
Der 19-jährige Tommy (Anson Boon) hält nicht viel von respektvollem Umgang, auch Gesetze sind ihm egal. Er prahlt sogar mit seinen gewaltsamen Aktionen, lädt sie hoch und teilt sie mit der Welt. Als er mal wieder sturzbetrunken durch die Gegend poltert, nimmt dies jedoch ein abruptes Ende: Er wird auf offener Straße entführt. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich im Keller von Chris (Stephen Graham). Dieser führt nach außen hin ein ganz normales Leben mit seiner Frau Kathryn (Andrea Riseborough) und dem 10-jährigen Sohn Jonathan (Kit Rakusen). Wäre da nur nicht seine Mission, aus Tommy einen besseren Menschen zu machen. Denn dafür schreckt Chris vor nichts zurück, setzt auf eine Mischung aus Freundlichkeit, Lehrvideos und Gewalt …
Mit Gewalt zu einem besseren Menschen
Es ist immer ein wenig verwirrend, wenn innerhalb kurzer Zeit mehrere Filme erscheinen, die denselben Titel tragen. Umso mehr, wenn sie sich im Hinblick auf das Genre ähneln. So auch hier. Erst war da der Horrorthriller Good Boy über einen Mann, der einen anderen Mann als Hund hält, so richtig mit Hundekostüm. Danach folgte der Horrorfilm Good Boy – Trust His Instincts, der von schrecklichen Erfahrungen in einem Haus erzählt, aus der Perspektive eines Hundes. Nun kommt mit dem Thriller Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes ein drittes Werk heraus, das einen solchen Titel trägt. Einen Hund gibt es hier nicht, weder einen tatsächlichen noch einen vorgetäuschten. Wenn wir aber nach wenigen Minuten sehen, wie der Jugendliche in einem Keller angekettet wird, dann wirkt das durchaus so, als würde man in ihm ein Tier sehen.
Das klingt eventuell nach einem dieser Folterfilme, wo es darum geht, den eigenen Sadismus auszuleben. Tatsächlich stellt sich aber heraus, dass der Familienvater gute Absichten hat, wenn er dem brutalen, umherirrenden Jugendlichen den Weg in ein besseres Leben ebnen möchte. Auch das findet man immer mal wieder in Filmen. Ein aktuelleres Beispiel hierfür ist Sweetness, wo eine Jugendliche einen von ihr angehimmelten Sänger im Keller gefangen hält, um ihn zu einem Drogenentzug zu zwingen. Während das dort aber eindeutig als Komödie angelegt ist, bleibt Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes ernst. Natürlich ist die Situation grotesk. Dann und wann ist es auch ein irgendwie lustiger Anblick, wenn versucht wird, ein Heile-Welt-Familienleben vorzuspielen, während einer von ihnen durch eine Kette am Hals dabeisitzt. Aber die Komik wird nicht so wirklich verfolgt.
Ambivalentes Vergnügen
Vielmehr ist es sogar eine richtig traurige Geschichte, die hier erzählt wird. Wobei Regisseur Jan Komasa (Corpus Christi, The Change) vieles nicht ganz auserzählt. Beispielsweise verrät der Film nie, was genau bei dieser Familie vorher vorgefallen ist und wie es zu dieser Entführung kam. Die Auswirkungen einer Tragödie sind zu spüren, diese wird aber nie ausdrücklich erklärt. Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes verzichtet außerdem darauf, Tommys Situation genauer zu erklären. So sehen wir ihn zwar zu Beginn im Einsatz, sehen seine Gewaltexzesse, sehen seinen Umgang mit Frauen. Es wird aber nicht versucht, ihn völlig auszuleuchten und psychologisch begreifbar zu machen. Wie er so werden konnte, wie er ist, das bleibt ein Geheimnis.
Das muss einen nicht unbedingt stören. Eindruck hinterlässt das Thrillerdrama, das auf dem Toronto International Film Festival 2025 Weltpremiere hatte, auch so. Mit der Spannung ist das zwar so eine Sache, da das meiste doch in gewohnten Bahnen stattfindet und die ganz großen Überraschungen ausbleiben. Dafür ist Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes ein Film, der dazu einlädt, kräftig zu diskutieren. Denn so brutal und übergriffig das Verhalten von Chris ist, zeigt es doch ein Stück weit Wirkung. So viel, dass man viel über Rehabilitation und geeignete Maßnahmen sprechen kann, über die Natur des Menschen und Erziehung. Doch der Film bleibt dabei so ambivalent, dass man am Ende gar nicht so genau sagen kann, ob das jetzt gut oder schlecht war.
OT: „Good Boy“
AT: „Heel“
Land: Polen, UK
Jahr: 2025
Regie: Jan Komasa
Drehbuch: Bartek Bartosik, Naqqash Khalid
Musik: Abel Korzeniowski
Kamera: Michał Dymek
Besetzung: Stephen Graham, Andrea Riseborough, Anson Boon, Kit Rakusen, Monika Frajczyk
Toronto International Film Festival 2025
BFI London Film Festival 2025
Fantasy Filmfest Nights 2026
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