Kritik

The Last Waltz

„The Last Waltz“ // Deutschland-Start: 13. Juli 1978 (Kino) // 23. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

Mit dem Konzertfilm The Last Waltz setzt Regielegende Martin Scorsese, der zwei Jahre vorher mit Taxi Driver seinen Durchbruch feierte, den Americana-Stars The Band ein filmisches Denkmal. Alles was seinerzeit Rang und Namen hat, wird auf der Bühne des saloonartigen Winterland Ballrooms zur Jam-Session gebeten; Muddy Waters, Eric Clapton, Neil Young, Van Morrison, Joni Mitchell und Bob Dylan sind nur die bekanntesten Namen on stage. Dabei entstand nicht nur eine magische fünf Stunden lange Session, sondern auch eine auf zwei Stunden eingedampfte Filmversion, die immer wieder von kurzen Interview-Passagen unterbrochen wird und so eine Blaupause für zahlreiche Nachahmer im Bereich Konzertfilm wurde.

Die Entstehung eines Klassikers
The Band waren vier Musiker, die von Mitte der 60ern bis in die frühen 70er Jahre Bob Dylan auf seinen Touren begleitete und mit ihm auch einige seiner Alben einspielte. Ihren Kultstatus zementierte The Band vor allem mit ihrem Auftritt auf dem legendären Woodstock Festival und den sieben Studioalben, die bis 1977 veröffentlicht wurden. Mit dem siebten Album Islands wurde schließlich der Plattenvertrag mit der Plattenfirma erfüllt und eh der vielen Tourneen müde, beschloss man, ein letztes großes Konzert zu geben. Bandleader Robbie Robertson kontaktierte Bill Graham, einen der größten Veranstalter seinerzeit, um mit ihm das Projekt zu besprechen. Begeistert sagt dieser zu und stellte die Winterland-Halle in San Franzisko zur Verfügung. Alles sollte eine Art „letztes Abendmahl“ sein. Hierfür organisierte man 200 Truthähne, 150 Kilo Lachs, 200 Kilo Kürbisse, sowie allerlei weitere Gaumenfreuden für die zahlenden Gäste. Größte Herausforderung war wohl, die Tische und Stühle dieses Gelages vor dem Konzert eilig wegzuräumen.

Und so steht pünktlich um neun Uhr Abends ein sattes Publikum aus 5000 Gästen vor der Bühne, als sich The Band auf die Bühne begibt, um mit Don’t Do It (beim Konzert eigentlich die Zugabe) von ihrem selbstbetitelten zweiten Album in den Abend zu starten. Es folgen meisterhafte Performances von Helpless mit Neil Young, Dry Your Eyes mit Neil Diamond und Mystery Tain mit Paul Butterfield. Apropos Helpless – kurz vor seinem Auftritt genehmigte sich Young noch ein Näschen Zauberpulver. Die weißen Spuren unter der Nase waren nicht zu übersehen und mussten vor der Veröffentlichung des Films aufwändig Bild für Bild von Hand retuschiert werden. Das Finale wird schließlich eingeleitet, als The Band mit ihren Gästen plus Ringo Starr und Ronnie Wood I Shall Be Released performen. Mit zwei epischen Jam-Sessions mit Neil Young, Ronnie Wood, Stephen Stills and Eric Clapton ist der reguläre Set schließlich beendet.

Stairway to heaven
Ob man mit dem Country-lastigen Rootsrock etwas anfangen kann, ist natürlich Geschmackssache. Doch die Namen der Mitarbeiter, die Scorsese auf und hinter der Bühne platziert hat, lassen jeden Filmfan mit der Zunge schnalzen;  Michael Chapman (Lost Boys, Auf der Flucht), Vilmos Zsigmond (Unheimliche Begegnung der dritten Art, Heaven’s Gate), and László Kovács (Easy Rider, Ghostbusters – Die Geisterjäger) sind drei der Kameramänner.

Das eigentliche Highlight sollte nach dem Konzert im Hotel der Band stattfinden. Laut Musikerfreund Bobby Charles fand hier noch eine ausufernde Jam-Session statt. „Das Beste wurde weder gefilmt noch aufgenommen.  Mit The Last Waltz wird im Rückblick das Ende einer ganzen Musikära eingeläutet. Die großen Bands des Rocks ließen es ab Mitte der 70er ruhiger angehen oder lösten sich auf. In den Charts regierte nach und nach Disco, der Punk war ebenso auf dem Vormarsch und die stadionfüllende Rockmusik musste kleinere Brötchen backen.

Katerstimmung
Doch es gibt nicht nur Begeisterung ob des Projekts The Last Waltz und seiner regen Auswertung in zig Formaten. Levon Helm, Schlagzeuger von The Band, war laut seiner Biografie The Wheel’s On Fire ganz und gar nicht von Scorseses fertigem Film angetan. Für ihn war unter anderem klar, das dieser mit Bandleader Robertson dafür sorgte, dass es im fertigen Film so ausgesehen habe, dass Robertsons Bandkollegen wie Zuarbeiter ausgesehen hätten. Außerdem hätten einige Bandmitglieder nie Geld aus dem Projekt The Last Waltz gesehen.

Die Aufmachung und das Bonusmaterial der vorliegenden Mediabook-Edition ist dem Konzertfilm würdig: Edles Schwarz, verziert mit einer Goldprägung außen, prallvolles 28-seitiges Booklet innen. Dazu das Feature The Band – eine Rückschau, einige unveröffentlichte Szenen und eine Jam Session und informative Audiokommentare von Robbie Robertson und Martin Scorsese, Bild und Ton sind wie erwartet sehr gut.

Credits

OT: „The Last Waltz“
Land: USA
Jahr: 1978
Regie: Martin Scorsese
Musik: The Band
Kamera: Michael Chapman

Bilder

Trailer

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The Last Waltz
„The Last Waltz“ ist das gewaltige Dokument einer großen Rockband, die auf ihrem Zenit mit einem wahren Knall abtritt. Manche Band sollte sich an solch einem Abgang in Würde ein Beispiel nehmen.
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