Dolly
© Dolly in the Woods LLC 2025

Dolly

Dolly
„Dolly“ // Deutschland-Start: 11. Juni 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Chase (Seann William Scott) und Macy (Fabienne Therese) unternehmen einen Ausflug in eine abgelegene Waldregion. Während Chase plant, seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen, stoßen die beiden auf zahlreiche unheimliche Puppen, die zwischen den Bäumen hängen. Als ein seltsames Geräusch ihre Aufmerksamkeit erregt, geht Chase der Sache nach und macht eine grausige Entdeckung: Eine maskierte Frau (Max the Impaler) entsorgt gerade die Leiche einer jungen Frau. Die Begegnung endet für ihn verheerend. Macy macht sich daraufhin auf die Suche nach ihrem verschwundenen Freund und gerät schließlich selbst in die Gewalt der mysteriösen Frau namens Dolly. 

Gefangen in einem abgelegenen Haus wird Macy von ihrer Entführerin wie eine lebende Babypuppe behandelt. Während sie verzweifelt nach einem Ausweg sucht, erhält sie Hilfe von einem weiteren Gefangenen, der ihr Hinweise zur Flucht gibt. Doch Dolly kontrolliert ihr Reich mit brutaler Konsequenz. Gleichzeitig ist auch Chase noch nicht endgültig ausgeschaltet und kämpft auf seine Weise ums Überleben. Für Macy beginnt ein verzweifelter Überlebenskampf gegen eine Gegnerin, die körperlich überlegen und offenbar zu allem bereit ist. 

Backwood-Horor mit Puppen

Mit Dolly legt Regisseur Rod Blackhurst (The Outbreak, Blood for Dust) einen kompromisslosen Indie-Slasher vor, der seine Inspirationen nicht versteckt. Bereits die Wegweiser zu Beginn, die in Richtung „Hooper Mine“ und „Scenic Overlook“ weisen, machen deutlich, woher der Wind weht. Der auf 16-mm-Film gedrehte Horrorstreifen versteht sich als Liebeserklärung an die Backwood-Horrorfilme der 1970er Jahre, allen voran Tobe Hoopers The Texas Chain Saw Massacre (1974). Die grobkörnige Optik von Kameramann Justin Derry verstärkt diesen Eindruck zusätzlich und verleiht dem Film einen angenehm schmutzigen, authentischen Look. 

Auch erzählerisch bewegt sich Dolly auf vertrautem Terrain. Das abgelegene Haus, die groteske Ersatzfamilie der Täterin und die Entwicklung einer jungen Frau zum klassischen Final Girl erinnern deutlich an die Genreklassiker vergangener Jahrzehnte. Gleichzeitig integriert Blackhurst Einflüsse modernerer Horrorschulen. Die teilweise sehr expliziten Gewaltdarstellungen wecken Erinnerungen an Vertreter der New French Extremity wie High Tension und machen schnell deutlich, dass sich der Film eher an hartgesottene Horrorfans richtet.

Unterhaltsames Gesamtpaket

Neue Impulse für das Genre liefert Dolly dabei allerdings kaum. Viele Motive und Handlungselemente wirken bekannt, manche Wendungen sind früh vorhersehbar. Dennoch gelingt es Blackhurst, die vertrauten Versatzstücke zu einem durchweg unterhaltsamen Gesamtpaket zusammenzufügen. Das Tempo bleibt hoch, die knapp 83 Minuten Laufzeit vergehen ohne größere Längen, und die handgemachten Effekte überzeugen durch ihre Konsequenz und ihre solide Umsetzung. 

Auch das Ensemble trägt seinen Teil dazu bei, dass der Film funktioniert. Fabienne Therese verleiht Macy eine glaubwürdige Entwicklung von der verunsicherten jungen Frau zur traumatisierten Überlebenskämpferin und überzeugt vor allem durch ihre physische Präsenz. Seann William Scott zeigt sich ungewohnt ernst und entfernt sich erfreulich weit von seinem bekannten American Pie-Comedy-Image. Die größte Aufmerksamkeit dürfte jedoch Film-Debütant Max the Impaler auf sich ziehen. Der transmaskuline Wrestler verkörpert Dolly nahezu wortlos und erschafft allein durch Körpersprache und Präsenz eine Figur, die durchaus das Potenzial besitzt, sich bei Genrefans einzuprägen. 

So bleibt am Ende ein Slasher, der das Rad nicht neu erfindet, aber genau weiß, welche Erwartungen sein Publikum hat. Die üblichen Logiklöcher des Genres gehören ebenso dazu wie zahlreiche Anspielungen auf Horror-Klassiker. Wer innovative Ideen oder tiefgründige Figurenstudien erwartet, wird hier kaum fündig. Fans von kompromisslosem Backwood-Horror bekommen dagegen einen routiniert inszenierten, atmosphärisch dichten und erfreulich kurzweiligen Genrebeitrag geboten, der sich problemlos in die Reihe der besseren Slasher der letzten Jahre einordnen lässt. 

Credits

OT: „Dolly“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Rod Blackhurst
Buch: Rod Blackhurst, Brandon Weavil
Musik: Nick Bohun
Kamera: Justin Derry
Besetzung: Fabienne Therese, Max the Impaler, Seann William Scott, Ethan Suplee, Russ Tiller, Eve Blackhurst, Michaline Scorzelli, Kate Cobb,

Bilder

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Dolly
fazit
"Dolly” ist eine blutige Hommage an die großen Backwood-Slasher der 1970er Jahre. Zwar bietet der Film kaum neue Ideen und verlässt sich stark auf bekannte Genre-Muster, überzeugt aber durch seine raue Atmosphäre, effektive Gewaltszenen und ein engagiertes Ensemble. Für Horrorfans ein durchaus lohnender Ausflug in den Wald – für alle anderen eher Durchschnittskost.
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