
Die Autorin Lea (Pilar Fogliati) und der Seismologe Rocco (Adriano Giannini) beginnen eine Affäre. Beide sind eigentlich glücklich verheiratet oder leben in einer erfüllenden Beziehung, jedoch können sie sich der gegenseitigen Anziehung nicht entziehen. Wie seine Frau, die Psychologin Cecilia (Valeria Golino), sieht Rocco die Affäre jedoch als das, was sie ist – ein kurzes Vergnügen, das wahrscheinlich schon bald zu Ende geht. Für Lea jedoch gewinnen die heimlichen Treffen mehr und mehr an Bedeutung, zum einen, weil sie ihren Freund Andrea (Andrea Capenzano) verdächtigt, ebenfalls eine Affäre zu haben, und zum anderen, weil sie sich schon lange wie eine Zuschauerin in ihrem eigenen Leben vorkommt. Immer mehr drängt sie daher in Roccos Leben vor, was diesem nach einiger Zeit gar nicht mehr recht ist. Rocco versucht seinerseits, Lea auf Distanz zu halten und sich nicht zu sehr auf eine Beziehung mit ihr einzulassen. Nach einem Vorfall in seinem Privatleben plagen ihn jedoch Zweifel, ob er vielleicht doch mehr für Lea empfindet. Währenddessen sind ihr die Treffen nicht mehr genug, und sie überschreitet eine Grenze, die nicht nur droht, ihr Geheimnis aufzudecken, sondern auch ihre Beziehung zerstören könnte. Ironie, Drama und etwas romantische Komödie Eine stürmische Affäre ist die erste Regiearbeit Ludovica Rampoldis, die unter anderem als Autorin für Gomorrha – Die Serie tätig war. In Interviews zu ihrem Spielfilmdebüt beschreibt sie die Geschichte als eine Mischung verschiedener Genres und Tonarten, die von Ironie über Drama und Thriller bis hin zur romantischen Komödie reichen. Dabei ist Eine stürmische Affäre in erster Linie ein Beziehungsdrama, dessen Spannung sich vor allem durch die verschiedenen Erwartungshaltungen und Beziehungskonstrukte der beiden Hauptfiguren definiert. Wie in thematisch ähnlich angelegten Geschichten wird Liebe dabei schnell zu einer Sucht und zu einem Spiel mit dem Feuer, bei dem man Gefahr läuft, alles aufs Spiel zu setzen, was die eigene Welt ausmacht. Vor allem dank seines Ensembles ist Rampoldis Film einen Blick wert. Bei ihrem dritten Schäferstündchen erzählt Rocco Lea von der sogenannten Dreier-Regel. Auf ihre Frage, was diese genau besagt, meint er, dass sich nach einem dritten Treffen entscheide, ob aus einer Affäre etwas mehr werden könne. Beide tun diese Erklärung mit einem Lächeln ab, das Überlegenheit zeigen soll, aber mehr als deutlich betont, dass diese zwei Figuren nicht voneinander lassen können und mindestens eine von ihnen sich bereits verliebt hat. Eine stürmische Affäre verfolgt durchaus nachvollziehbare Ansätze, doch Dialoge wie der gerade beschriebene zeigen, dass es an der Umsetzung hapert. Die Schauspieler versuchen oftmals, gegen die inhaltlich problematischen Sätze, die ihnen in den Mund gelegt worden sind, anzukommen, doch gegen die verschiedenen Varianten plakativer Lebensweisheiten kommen sie nicht immer an. Da hilft es auch nicht, dass sich die Handlung immer mehr in eine Richtung entwickelt, die hier zwar nicht gespoilert werden soll, bei vielen Zuschauern aber Verwirrung und Frustration auslösen wird. Die Ironie, von der Rampoldi in Interviews zu ihrem Film spricht, scheint mit solchen Momenten zu tun zu haben. Lea, deren erster Roman von der Kritik als einer von vielen unnötigen „Liebesschinken“ zerrissen wurde, ist eine von vier Figuren, die sich in eben einem solchen „Schinken“ wiederfinden. Teils scheinen sie gefangen in Klischees und Stereotypen, von denen sie sich befreien wollen, nur um im nächsten Moment wieder eines von beiden zu bedienen. Rampoldis Film zeigt beispielsweise stereotype männliche wie auch weibliche Reaktionen auf Krisen, Einsamkeit oder die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit, jedoch gibt es keine Ebene darunter, weshalb der Moment an sich an der Oberfläche bleibt und damit lediglich ein Klischee ist. Auf Kollisionskurs Ein Lichtblick hingegen sind – wie bereits erwähnt – die Darsteller. Insbesondere Pilar Fogliati und Adriano Giannini überzeugen als zwei Charaktere, die aus sehr unterschiedlichen Gründen eine Affäre miteinander beginnen und somit ihre jeweiligen Partner betrügen. Fogliati betont stets die Zerrissenheit ihrer Figur, die zwischen der Treue zu ihrem Freund und dem Versprechen auf die nächste Stufe ihrer Beziehung auf der einen Seite und der anderen Verbindung changiert, die noch undefiniert, fremd und vielleicht gerade deshalb so willkommen ist. Rocco hingegen lebt in einer Beziehung, die von großer Freiheit und Unabhängigkeit geprägt ist, wobei gerade diese Grenzenlosigkeit ihn zunehmend zu stören scheint. Durch Gestik und Mimik geben die Darsteller ihren Figuren mehr Format, als es teilweise die Dialoge tun – ebenso wie einige irritierende Wendungen oder Bilder, die konträr zur Dimension des Schauspiels verlaufen. Den Kollisionskurs, den die Affäre ausgelöst hat, sieht man schon recht früh kommen. Rampoldis Film winkt dabei mehr als einmal sehr deutlich mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl, wenn Sprüche wie „All palaces are temporary“ oder das wiederkehrende Motiv der Ameisen vieles berechenbar machen. Es ist nicht so, dass die Idee dahinter nicht funktionieren würde, aber die Durchführung in der Inszenierung würde von mehr Subtilität sehr profitieren. OT: „Breve storia d’amore“ Roma Film Festival 2025 Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. 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Land: Italien
Jahr: 2025
Regie: Ludovica Rampoldi
Drehbuch: Ludovica Rampoldi
Kamera: Gian Enrico Bianchi
Musik: Fabio Massimo Capogrosso
Besetzung: Pilar Fogliati, Adriano Giannini, Andrea Capenzano, Valeria Golino
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