
Die Polarstern zählt zu bekanntesten deutschen Forschungsschiffen. Der vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven betriebene Eisbrecher bricht regelmäßig in Richtung Arktis und Antarktis auf, um Stationen wie die Koldewey-Station am Nordpol und die Neumayer-Station am Südpol zu versorgen sowie durch die an Bord befindlichen Wissenschaftler die Polarmeere zu erforschen. Inzwischen hat das 1982 vom Stapel gelaufene Schiff mehr als 40 Lebensjahre auf dem Buckel. Während einer Expedition in die Ostantarktis befand sich unter den 93 Menschen unter Verantwortung des Kapitäns Felix Lauber auch die Filmemacherin Ines Reinisch mit an Bord, die das Geschehen vor Ort mit der Kamera festgehalten hat.
Begegnungen am Ende der Welt
Hinter dem poetischen Filmtitel könnte sich vieles verbergen. Der Untertitel weist jedoch den Weg. „Mit der legendären Polarstern in die Antarktis“ ist auf dem Plakat zu lesen. Und genau darum geht es, wie das deutsche Forschungs- und Versorgungsschiff vom südafrikanischen Kapstadt aus in Richtung Südpol aufbricht, was die 50 mitreisenden Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vor Ort erforschen und wie die 42-köpfige Crew für einen reibungslosen Ablauf sorgt.
Die dabei entstandenen Bilder sind spektakulär, oftmals überwältigend. Und Reinisch hat sich dafür entschieden, mit ihrer eigenen Überwältigung nicht hinterm Berg zu halten. Der von ihr selbst aus dem filmischen Off gesprochene Kommentar ist eine Mischung aus nüchterner Beobachtung, neutraler Erklärung der Sachverhalte und emotional eingefärbter bis aufgeladener Wiedergabe der vor Ort gesammelten Erlebnisse und Gedanken. Im Zusammenspiel mit der vereinzelt eingestreuten, getragenen Musik des Komponisten Sascha Blank führt das mal zu erhabenen Momenten und mal zu welchen, die nah am Kitsch gebaut sind.
Die „größte[n] Reise meines Lebens“
Gleich zu Beginn spricht Reinisch vom „Aufbruch zu der größten Reise meines Lebens“ und davon, dass „insgesamt 93 Seelen“ an Bord der Polarstern seien. Womit sie von vornherein ihre subjektive Herangehensweise und den bisweilen poetischen Ton ihres Dokumentarfilms verankert. Dass in der Enge eines mit 93 Menschen besetzten Schiffes, die über einen Zeitraum von zehn Wochen miteinander auskommen müssen, Nähe entsteht, lässt sich schwerlich vermeiden. Und diese Nähe hat ja auch etwas für sich. Denn nur durch Nähe und gewonnenes Vertrauen lassen sich ehrliche Gespräche führen und intime Momente einfangen.
In diesen Momenten glänzt der Film. Dann kann das Kinopublikum beispielsweise miterleben, wie es sich für den Chefingenieur Torben Rusch anfühlt, bereits seit Jahren kein Weihnachten und Silvester mehr mit der Familie gefeiert zu haben, weil er stattdessen auf der Polarstern seinen Dienst verrichtet. Oder das Kinopublikum ist mitten drin, wenn sich Nazanin Asadi wie eine Schneekönigin darüber freut, als erst zweite iranische Wissenschaftlerin das antarktische Festland betreten zu haben.
Gemischte Gefühle
Was Salz und Wasser zudem gelingt, ist, die wissenschaftliche Arbeit an Bord und an Land einzufangen, aufzudröseln und deren Bedeutung zu erklären. Was indessen fehlt, ist ein Blick in die freie Zeit. Bis auf wenige Aufnahmen, die ein an Land gegangenes Forschungsteam beim Kochen in einer winzigen Hütte zeigen, erfährt das Publikum nichts über das Geschehen und die Stimmung an Bord, sobald das Tagwerk verrichtet ist. Was angesichts der ansonsten vermittelten Nähe wie eine klaffende Lücke erscheint.
Beim Filmerlebnis selbst verhält es sich wie mit Ines Reinischs Off-Kommentar: Mal ist das auf der großen Leinwand Gesehene informativ, mal erhellend, mal bewegend und ab und an leider zu subjektiv und bedeutungsschwanger dargeboten. Angesichts der schmelzenden Polkappen und der dadurch drohenden Naturkatastrophen ist die Botschaft des Dokumentarfilms zwar dringlich, etwas mehr Unaufdringlichkeit hätte ihm aber gutgetan.
OT: „Salz und Wasser“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Ines Reinisch
Musik: Sascha Blank
Kamera: Ines Reinisch
(Anzeige)















