Rumble in the Bronx
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Rumble in the Bronx

Rumble in the Bronx
„Rumble in the Bronx“ // 17. Oktober 1996 (Kino) // 28. September 1998 (DVD)

Inhalt / Kritik

In der Bronx steht die Hochzeitsfeier von Bill (Bill Tung) an. Zu diesem Anlass reist sein Neffe Keung (Jackie Chan) aus Hongkong an. Seinen Lebensmittelladen hat Bill an Elaine verkauft (Anita Mui), die von Keung Unterstützung erfährt, nachdem der frühere Besitzer in die Flitterwochen gefahren ist: Ein paar böse Buben machen Rabatz im Geschäft, werden von dem rechtschaffenen Kampfkünstler aber schnell hinauskomplementiert. Damit hat sich die Sache allerdings noch nicht erledigt. Tony (Marc Akerstream) will diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen und er sinnt mit seiner Motorradgang auf Rache. Doch die Probleme für Keung hören auch da noch nicht auf, bald tritt die örtliche Mafia auf den Plan …

Überfälliger internationaler Erfolg

Mr. Nice Guy von 1997 mag der erste Jackie-Chan-Film gewesen sein, der komplett in Englisch geschrieben und gedreht wurde. Rush Hour von 1998 mag der erste Jackie-Chan-Film gewesen sein, den viele mit seiner ersten Hollywood-Hauptrolle in Verbindung bringen. Tatsächlich versuchte der akrobatische Schaukämpfer aus Hongkong aber schon knapp zwanzig Jahre früher, Fuß in der nordamerikanischen Traumfabrik zu fassen. Trotz einiger Auftritte wollte es mit dem Erfolg an den Kinokassen in Übersee nicht so richtig klappen – in der Heimat war er zu diesem Zeitpunkt natürlich schon lange ein Superstar. Dabei waren die Voraussetzungen für sein Debüt nahezu ideal: Bei Die große Keilerei führte Robert Clouse Regie, der zuvor bereits Streifen wie Der Mann mit der Todeskralle und weitere mit Bruce Lee inszeniert hatte. Auch wenn Chan hier seinen Humor und seine Kampfkunstfähigkeiten unter Beweis stellen durfte, reichte das nicht, um das internationale Publikum zu überzeugen. Es folgten zwei weitere amerikanisierte Flops, bevor Chan sich vorerst nach Hongkong zurückzog. 1995 sollte ihm jedoch endlich der verdiente Durchbruch gelingen: Rumble in the Bronx wurde zwar in Hongkong und Kanada gedreht, spielt jedoch in New York.

Und was für ein Film es war. Stunts in Filmen waren zwar auch Ende des 20. Jahrhunderts schon lange nichts Neues mehr, aber gemessen daran, was seinerzeit internationaler Kinostandard war, übertrieben Jackie Chan und sein Team es hier völlig. Im Grunde wurde einfach nur die Mentalität seiner Hongkonger Actionstreifen übernommen und in amerikanische Maßstäbe übertragen. Das Publikum war im besten Sinne der Phrase nicht bereit dafür. Das Gefühl, das die Kinozuschauer hatten, als ein riesiges Luftkissenboot auf der Leinwand in ihre Richtung rast und alles in seinem Weg plattwalzt, ist wohl die beste moderne Annäherung, die wir an die angebliche Reaktion auf Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat von Auguste und Louis Lumière haben: Im knapp einhundert Jahre zuvor erschienenen Kurzstummfilm, der Titel verrät es vielleicht bereits, fährt ein Dampfzug in den Bahnhof von La Ciotat ein. Einer gerne erzählten, wenn die Wahrheit auch sehr verfremdenden Anekdote zufolge soll das Publikum bei der Vorpremiere in einem Pariser Café panisch selbiges verlassen haben, um der Gefahr zu entgehen, von dem Ungetüm überfahren zu werden.

Action, bis die Knochen brechen

Beide Reaktionen können aus heutiger Sicht und mit heutigem Wissen natürlich nicht richtig nachvollzogen werden. Jeder jüngere Jackie-Chan-Fan darf jene Besucher der Kinovorstellungen um die überwältigende Erfahrung beneiden: Selbst mit mehr und im Laufe der Zeit beeindruckender werdendem Vergleichsmaterial können wir die Stunts und die Action in Rumble in the Bronx auch heutzutage immer noch wertschätzen. Die Kampfszenen sind generell etwas kürzer als in den vorangegangenen Hongkong-Filmen des fernöstlichen Multitalents. Vielleicht sollte der zu erwartenden Überforderung des Publikums damit ein wenig entgegengewirkt werden. Weniger mitreißend sind die Choreographien deshalb jedenfalls nicht. Chan ist völlig in seinem Element, nimmt im Alleingang die böse Bande mitsamt ihrem Geheimversteck auseinander – holt also für seine Kampfeinlagen wieder einmal alles aus der Umgebung heraus. Aber nicht nur im übertragenen Sinne gab Chan alles für Rumble in the Bronx: Nach einem gewagten Sprung aus luftiger Höhe brach Chan sich bei der Landung das rechte Sprunggelenk. Der Take ist im fertigen Film zu sehen, inklusive des beim Bruch empfundenen Schmerzes. Den Rest des Drehs bewältigte Jackie mit eingegipstem Bein. Manche Menschen sind einfach anders gestrickt.

Wer Jackie-Chan-Filme ausschließlich der Action wegen schaut, für den ist Rumble in the Bronx ein Muss. Für den generellen Filmfan müssen aber fairerweise die diesbezüglich üblichen Einschränkungen in die Wertung miteinbezogen werden. Die dünne Story ist wieder einmal nichts anderes als ein Gerüst, mithilfe dessen die Actionszenen implementiert werden. Auch was die Synchronfassungen angeht, gibt es hier ein kleineres Durcheinander. Dass Keung in Hongkong als Polizist arbeitet, lässt sich beispielsweise nur in Erfahrung bringen, wenn die Originalversion gesichtet (oder sich auf film-rezensionen.de belesen) wird. Die Schauspieler in Rumble in the Bronx haben die unterschiedlichsten Nationalitäten. Der Dreh war dementsprechend multilingual: Die Darsteller trugen die Dialoge in ihrer jeweiligen Muttersprache vor. Hinterher wurde der Ton stummgeschaltet, die nicht-englischen Mimen von anderen, die englischen von sich selbst erneut synchronisiert. Das ist sicher nicht ideal, funktioniert aber immerhin deutlich besser als in Mr. Nice Guy. Die deutsche Synchronisation ist soweit in Ordnung, allerdings wird der Name des Protagonisten konsequent falsch ausgesprochen.

Credits

OT: „Hung fan kui“
Land: Hongkong, USA
Jahr: 1995
Regie: Stanley Tong
Drehbuch: Edward Tang, Fibe Ma
Musik: J. Peter Robinson, Nathan Wang
Kamera: Jingle Ma
Besetzung: Jackie Chan, Anita Mui, Françoise Yip, Bill Tung, Marc Akerstream, Garvin Cross, Morgan Lam

Trailer

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Rumble in the Bronx
Fazit
Für Fans von Action mit Jackie Chan ist "Rumble in the Bronx" ein Muss. Der Grundstein seiner internationalen Karriere ist in dieser Hinsicht auch heute noch fantastisch. Abzüge gibt es für die dünne Story.
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