Noch war es Nach Una Storia nera
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Noch war es Nacht

„Noch war es Nacht“ // Deutschland-Start: 16. April 2026 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Eigentlich dachte Carla (Laetitia Casta), dass sie Vito (Giordano De Plano) nach der hässlichen Scheidung endlich los ist. Seither lebte sie allein mit den Kindern Nicola (Andrea Carpenzano), Rosa (Lea Gavino) und Mara (Carola Orlandani). Doch dann steht der Mann, der sie jahrelang misshandelt und verprügelt hat, plötzlich wieder vor ihr, nachdem er sich selbst beim Geburtstag von Mara eingeladen hat. Dieses Wiedersehen wird dabei nur von kurzer Dauer sein, noch am selben Abend verschwindet Vito spurlos und wird tot am Fluss gefunden. Jemand hat ihn erstochen. Es dauert nicht lang, bis Carla zugibt, dass sie es war, die ihm die beiden tödlichen Stichwunden zugefügt hat. Notwehr sei es gewesen, als er mal wieder gewalttätig geworden ist. Die Staatsanwältin glaubt dies jedoch nicht, sieht in der Frau eine eiskalte Mörderin …

Spannung vor Gericht

Früher einmal waren sie weit verbreitet: Filme, die vor Gericht spielen und bei denen Taten rekonstruiert werden sollen. Titel wie Zeugin der Anklage oder Eine Frage der Ehre wurden damit zu Klassikern, die im Fernsehen auch Jahrzehnte später noch regelmäßig ausgestrahlt werden. Inzwischen sind solche Beiträge jedoch etwas selten geworden, zumindest, was große Kinoproduktionen angeht. Werke wie das für fünf Oscars nominierte Anatomie eines Falls sind eher die Ausnahme denn die Regel. Insofern ist es eigentlich eine gute Nachricht, dass mit Noch war es Nacht jetzt mal wieder ein solcher Gerichtsfilm bei uns erscheint, auch wenn dieser nicht viel Aufmerksamkeit erhalten dürfte wie die obigen Titel. Qualitativ ist da zudem noch ein Unterschied.

Dabei hat die Adaption des gleichnamigen Romans von Antonella Lattanzi, der 2017 erschienen ist, durchaus ein relevantes Thema. Dass häusliche Gewalt etwas ist, das noch immer ein gesellschaftliches Problem ist, ist kein Geheimnis. Hin und wieder werden solche Fälle in den Medien größer gebracht. Die meisten finden aber im Verborgenen statt. Noch war es Nacht ist dann auch kein Film, bei dem viel gerätselt wird. Wo bei vielen dieser Gerichtsfilme das klassische Whodunit-Prinzip aufgegriffen wird, also herausgefunden werden muss, wer ein Verbrechen begangen hat, da ist das hier früh geklärt. Die Ex-Frau war es. Die eigentliche Frage ist, ob es überhaupt ein Verbrechen ist oder ob die Angeklagte in Notwehr gehandelt hat.

Solider Genremix

Zu diesem Zweck wird ebenfalls die Vergangenheit rekonstruiert. Das führt dazu, dass Noch war es Nacht eine Mischung aus Gerichtsthriller und Familiendrama ist. Ein großer Fokus liegt auf den Beziehungen zwischen den Figuren. Das betrifft nicht nur das Ex-Paar, sondern auch die Kinder. Wie sind sie aufgewachsen? Was haben sie von der Gewalt des Vates mitbekommen? Interessant ist dabei, wie unterschiedlich die drei Geschwister das alles verinnerlicht haben. Während der Älteste bedingungslos zu seiner Mutter hält, da sind seine beiden jüngeren Schwestern dem Vater gegenüber offener. Das zeigt sich gerade auch an der Figur von Mimma Semeraro (Licia Maglietta), der Schwester des Toten, die alles dafür tut, um ihre Ex-Schwägerin zu diskreditieren.

Leider schwächelt der Film dennoch gerade bei den Figuren. Auch wenn da schon Ambivalenz ist in den Beziehungen, für sich genommen sind die Charaktere wenig interessant. Vito ist nicht mehr als ein Stereotyp, die Schwester ebenfalls. Bei den anderen weiß man erst gar nicht, wer sie als Mensch sein sollen. Das ist schon ein wenig schade für einen Film, der doch gerade nahe bei den Figuren sein will. Die Geschichte selbst hält zudem keine großen Überraschungen bereit, die Auflösung kann man sich schon irgendwie denken. Dennoch, Noch war es Nacht ist ganz solide geworden, auch weil das Ensemble überzeugt. Eine Renaissance der Gerichtsthriller wird das hier kaum einläuten. Fans solcher Geschichten können aber einen Blick riskieren.

Credits

OT: „Una Storia nera“
Land: Italien
Jahr: 2024
Regie: Leonardo D’Agostini
Drehbuch: Leonardo D’Agostini, Ludovica Rampoldi, Antonella Lattanzi
Vorlage: Antonella Lattanzi
Musik: Ratchev & Carratello
Kamera: Sonia Peng
Besetzung: Laetitia Casta, Giordano De Plano, Lea Gavino, Andrea Carpenzano, Licia Maglietta, Carola Orlandani

Bilder

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Noch war es Nacht
fazit
In „Noch war es Nacht“ wird einer Frau vorgeworfen, ihren gewalttätigen Ex-Mann gezielt ermordet zu haben. Die solide Romanadaption kombiniert Gerichtsthriller und Familiendrama, wenn es gerade auch um die Beziehungen zwischen den Figuren geht. Leider wird das nicht sonderlich vertieft, große Überraschungen gibt es auch nicht.
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