(„Here Alone“ directed by Rod Blackhurst, 2016)

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„Here Alone“ läuft im Rahmen des 30. Fantasy Filmfests vom 17. August bis 18. September 2016

Viel ist von der Menschheit ja nicht übrig geblieben: Wer nicht gleich von einem Virus dahingerafft wurde, der hat sich in einen Zombie verwandelt und ist nun dazu verdammt, nach menschlichen Opfern zu suchen. Ann (Lucy Walters) ist eine der wenigen, die diesem schrecklichen Schicksal entkommen konnte und nun allein in den Wäldern lebt. Zumindest dachte sie, dass sie allein wäre. Bis eines Tages Olivia (Gina Piersanti) und deren Stiefvater Chris (Adam David Thompson) auftauchen. Ann bringt es nicht fertig, die beiden ziellos umherirrenden abzuweisen, stattdessen beschließen die drei, erst einmal gemeinsam ums Überleben zu kämpfen. Einfach ist das jedoch nicht, denn das Essen war vorher schon knapp geworden, bei drei Leuten wird die Suche danach noch einmal deutlich aufwändiger. Und gefährlicher.

Manche Dinge kommen in Filmen doch nie aus der Mode. Das Ende der Welt zum Beispiel. Nicht nur, dass das Publikum offensichtlich nach düsteren Szenarien dürstet, diese sind auch genretechnisch sehr flexibel einsetzbar, von Horror über Science Fiction und Thriller bis zu Drama und selbst Komödien, möglich ist alles. Regisseur Rod Blackhurst und Drehbuchautor David Ebeltoft interessieren sich bei ihrem Spielfilmdebüt vor allem für die (zwischen-)menschliche Komponente, dafür wie Menschen in Ausnahmesituationen miteinander umgehen. Wer angesichts der Zombiethematik auf Gemetzel und Verfolgungsjagden hofft, der ist hier an der falschen Adresse. Nur selten ist die große Bedrohung wirklich zu sehen. Das actionreiche Finale hatte ein bisschen was zu bieten. Ansonsten waren blutdürstige Besucher des Fantasy Filmfests 2016 in der Hinsicht beim Abschlussfilm Train to Busan dann doch deutlich besser aufgehoben, das trotz diverser cleverer Ideen einem klassischen Zombiefilm sehr viel näher kam.

Tatsächlich hätte man die Zombies auch fast ganz weglassen können, ohne dass es auf die Handlung einen nennenswerten Einfluss gehabt hätte. Ein einzelner Überlebender einer globalen Katastrophe trifft auf zwei weitere Leidgenossen und muss sich nun mit diesen arrangieren – das hatten wir dieses Jahr schon in The Survivalist und Z for Zachariah gesehen. Ähnlich wie dort ist die Einführung auch recht knapp gehalten, bevor es gleich zur Sache geht, der Untergang der Menschheit nicht mehr als ein kaum erklärtes Mittel zum Zweck. Und wenn doch einmal der Blick zurück in die Vergangenheit gerichtet wird, dann nur um die Figuren noch etwas auszubauen und die – wie sollte es anders sein? – tragischen Vorgeschichten zu erzählen. Neu ist das Szenario von Here Alone also nicht, und insgesamt wohl auch etwas zu ruhig für das Gros der FFF-Besucher; dass das Zombie-Drama beim Wettstreit um den Fresh Blood Award chancenlos war, das kommt nicht von ungefähr.

Nicht, dass diese Endzeitvariante ohne ihre Qualitäten wäre. Die Atmosphäre des Verlorenseins ist gelungen, es gibt schöne Naturaufnahmen, dazu einige moralisch quälende Momente. Auch Anns langsam antrainierte Fähigkeiten, in einem von Zombies überlaufenen Gebiet zu überleben, hat man so nicht nicht wirklich oft gesehen. Gerade der Vergleich zu den Filmen oben zeigt aber auch, wo es hapert: der Intensität. Die recht bald entstehenden Konflikte zwischen den Figuren der Konkurrenz finden sich auch hier, lassen sich aber deutlich mehr Zeit, nur um zum Ende hin plötzlich übertrieben stark auszuschlagen. Da wäre eine kontinuierliche Steigerung deutlich sinnvoller gewesen, um zum einen die heftige Stimmungsschwankung zu vermeiden, zum anderen um die diversen Längen zuvor zu verhindern. Denn so gut Lucy Walters die Survivalfrau auch spielt, sie bekommt nicht wirklich genug zu tun. Wer dem Szenario viel abgewinnen kann, kann sich den Streifen auf dem Filmfest durchaus anschauen, zumal eine reguläre Deutschlandveröffentlichung derzeit nicht angekündigt ist. Das thematisch ähnliche Ben & Mickey Vs. The Dead hatte vor einigen Jahren aber die deutlich spannenderen Figuren zu bieten.



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Here Alone
4.09 (81.74%) 23 Artikel bewerten

Here Alone
„Here Alone“ nimmt ein bekanntes Zombie-Endzeitszenario, interessiert sich jedoch weniger für die Katastrophe an sich, sondern die Menschen, die darin leben. Das geht mit schönen Aufnahmen und einer guten Hauptdarstellerin einher, hat letztendlich aber relativ wenig zu erzählen, die Figuren und ihre Konflikte bleiben ohne echte Spannung.
6von 10

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