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Mein Leben, mein Ding

„Mein Leben, mein Ding“ // Deutschland-Start: 18. Juni 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Eigentlich hat Barberie Bichette (Agnès Jaoui) nicht groß zu klagen. Die Mittfünfzigerin ist gesund, verdient gut Geld, hat zwei Kinder großgezogen, hat ein funktionierendes Umfeld. Und doch, irgendwie reicht das alles nicht. Hatte sie sich nicht mehr erhofft? So ganz erklären kann sie das alles aber nicht, weder ihrem Therapeuten, noch Tochter Rose (Angelina Woreth) und Sohn Junior (Édouard Suplice). Während sie Antworten sucht und darüber nachdenken muss, wer sie ist und was sie tun will, begegnet sie einem Mann, der sie wohl von früher kennt. Zumindest behauptet er das. Nur kann sie sich beim besten Willen nicht an ihn erinnern. Und auch sonst klappt in ihrem Kopf nicht alles so, wie es soll …

Nochmal von vorne?

Es hat in den letzten Jahren zahlreiche Filme gegeben, in denen die Hauptfigur in einem fortgeschrittenen Alter ist und sich noch einmal neu versucht oder auch entdeckt. Meistens geht es dabei um Frauen, die durch irgendwelche Faktoren dazu veranlasst werden, alles noch einmal zu überdenken. Bei Bella Roma – Liebe auf Italienisch ist es eine Reise, durch die die Protagonistin mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Bei Britt-Marie war hier und Tanz ins Leben wurden die Frauen von ihren jeweiligen Männern betrogen, was dazu führt, dass sie erst einmal Reißaus nehmen und in einem anderen Umfeld etwas Ungewohntes ausprobiert. Bei Mein Leben, mein Ding gibt es keinen wirklichen Anlass. Es gibt auch keinen großen Grund zum Klagen – nur eine latente Unzufriedenheit, die irgendwie überwunden werden soll.

Ein weiterer Unterschied ist, dass die französische Variante des Themas kein Wohlfühlfilm ist. Normalerweise haben diese Filme etwas sehr Lebensbejahendes und Inspirierendes, wenn die Hauptfigur nach und nach etwas dazulernt, sich beweisen kann und zunehmend unabhängig wird. Bei Barberie hat man eher das Gefühl, dass sie im Laufe des Films weiter abbaut. Je mehr sie sich mit dem Leben beschäftigt, umso stärker bricht dieses auseinander. Umso mehr scheint sie auch selbst auseinanderzufallen. Mein Leben, mein Ding kündigt früh an, dass sie etwas mit sich herumträgt. Dass ihr Kopf vielleicht nicht mehr so richtig will. Und tatsächlich ist da mehr als eine Szene, die Anlass zur Sorge gibt – also das Gegenteil von dem, was man eigentlich mit diesen Filmen in Verbindung bringt.

Sehenswertes Drama

Und doch hat das Drama etwas Befreiendes. Regisseurin und Drehbuchautorin Sophie Fillières, die hiermit auch eigene Erfahrungen verarbeitete und kurz nach Ende der Drehbucharbeiten verstarb, zeigt eine Frau, die vielleicht erst einmal alles auseinandernehmen muss, bevor sie sich wieder etwas aufbauen kann. Das klingt nach einer dieser typischen Absturz-und-Aufbruch-Geschichten. Stimmt aber nicht, zumindest nicht so ganz. Dafür ist Mein Leben, mein Ding letztendlich zu fragmentarisch. Schon am Anfang ist es nicht immer ganz einfach zu folgen, wenn andauernd Kontexte fehlen und das Publikum gezwungen wird, Leerstellen selbst zu füllen. Ähnlich zu der Protagonistin, die selbst nicht ganz weiß, wie ihr geschieht. Zum Ende hin wiederholt sich das.

Zusammengehalten wird das Drama, das 2024 die Quinzaine des cinéastes in Cannes eröffnete, durch Hauptdarstellerin Agnès Jaoui. Die Französin ist überwiegend durch tragikomische Stoffe bekannt, siehe etwa Das Leben meiner Mutter und Die Kunst der Nächstenliebe, wo sie ebenfalls komplexe Figuren verkörperte. Mein Leben, mein Ding ist etwas schwerer angelegt als die übrigen Filme. Dann und wann ist da zwar schon noch etwas Humor drin. Aber dieser ist recht zurückgenommen, Jaoui bekommt nicht die Gelegenheit, ihr komödiantisches Talent auszuspielen. Sehenswert ist das Ergebnis aber auch so. Sofern man sich damit abfinden kann, dass das hier nicht ganz so einfach ist, ist die Geschichte um eine Frau, die weite Wege gehen muss, um wieder zu sich zu finden, lohnt sich ein Blick auf das Werk.

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Trailer

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Mein Leben, mein Ding
fazit
„Mein Leben, mein Ding“ erzählt von einer Frau Mitte 50, die endlich etwas mit ihrem Leben anfangen möchte. Das Ergebnis ist keiner dieser typischen Wohlfühlfilme. Stattdessen zeigt das Drama einen Menschen, der erst auseinanderbrechen muss, um sich wieder zusammensetzen zu können.
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