Kritik

Shut up and play the hits

„Shut Up and Play the Hits“ // Deutschland-Start: 6. Dezember 2012 (Kino) // 11. Oktober 2013 (DVD)

Im Dasein eines Künstlers gibt es wahrscheinlich immer wieder Momente, in denen man sich fragt, ob man mit seiner Kunst das erreicht hat, was man erreichen wollte oder ob die Kunst die vielen Opfer, die man naturgemäß für diese aufbringen muss, wirklich wert war. Diese an sich simple Frage, die sich in abgewandelter Form in jedem Leben wohl wiederfindet, kann zu einer existenziellen Frage für einen Künstler werden, insofern sie das Ende von etwas bedeuten kann, das Ende einer Karriere, einer Band oder eines Schaffens. An einem solchen Punkt befand sich, so schildert es Frontmann Ryan Murphy zumindest, die Band LCD Soundsystem, die er 2002 gründete. Die vorläufige Antwort auf diese Fragen zog das Ende der Band nach sich, welches sie auf ihrer Homepage verkündete und mit einem über vierstündigen Liveauftritt im New Yorker Madison Square Garden beschließen wollte.

Diesen Abschied von den Fans begleiten die Filmemacher Dylan Southern und Will Lovelace in ihrer Dokumentation Shut Up and Play the Hits, welche in einem Zeitraum von 48 Stunden besagten Auftritt sowie einige letzte Interviews und Treffen Ryan Murphys abdeckt. Hauptsächlich konzentriert sich der Film auf den ausverkauften Auftritt, zeigt wie die Band ihre Songs wie Dance Yrself Clean oder All My Friends spielt und zuletzt den Abend mit dem Lied New York I Love You, But You’re Bringing Me Down beschließt. Zu den Gästen auf der Bühne gehören neben bekannten Performern wie dem Komiker und Musiker Reggie Watts auch die befreundete Band Arcade Fire, mit der LCD Soundsystem einmal auf Tournee war.

Die Frage nach dem Ende
Aus heutiger Sicht darf man wohl eher von einer Ruhepause der Band sprechen als von einem Ende, da sich LCD Soundsystem 2017 mit ihrem Album American Dream fulminant zurückmeldeten. Vor allem Murphy scheint mit dem Ende der Band sehr zu hadern, hat er doch Mühe zu einer für ihn wie auch sein Gegenüber befriedigenden Antwort zu kommen, warum denn nun Schluss sein soll mit der Band. Im Interview mit einem Journalisten meint Murphy auf die Frage, was das größte Versäumnis der Band sei, dann auch passenderweise, das dies vielleicht eben dieser Schlussstrich sein könnte. Später dann im Lager, als sich Murphy vor abgestellten Gitarren, Keyboards uns anderen Instrumenten wiederfindet, kann er sich ein Schluchzen dann auch nicht mehr verkneifen.

Abgesehen von der eindrucksvollen Bühnenshow, die der Film in Teilen einfängt, ist es dieses Hadern, dieser sich wiederholende Zweifel der Kern dieser schönen Dokumentation, behandelt sie doch einen sensiblen, aber künstlerisch wertvollen Moment, in welchem sich vieles entscheiden kann. So spielt die Frage nach dem Ende weniger eine Rolle, sondern mehr, als was für ein Mensch und Künstler man die Bühne, nachdem die Lichter schon lange aus und die Instrumente alle verstaut sind, verlässt. Die anfängliche Montage einer Bühne, die abgeräumt wird von einer Heerschar an Roadies, kann man daher auch programmatisch sehen.

Credits

OT: „Shut Up and Play the Hits“
Land: UK
Jahr: 2012
Regie: Dylan Southern, Will Lovelace
Musik: LCD Soundsystem
Kamera: Reed Morano

Trailer

Filmfeste

Sundance 2012
SXSW 2012

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Shut Up and Play the Hits
„Shut Up and Play the Hits“ ist eine schöne, sensible Dokumentation über den Sinn des Zweifels in der Kunst. Die Regisseure zeigen einen Künstler im Prozess der existenziellen Umorientierung, dem Finden nach Antworten, was begleitet wird von der Musik sowie der energetischen Bühnenshow der Band selbst.
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