber verboten. Tatsächlich darf sie nicht einmal aufs Meer hinaus. Als jedoch die Insel zu verdorren beginnt und sie eine eigenartige Erfahrung am Strand macht, ist sie davon überzeugt, dass der Ozean sie auserwählt hat. Und so fasst sie den Beschluss, sich allein auf einem Boot auf eine Expedition zu begeben, um den aus einer Legende bekannten Halbgott Maui (Dwayne Johnson) zu finden. Denn nur mit seiner Hälfte, so ihre Überzeugung, kann sie ihr Volk retten …
Remake des Animationshits
Die ersten Jahre waren sie eine einzige Goldgrube für Disney: die Live-Action-Remakes der eigenen Zeichentrickklassiker. Zwar schwankten die Einnahmen von Film zu Film ein wenig. Aber da waren so viele und so große Hits dabei, dass in schneller Folge an weiteren Neuauflagen gearbeitet wurde. Mit der Corona-Pandemie änderte sich das, die Enttäuschungen wurden zahlreicher, richtige Kassenschlager gelangen kaum noch. Umso größer sind die Erwartungen an Vaiana, das Remake des vor zehn Jahren veröffentlichten gleichnamigen Fantasyabenteuers. Nicht nur, dass das Original nach wie vor sehr beliebt ist. Die schlampig zusammengeschusterte Fortsetzung Vaiana 2 war vor rund zwei Jahren ein Blockbuster. Da ist es zu erwarten, dass auch die Wiederauflage ordentlich Geld in die Studiokassen spült.
Zu diesem Zweck verzichtete man auch auf jegliche Experimente, die den Erfolg gefährden könnten. Wo etwa Lilo & Stitch die Geschichte zum Teil umschrieb, was nicht bei allen gut ankam, da wird bei Vaiana einfach nochmal das erzählt, was man vor zehn Jahren bereits gesehen hat. Im aktuellen Fall ist das noch ein bisschen gravierender, als es bei früheren Remakes schon der Fall war. Schließlich war bereits das Original, anders als die übrigen Klassiker, am Computer entstanden. Anstatt nun computergenerierte Figuren vor computergenerieten Hintergründen auftreten zu lassen, sieht man jetzt reale Menschen vor computergenerierten Hintergründen. Es sieht also nicht groß anders aus. Lediglich der Anfang auf der Insel arbeitet mit einem realen Setting. Zwar ist die Optik schon schick, kann aber nicht kaschieren, dass CGI in CGI die harmonischere Variante ist statt eines solches Mixes.
Letztendlich überflüssig
Ein Pluspunkt ist dafür die Besetzung. Dass Dwayne Johnson die Figur des selbstverliebten Halbgottes meistern würde, stand natürlich außer Frage. Schließlich hatte er Maui bereits im englischsprachigen Original seine Stimme geliehen. Es macht dann auch tatsächlich Spaß, ihm dabei zuzusehen, wie er unbekümmert und mit aufgeblasenem Ego durch die Gegend stolziert. Eine Entdeckung ist dafür Catherine Laga’aia, die bislang kaum Schauspielerfahrung hatte, sich aber sowohl in den Gesangsszenen wie auch den komischen oder ernsten Momenten wacker schlägt. Das Zusammenspiel mit dem Hollywoodstar funktioniert ebenfalls, was eine wichtige Voraussetzung für Vaiana ist. Schließlich wird das Abenteuer regelmäßig unterbrochen durch Szenen, in denen der zwischenmenschliche Aspekt im Vordergrund steht.
Doch auch wenn das so durchaus alles überzeugt und viele der Qualitäten des Animationsfilms erhalten geblieben sind, bleibt am Ende die Frage, warum man sich das anschauen sollte. Sofern man nicht gerade ein riesiger Fan von Johnson ist und ihn deshalb in echt sehen muss oder eine generelle Vorliebe hat für einen realen Cast, bleibt das zweite Vaiana nicht mehr als eine überflüssige Kopie, die zu keiner Zeit einen Grund liefert, warum man sie dem Original vorziehen sollte. Wem das alles egal ist und sich auch nicht an inhaltlichen Schwächen wie dem überhasteten Ende stört, kann natürlich mit all dem hier Spaß haben. Ein tatsächliches Eventkino sieht aber anders aus.
OT: „Moana“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Thomas Kail
Drehbuch: Jared Bush, Dana Ledoux Miller
Musik: Mark Mancina
Kamera: Óscar Faura
Besetzung: Catherine Laga’aia, Dwayne Johnson
Seit 1937 hat Disney die Geschichte des Animationsfilms maßgeblich mitbestimmt. Wir blicken in unserem Jubiläumsspecial zurück auf das legendäre Studio und stellen Dutzende ihrer Werke vor.
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