
Am helllichten Tag verschwindet die kleine Katie (Natalie Grace), Tochter des Journalisten Charlie Cannon (Jack Reynor) und seiner Frau Larissa (Laia Costa), aus ihrem Garten in Kairo. Trotz Vermisstenmeldung und polizeilicher Ermittlungen bleibt sie unauffindbar. Als das Ehepaar acht Jahre später die Hoffnung bereits aufgegeben hat und zurück in die Staaten gezogen ist, erreicht sie unverhofft ein Anruf der ägyptischen Botschaft. Ihre Tochter sei gefunden worden und am Leben, ihr Zustand allerdings besorgniserregend. Nach ihrer Heimkehr verläuft ihre Genesung schleppend und von Katies früherem Wesen scheint nichts mehr übrig.
Mythos oder Muster?
In Zusammenarbeit mit Warner Bros. und Blumhouse Productions greift Lee Cronin den Mumienmythos auf und versucht sich an einer Modernisierung. Der Evil Dead Rise-Regisseur folgt dabei seiner gewohnten Handschrift, besonders den Tropen Kinder und Mutterschaft, Bodyhorror und viel Blut. Trotz ägyptischer Grundlage bleibt er sich abseits des Settings seinen Manierismen treu, wodurch der Film zwar klar als Cronin-Arbeit erkennbar ist, dabei aber kaum neue Akzente setzt.
Mumifiziert statt modernisiert
Lee Cronin’s The Mummy startet mit dem Tod eines Kanarienvogels auf einer Plantage mitten in der Wüste. Ein einsames Beispiel clever platzierten Symbolismus. Wie bereits als Warnsignal in Bergwerken prophezeit sein Tod kommendes Desaster. Begleitet von Dürre und einem Sandsturm wird ein Sarkophag enthüllt, der die namensgebende Mumie beherbergt, ihre Herkunft ebenso mysteriös wie der Zusammenhang mit den Protagonisten, die erst danach eingeführt werden. Ein angedeutetes Mysterium, das es über die folgenden zwei Stunden zu lösen gilt. Cronin erzählt weitgehend linear, kürzt aber immer wieder durch abrupte Zeitsprünge und elliptisch geschnittene Ortswechsel ab. Trotz ägyptischen Ursprungs findet die Handlung vorwiegend in den USA, im Haus der Familie Cannon statt. In den eigenen vier Wänden des abgelegenen Heims entfaltet sich mit der Rückkehr Katies Cronins Genre-Konglomerat aus Kinder- und Bodyhorror, Exorzismus und Familie.
Am effektivsten sind dabei die visuellen Schockmomente. Verletzungen, abgezogene Haut und Extremgestaltung bei Extremitäten rechtfertigen die FSK-18-Wertung und transportieren den gewollten Ekelfaktor. Ansonsten unterscheidet sich die ägyptische Präsenz kaum von der des europäischen Wald-und-Wiesen-Dämons. Levitation, Telekinese, eine Aversion gegen christliche Gebete und Symbolik. Hinzu kommen kollektive Selbstverletzung, Verlust von Körperflüssigkeiten, Beeinflussung von Wahrnehmung und Umwelt. Trotz des Aufhängers einer ägyptischen Omnipräsenz ist Cronins unnatürlicher Gast ohne Weiteres austauschbar mit den Entitäten beliebiger Exorzismusfilme. In der Symbolik bedient man sich erneut biblischer Theatralik. Lose Referenzen an die Zehn Plagen schlagen wieder eine Brücke zu Ägypten, wirken jedoch prätentiös und dienen lediglich als Effekthascherei.
Das Setting in Kairo vermag es nicht, von der kreativen Bankrotterklärung des Drehbuchs abzulenken. Lee Cronin lässt sich bei der Handlung nicht nur stark von Genre-Klassikern inspirieren, sondern kopiert auch bei der Inszenierung des Horrors pausenlos, sogar sich selbst. Denn obwohl die Schockmomente vor allem in Bezug auf die kindliche Unschuld wirkungsvoll bleiben, fallen sie im direkten Vergleich zu Filmen der jüngsten Zeit durch. Bring Her Back inszenierte Kinder- und Bodyhorror gleichermaßen konsequent und dabei noch effektiver. Strapazierung und Zerstörung familiärer Bande hat Cronin selbst bereits in Evil Dead Rise effektiver umgesetzt. Fans dieser Filme kommen stilistisch erneut auf ihre Kosten, Lee Cronin’s The Mummy fehlt es aber durchgängig an Qualität und Innovation gegenüber der Kopnkurrenz.
Inszenatorisch inkonsistent
Diese Mängel ziehen sich auch durch die Cinematografie. Pathetische Bilder, unterbrochen durch offensichtliche Studioaufnahmen. Soundarbeit, die zum Erschrecken einlädt, deren einziges Stilmittel jedoch akustische Überzeichnung und Disruption ist. Ähnlich verhält es sich mit der Filmmusik, die zwischen unplatzierter Dominanz und Plakativität variiert. Laia Costa als Mutter spielt durchgehend solide, während ihr On-Screen-Ehemann Jack Reynor leichenblass bleibt. Lobend zu erwähnen sind aber die Kinderschauspieler, speziell Natalie Grace und Billie Roy, die ihren „Eltern“ nicht nur die Show stehlen, sondern den Film so weit wie möglich allein tragen.
OT: „Lee Cronin’s The Mummy“
Land: USA
Jahr: 2026
Regisseur: Lee Cronin
Drehbuch: Lee Cronin
Musik: Stephen McKeon
Kamera: Dave Garbett
Besetzung: Jack Reynor, Laia Costa, May Calamawy, Natalie Grace, Verónica Falcón, May Elghety, Shylo Molina, Billie Roy, Hayat Kamille
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)











