
Joe (Seth Rogen) ist einfach nur froh, als er endlich zu Hause ist. Der Tag war anstrengend, jetzt will er sich nur noch ausruhen. Dummerweise hat seine Frau Angela (Olivia Wilde) aber andere Pläne: Sie hat kurzfristig die Nachbarn zum Abendessen eingeladen. Und nicht einfach irgendwelche Nachbarn, ausgerechnet Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) hat sie für den Pärchenabend ausgesucht. Auf die ist Joe gar nicht gut zu sprechen, da sie dazu neigen, ihren nächtlichen Sex sehr ausgiebig und vor allem sehr laut zu zelebrieren. Und mit denen soll er sich so unterhalten, als sei nichts? Schon bevor die beiden anderen da sind, kracht es daher bei Joe und Angela. Wie so oft, nach 15 Jahren ist die Luft bei der Ehe raus. Fürs Absagen ist es jetzt aber zu spät, denn die zwei stehen kurze Zeit später vor der Tür – der Anfang einer Nacht, die ganz anders läuft als gedacht …
Remake einer spanischen Komödie
Was einmal geht, das geht auch mehrfach. Ursprünglich geht die Geschichte um zwei benachbarte Paare, die sich zu einem Abendessen treffen, auf Cesc Gay zurück. Der spanische Regisseur und Autor, der zuletzt in 53 Sonntage von drei streitenden Geschwistern erzählte, hatte den Stoff zunächst 2015 als Theaterstück verwirklicht. 2020 folgte eine Verfilmung unter dem Titel Sentimental, die Gay selbst gedreht hatte. Die Komödie war zwar nicht der ganz große Hit, wurde bei uns nie veröffentlicht, war aber für einige Preise nominiert und erlangte auch im Ausland Aufmerksamkeit. So gab es 2023 mit Die Nachbarn von oben ein erstes Remake aus der Schweiz. 2024 legte Frankreich mit Et plus si affinités eine eigene Version vor. Andere Landesfassungen liegen auch schon vor. Nun kommt mit The Invite die Hollywoodfassung und erzählt die Geschichte mit einer Reihe großer Stars neu.
Wenn ein Stoff derart beliebt ist, weckt das natürlich Erwartungen. Und zumindest teilweise kann die US-amerikanische Komödie diese erfüllen. So braucht Olivia Wilde, die hier nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch nach Booksmart und Don’t Worry Darling das dritte Mal Regie führt, nicht lang, um das Paar in all seiner Erbärmlichkeit zu demontieren. Eigentlich können Joe und Angela nicht mehr miteinander, reden aneinander vorbei, sofern sie überhaupt noch reden. Oder sie streiten sich. Das tun sie sehr oft in The Invite, nur selten werden die beiden in harmonischen Situationen gezeigt. Und das dann auch nur vorübergehend. Das Paar von gegenüber ist da ganz anders. Nicht nur der exzessive und lautstarke Sex sprechen eine eindeutige Sprache. Pina und Hawk sind tatsächlich ein Paar, nicht nur auf dem Trauschein. Und sie sind sehr mit sich im Reinen, was einen starken Kontrast zu den anderen bildet, die so verklemmt und verbissen sind, dass man nicht weiß, warum man mit ihnen befreundet sein sollte.
Unterhaltsam mit Längen
Wer das Original oder eine der anderen Versionen gesehen hat, weiß, dass es in der Geschichte um mehr geht als zwei grundverschiedene Paare. Denn da ist noch ein ganz besonderes Angebot, mit dem die beiden Gäste ankommen und das noch einmal richtig viel durcheinanderwirbelt. Das funktioniert allerdings nur beim ersten Mal. The Invite fehlt ein vergleichbarer Überraschungsfaktor, zumal nicht jede Enthüllung und Wendung tatsächlich interessant ist. Hinzu kommt ein Problem, welches das US-Team übernommen hat: Die Geschichte tritt irgendwann auf der Stelle, im Laufe des dargestellten Abends kommt es zu der einen oder anderen Länge, zumal sich die Entwicklung bei den beiden Hauptfiguren eher in Grenzen hält.
Spaß macht der Film, der 2026 in Sundance Weltpremiere hatte, aber schon. Er ist auch interessanter geworden als die besagte Schweizer Variante. Ein Grund dafür ist, dass an den beiden Gästen mehr dran ist. Sie dürfen tatsächlich eigene Geschichten haben, sind komplexe Figuren, anstatt nur als Katalysator zu fungieren. Und dann wäre da noch die Besetzung. The Invite hat vier spielfreudige Talente versammelt, die sowohl in den grotesk-chaotischen Momenten, aber auch den nachdenklich brillieren. Das ist auch deshalb wichtig, weil in den 107 Minuten nicht so wahnsinnig viel geschieht, die Theaterwurzeln sind auch bei der späten Version noch zu erkennen. Ob die Komödie den großen Hype verdient hat, darüber lässt sich streiten. Doch der Unterhaltungsfaktor stimmt, zu sehen gibt es auch einiges, da die Wohnung und die Ausstattung einiges hermachen.
OT: „The Invite“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Olivia Wilde
Drehbuch: Will McCormack, Rashida Jones
Musik: Devonté Hynes
Kamera: Adam Newport-Berra
Besetzung: Seth Rogen, Olivia Wilde, Penélope Cruz, Edward Norton
Sundance 2026
Filmfest München 2026
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