
Bei seinem Arzt erhält Wendell Sonny Lawson (Burt Reynolds) die niederschmetternde Diagnose, dass er höchstens noch ein Jahr zu leben hat, im schlimmsten Fall wird er schon nach drei Monaten an seiner Blutkrankheit sterben. Für den Mittvierziger bricht damit die Welt zusammen. Er unterrichtet seine derzeitige Freundin Mary Ellen (Sally Field) davon, stattet auch seiner Ex Jessi (Joanne Woodward) einen Besuch ab und geht nach 22 Jahren zum ersten Mal wieder zur Beichte, überfordert den jungen Priester (Robby Benson) dabei aber gehörig. Besonders schwer fällt es ihm, mit seiner Teenager-Tochter Julie (Kristy McNichol) zu reden, bei ihr will ihm die Wahrheit nicht über die Lippen kommen. Wendell entschließt sich dazu, nicht auf sein natürliches Ende zu warten, sondern durch Suizid den vermutlich schmerzreichen letzten Wochen zu entgehen. Doch sein Selbstmordversuch misslingt, und als er aufwacht, findet er sich in einer Nervenheilanstalt wieder. An seinem Bett der zynische Marlon Borunki (Dom DeLuise), der selbst ein Insasse der Irrenanstalt ist und sich bereit erklärt, Wendell bei seinen Selbstmordplänen zu unterstützen. Noch drei Monate zu leben Burt Reynolds war einer der Top-Stars des US-Kinos der 1970er Jahre, dessen meist sehr actionlastigen Filme ein Millionenpublikum erreichten und den Womanizer, der im Jahr 1972 für die Zeitschrift „Cosmopolitan“ splitterfasernackt auf einem Bärenfell posiert hatte, zu einem der Topverdiener der Branche machten. Auch heute noch sind Filme wie Das ausgekochte Schlitzohr oder Beim Sterben ist jeder der Erste äußerst beliebt und werden immer wieder im Fernsehen ausgestrahlt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass sich Reynolds schon seit Mitte der 1960er Jahre auch immer mal wieder als Regisseur verdingte. Nachdem er eine Folge der Fernsehserie „Hawk“ inszeniert hatte, folgte 1976 mit Mein Name ist Gator sein Spielfilmdebüt. Nobody is perfect, der im Original den wesentlich zutreffenderen Titel The End trägt, markierte zwei Jahre später seinen zweiten Langfilm als Regisseur. Reynolds übernahm hier abermals die Hauptrolle, und besetzte seine Co-Stars mit Menschen, mit denen er zuvor schon erfolgreich zusammengearbeitet hatte – Sally Field war seine Partnerin in Ein ausgekochtes Schlitzohr, mit Dom DeLuise hatte er schon für Mel Brooks‘ letzte Verrücktheit – Silent Movie gemeinsam unter der Dusche gestanden. Die beiden sollten danach noch in etlichen weiteren Filmen ein eingespieltes Leinwandduo geben. Nobody is perfect basiert auf einem Drehbuch von Jerry Belson, und genau das ist der Knackpunkt des Films, denn die Prämisse, aus einer tödlichen Krankheit eine Komödie zu zimmern, geht in dieser Konstruktion nie so richtig auf. Natürlich kann man sich auf schwarzhumorige Weise auch über ein Todesurteil und ein baldiges Ableben lustig machen, aber im Gegensatz zu Filmen wie Die tollen Abenteuer des Monsieur L. mit Jean-Paul Belmondo oder Aki Kaurismäkis I Hired a Contract Killer ist Belsons Drehbuch erstaunlich pointenarm ausgefallen. Insbesondere in den ersten 50 Minuten geht es lediglich um die Zwiegespräche zwischen Lawson und seinen wichtigsten Bezugspersonen. Hier zerfällt die Handlung erstmals in aneinandergereihte Episoden, in denen Reynolds jeweils an der Seite von einem seiner Co-Stars agiert und diese wie an einer Perlenkette aufgereiht vorgeführt werden. Hier gibt es noch kaum ironische Brechungen, stattdessen werden sogar Ideen rund um Sterbehilfe und ein würdevolles Sterben thematisiert, die kaum etwas in einer Komödie zu suchen haben. Ziemlich genau zur Halbzeit versucht Lawson dann erstmals ernsthaft, sich das Leben zu nehmen, was auch im Erzählstil des Films zu einer Zäsur führt. Denn als er nach dem missglückten Suizid wieder zu sich kommt, ist er Patient in einer Nervenklinik und bald der beste Freund eines Geisteskranken. Selbstmord für Anfänger Im zweiten Teil des Films erhält also Dom DeLuise einen wichtigen Part im weiteren Verlauf der Ereignisse, und man sollte dessen grobschlächtige Komik schon mögen, um mit den sich nun entfaltenden Slapstickkapriolen klarzukommen. Nun ist der Film wahrlich zu einer Komödie geworden, wenn sich die zunehmend absurden Versuche Lawsons, sich das Leben zu nehmen, überschlagen. Dieser Marlon Borunki hat wahrlich etliche originelle Einfälle, wie sein neuer bester Freund aus dem Leben scheiden kann, aber auch er ist hoffnungslos untalentiert, um diesem dabei wirklich von Nutzen zu sein. Mehr und mehr tritt in diesen Szenen dann der ernste Hintergrund der Geschichte zurück, und das Publikum dürfte schließlich fast ganz vergessen haben, was der eigentlich todtraurige und absolut ernste Auslöser des ganzen Geschehens war. Wer mit schwarzem Humor nichts anzufangen weiß, wird ab hier sicherlich kaum mehr etwas mit dem Film anfangen können. Insgesamt ist Nobody is perfect also alles andere als ein perfekter Film, sondern vielmehr eine sehr uneinheitliche schwarze Komödie mit wenigen wirklich gelungenen Gags, viel albernem Chaos und einer großen Durststrecke, in der es übermäßig ernst zur Sache geht. Auch für Hal Needham hat Burt Reynolds hier einige Szenen einbauen lassen, denn der ehemalige Stuntman, der beim großen Reynolds-Hit Ein ausgekochtes Schlitzohr im Jahr zuvor Regie geführt hatte, war zu diesem Zeitpunkt Spezialist für Autostunts, die im slapstickhaften zweiten Teil des Films eine größere Rolle spielen. Wer also die Reynolds-Filme jener Ära mag, der dürfte zumindest teilweise auch bei Nobody is perfect auf seine Kosten kommen, wegen der Darsteller, der Autostunts und etlichen leicht verdaulichen und nicht sonderlich tiefgründigen Gags. Neben einigen längeren und kürzen Arbeiten fürs Fernsehen hat Burt Reynolds in seiner Karriere nach diesem Film noch drei weitere Kinofilme inszeniert, von denen die Elmore-Leonard-Verfilmung Sie nannten ihn Stick sicherlich am bekanntesten sein dürfte. Nach fast fünfzig Jahren hat man Nobody is perfect bei Explosive Media nun erstmals digital veröffentlicht, sowohl als BluRay wie auch als DVD. Erstere weißt ein sehr scharfes und rundum überzeugendes Bild (im Widescreen-Format 1,85:1) auf. Der Ton liegt im englischen Original und in der deutschen Synchronisation im DTS HD Master Audio 2.0 Stereo vor (optional mit deutschen und englischen Untertiteln), was der Entstehungszeit entspricht und nicht weiter zu beanstanden ist. Als Extras gibt es den US-Trailer und eine größere animierte Bildergalerie. OT: „The End“ Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
Land: USA
Jahr: 1978
Regie: Burt Reynolds
Drehbuch: Jerry Belson
Musik: Paul Williams
Kamera: Bobby Byrne
Besetzung: Burt Reynolds, Dom DeLuise, Sally Field, Joanne Woodward, Kristy McNichol, Myrna Loy, Robby Benson
(Anzeige)







