Medieval Netflix

Medieval

Medieval Netflix
„Medieval“ // Deutschland-Start: 8. November 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Es ist ein heikler Auftrag, den König Wenzel von Luxemburg (Karel Roden) für den Söldner Jan Žižka (Ben Foster) hat. So soll dieser Katherine (Sophie Lowe) entführen, die Verlobte von Heinrich III. von Rosenberg (Til Schweiger). Der wiederum ist ein Verbündeter von König Sigismund (Matthew Goode), der nicht nur der Bruder von Wenzel ist, sondern auch dessen schärfster Konkurrent bei dem Streit um den Thron Roms. Dessen Verlobte an sich zu reißen, soll die Position von Wenzel verbessern. Doch Rosenberg und Sigismund haben nicht vor, sich diesen Affront einfach so gefallen zu lassen und schicken deshalb ihre Männer hinterher. Die umworbene Katherine hingegen findet bald Gefallen an dem mutigen Söldner Žižka, mit dem sie durch das Land reist …

Graue Stars versteckt im Streamingangebot

Zuletzt hat es gleich mehrere Filme gegeben, die trotz prominenter Besetzung bei uns nur versteckt als Video on Demand veröffentlicht wurden. Ob nun The Birthday Cake, Ida Red oder Four Good Days, bei allen hätte man sich durchaus Kinostarts, zumindest aber eine DVD-Version vorstellen können. Oder wenigstens ein Release als größer beworbenes Exklusiv-Original bei einem der Streamingdienste. Gleiches gilt auch für Medieval, das per Netflix bei uns erhältlich ist, ohne aber als Original vermarktet zu werden. Dabei ist die Produktion nicht nur für europäische Verhältnisse sehr teuer – 20 Millionen Euro, das muss man bei einem tschechischen Film erst mal zusammenbekommen. Sie enthält auch noch diverse große Namen. Neben den oben genannten kommt auch noch Michael Caine hinzu.

Wobei man an der Stelle natürlich auch fragen darf: Was genau haben die ganzen US-amerikanischen bzw. britischen Schauspieler in einer Geschichte zu suchen, die im historischen Böhmen spielt? Klar gibt es das immer mal wieder, dass nicht entsprechend der realen Nationalität besetzt wird. The Great machte sich ja auch einen Spaß daraus, dass der russische Hof von einem namhaften englischsprachigen Cast dominiert wurde, der noch nicht einmal so tat, als wäre er russisch. Dort war das aber auch Teil einer satirischen Auseinandersetzung mit dem Nationalheiligtum. Bei Medieval gibt es keine Satire oder überhaupt irgendeine Form von Humor. Hier wird alles ganz furchtbar ernst genommen, was allein schon an der Optik zu sehen ist, die grundsätzlich alles nur in Grautönen abbildet. Vegetation inklusive.

Brutal langweilig

Vermutlich sollte auf diese Weise ein Publikum angesprochen werden, das sich an den betont düsteren Mittelalter oder Pseudo-Mittelalter-Geschichten erfreut. Dieses darf sich dann auch auf eine Reihe von Kämpfen freuen, von klein bis groß. Das kann dann zuweilen auch schon mal ein wenig brutaler werden. Blut muss vergossen, Knochen gebrochen werden. Erlaubt ist alles, was den Gegner irgendwie klein bekommt. Sonderlich inspiriert sind die Kampfszenen zwar nicht, weswegen das alles nicht übermäßig in Erinnerung bleibt. Medieval ist aber zumindest ein ordentliches Schlachtengemälde, mit dem man sich zwei Stunden lang die Zeit vertreiben kann. Die Ausstattung kann sich ebenfalls sehen lassen und trägt so zur Atmosphäre des historischen Abenteuers bei.

Tatsächlich viel Spannung tritt dennoch nicht auf. Zum einen verpasst es der Film, seinen Protagonisten, der später zu einem legendären Heerführer wird, zu einer interessanten Figur zu machen. Eigentlich ist er so blass, dass man nicht genau verstehen kann, warum Katherine überhaupt Interesse an ihm haben sollte. Dafür ist das Drumherum umso komplexer. Medieval ist einer dieser Mittelalterschinken, bei denen man fast schon Wikipedia nebendran laufen lassen muss, um sich einen Überblick über die Figuren und ihre Verhältnisse zueinander zu verschaffen. Da gibt es zwar Texttafeln und andere Formen der Exposition. Doch das kann es nicht verhindern, dass man hier zuweilen in einer Mischung aus Frustration und Langeweile wieder innerlich abschaltet, weil gleichzeitig zu viel aufgetischt wird und dabei doch zu wenig geboten.

Credits

OT: „Medieval“
Land: Tschechische Republik
Jahr: 2022
Regie: Petr Jákl
Drehbuch: Petr Jákl
Musik: Philip Klein
Kamera: Jesper Tøffner
Besetzung: Ben Foster, Michael Caine, Til Schweiger, William Moseley, Matthew Goode, Sophie Lowe

Trailer

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Medieval
fazit
„Medieval“ ist für eine europäische Produktion sehr teuer, hat eine Reihe großer Stars und zudem eine Ausstattung, die sich sehen lassen kann. Dennoch ist das Historiendrama um Erbfolgekämpfe und entführte Frauen nicht sonderlich spannend, da gleichzeitig zu wenig und zu viel erzählt wird, die blassen Figuren keinen Anlass geben, warum man hier dranbleiben sollte.
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