Stop Making Sense
© by Jordan Cronenweth. Courtesy of A24 / Courtesy of Sire + Warner Music Group

Stop Making Sense

Stop Making Sense
„Stop Making Sense“ // Deutschland-Start: 28. März 2024 (Kino)

Inhalt / Kritik

Eine Band oder einen Musiker einmal live zu sehen, gehört zu den intensivsten Erlebnissen im Leben eines jeden Fans. Es ist daher schwierig, die Energie und das besondere Charisma einer Musikgruppe mittels eines Konzertmitschnitts einzufangen, sodass es leider nur sehr wenige gute Konzertfilme gibt. Die Ausnahmen hingegen, die meist in direkter Kollaboration mit den Künstlern entstanden sind, nehmen eine ganz besondere Stellung innerhalb der Karriere der Musiker sowie der Filmemacher ein. Man nehme nur einmal einen Film wie The Last Waltz von Martin Scorsese über den letzten Live-Auftritt der legendären kanadischen Rockband The Band. Ein Beispiel aktueller Datums wäre Shut Up and Play the Hits über eines der letzten Konzerte der Band LCD Soundsystem.

Die Inszenierung, die Zusammenstellung durch den Schnitt und die verschiedenen Perspektiven, beispielsweise die der Fans, ermöglichen einen Eindruck davon zu erhalten, was die Musik ausmacht, nämlich ihre Wirkung. Eine ähnliche Vision hatten auch Regisseur Jonathan Demme und David Byrne, Frontmann der Band Talking Heads, die sich nach der Veröffentlichung ihrer Alben Speaking in Tongues und Remain in Light auf einem kommerziellen wie auch künstlerischen Höhepunkt befanden. In Stop Making Sense sollte sich diese Vision widerspiegeln.

Auch wenn es beim Anschauen wie ein einziger Auftritt wirkt, ist Stop Making Sense ein Mitschnitt aus insgesamt vier Live-Auftritten im Pantage’s Theatre in Los Angeles. Neben Songs der Talking Heads sind in der Tracklist auch Werke von Byrnes Solo-Karriere sowie Tom Tom Club, einem Nebenprojekt von Drummer Chris Frantz und Bassistin Tina Weymouth, enthalten. Das Budget des Films wurde von der Band selbst gestemmt, sodass Stop Making Sense ohne jegliche Intervention eines Studios aufgenommen wurde.

Dieser Hintergrund ist wichtig, um zu verstehen, womit man es als Zuschauer zu tun hat, denn Stop Making Sense ist anders als bekannte Konzertfilme. Das Werk, das mittlerweile als Kultfilm gilt, ist eine Widerspiegelung von allem, für das die Band steht, von den Themen ihrer Songs bis hin zu den Einflüssen diverser Musikstile, was sich unter anderem an dem Arsenal der Instrumente sowie diverser anderer Musiker und Sänger während des Konzerts zeigt. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums von Stop Making Sense kommt der Film wieder in die Kinos, in einer neuen 4K-Abtastung, die diesen audiovisuell aufwertet.

„Ich möchte euch ein Tape vorspielen.“

Die ersten Minuten von Stop Making Sense sind eine Falle. Der Zuschauer meint, man wäre auf einer Probebühne, denn man sieht ein paar Streifen farbigen Tapes auf der Bühne und im Hintergrund nur eine karge Wand. Als David Byrne auf die Bühne kommt, verkündet er, er werde jetzt ein Tape abspielen, womit er einen Kassettenrekorder auf den Boden stellt und auf die Play-Taste drückt. Erst als der Beginn von Psycho Killer ertönt, bemerkt man die Falle, in die man getappt ist. Man hört kein Tape, sondern eine Drum Machine, und es ist tatsächlich das echte Konzert, bei dem der Frontmann zunächst alleine auf der Bühne steht.

Erst nach und nach kommen die anderen Musiker und Instrumente auf die Bühne, bis sie dann bei Burning Down the House, einem der größten Hits der Band, vollkommen sind. Die Dramaturgie dieser ersten sechs Songs arbeitet auf die Wall of Sound hin, die ab Burning Down the House vollständig ist und ab Making Flippy Floppy durch diverse audiovisuelle Komponenten variiert wird. So wirken die Bildinstallationen im Hintergrund bei Making Flippy Floppy oder This Must be the Place wie eine eigenständige Installation zu diversen Schlagbegriffen der 1980er Jahre und der damit verbundenen Sinnsuche, einem der zentralen Themen der Texte.

Darüber hinaus ist es die Konzentration auf die Band, vor allem auf Byrne, der ins Auge fällt. Abgesehen vom letzten Song Crosseyed and Painless sieht man kaum Aufnahmen des Publikums, was den eingangs erwähnten Eindruck, man sehe Auszüge eines einzigen Auftritts, noch verstärkt. Dadurch liegt der Fokus vor allem auf der Inszenierung, die der Band an sich und der des Regisseurs, wobei in erster Linie die Darstellung Byrnes eine wichtige Rolle spielt. Der Musiker, den viele gleichsetzen wollen mit den Protagonisten in den Songtexten, ist Teil dieser Inszenierung.

In This Must be the Place tanzt er mit einer Stehlampe, was man als ironischen Verweis auf die Tanzfilme eines Fred Astaire sehen kann oder als Betonung der Themen wie Schutz, Heimat und Ankommen, die den Song ausmachen. Wenig später, in Take Me to the River, kommt er, gekleidet in einem übergroßen Geschäftsanzug, auf die Bühne und wirkt wie eine absurde Version eines Wall-Street-Brokers. Ironisch und spitzzüngig singt Byrne von der Sinnsuche im Leben vieler, ohne aber dabei die Figuren lächerlich zu machen, was ein Aspekt seiner Texte ist, die in Stop Making Sense mehr als deutlich wird.

Credits

OT: „Stop Making Sense“
Land: USA
Jahr: 1984
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Jonathan Demme, Talking Heads
Musik: Talking Heads
Kamera: Jordan Cronenwerth

Bilder

Trailer

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Stop Making Sense
fazit
„Stop Making Sense“ ist ein Klassiker des Konzertfilms und ein großartig inszenierter Film über all die Qualitäten, welche die Talking Heads ausmachen. Jonathan Demme und den Musikern gelingt etwas, was nicht viele Konzertfilme können, nämlich einen Eindruck des Erlebnisses zu geben, die Band live zu sehen, und ebenso die Inszenierung der Künstler als Gesamtkunstwerk zu respektieren.
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