BLACK PANTHER: WAKANDA FOREVER
© Marvel Studios

Black Panther: Wakanda Forever

„Black Panther: Wakanda Forever“ // Deutschland-Start: 9. November 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Seit dem Tod von König T’Challa ist das Königreich Wakanda unter Druck geraten, die ganze Welt will unbedingt an das seltene Mineral Vibranium kommen, das nur dort zu finden ist. Für Königin Ramonda (Angela Bassett), die das Land nach dem Tod ihres Sohnes anführt, steht es aber völlig außer Frage, dass jemand anderes Zugriff darauf hat. Aber vielleicht gibt es ja Alternativen. So hat die Studentin Riri Williams (Dominique Thorne) ein Gerät entwickelt, mit dem sich Vibranium aufspüren lassen soll. Tatsächlich sieht es so aus, als gäbe es tief unter Wasser ein reiches Vorkommen davon. Doch dabei geraten sie mit Namor (Tenoch Huerta) aneinander, Herrscher über ein mächtiges Meervolk, das seit Jahrhunderten unbemerkt in der Tiefe lebt. Und es liegt an Shuri (Letitia Wright), Nakia (Lupita Nyong’o) und Okoye (Danai Gurira), Schlimmeres zu verhindern …

Schwierige Fortsetzung eines Phänomens

Natürlich, fast alle Filme aus dem Marvel Cinematic Universe waren erfolgreich, die einen mehr, die anderen weniger. Doch selbst innerhalb der langen Erfolgsgeschichte war Black Panther eine Ausnahmeerscheinung. Das lag jedoch nur bedingt an dem Film an sich als vielmehr dem, was er symbolisierte: Dunkelhäutige Helden sind in einem Umfeld, das bis heute von weißen heterosexuellen Cis-Männern geprägt ist, eine Seltenheit. Für die afroamerikanische Bevölkerung war die Titelfigur nicht einfach nur ein weiterer Typ mit Superkräften, der die Bösen vermöbelt. Black Panther wurde für Millionen von Menschen zu einer Identifikationsperson, zumal auch der Film die Unterdrückung Dunkelhäutiger zum Thema machte. Es war also ein doppelter Befreiungsschlag. Umso bitterer war, dass ausgerechnet dieser Held, der so viele Leute träumen ließ, viel zu früh die Bühne wieder verlassen musste. Der Tod von Chadwick Boseman, er war nicht nur für Marvel eine Katastrophe. Der Schmerz über den Verlust war unermesslich.

Aber was bedeutete das für die Marvel-Filme? In Black Panther: Wakanda Forever wird das Thema sehr offensiv angegangen. So beginnt die Geschichte nicht nur mit dem plötzlichen Tod von T’Challa. Auch an anderen Stellen wird immer wieder darauf verwiesen. Die Grenze zwischen Hommage und emotionaler Ausschlachtung ist da zuweilen nicht ganz eindeutig. Andererseits hat Ryan Coogler (Nächster Halt: Fruitvale Station), der erneut Regie führte und das Drehbuch mitschrieb, einen Weg gefunden, den Tod sinnvoll zu integrieren. So spielt ganz allgemein das Motiv des Verlustes, der Trauer, aber auch des Loslassen eine zentrale Rolle. Auch der Hintergrund von Namor ist tragischer Natur und wurde aus Leid und Unglück heraus geboren. Seine Welt unter Wasser ist das Ergebnis einer Flucht vor der Außenwelt, die so vielen Leid brachte.

Zwei parallele Welten, wenig Sinn

Grundsätzlich ist diese Dopplung zweier in sich geschlossener Welten, die von außen bedroht werden, sicher eine gute Idee und sorgt für eine natürliche Annäherung. Umso eigenartiger ist, dass Coogler an der Stelle auf Teufel komm raus einen Konflikt zwischen den zwei Königreichen vom Zaun bricht, der Konflikt mit der Außenwelt dabei aber völlig verschwindet. Immer wieder sind da Situationen in Black Panther: Wakanda Forever, die in der Form einfach keinen Sinn ergeben. Dazu zählt gerade auch die Einführung von Riri, die später eine eigene Disney+ Serie bekommt und deswegen hier als Ballast mitgeschleppt wird. Dass das Unterwasserkönigreich alles dran setzt, um sie zu töten, bevor sie einen weiteren Vibranium-Detektor baut, ist nicht sonderlich plausibel, nachdem dieser von der US-Regierung schon eingesetzt wurde. Diese sollte inzwischen ja wissen, wie der funktioniert.

Diese diversen Unsinnigkeiten sind auch deshalb störend, weil sie den Film ewig in die Länge ziehen. 160 Minuten nimmt Black Panther: Wakanda Forever für sich in Anspruch, was angesichts des dünnen Inhalts sehr exzessiv ist und immer wieder zu Langweile führt. Zwar gibt es zahlreiche Schauplätze, eine Zeit lang wird à la Eternals ein fröhliches Setting-wechsel-dich-Spiel betrieben. Wo bei den viel geschmähten MCU-Kollegen aber wenigstens eine visuelle Abwechslung daraus resultierte, da gibt es hier nur zwei nennenswerte Orte. Das eine ist Wakanda, das andere die Unterwasserwelt. Beide sind für sich genommen recht hübsch und gefallen auch durch die folkloristischen Elemente. Leider hat es Coogler aber genau dort eilig. Anstatt tatsächliches World Building zu betreiben, ist er nur als Tourist zu Gast. Dabei sind diese Welten eine von zwei Stärken, welche seinen Film auszeichnen.

Insgesamt nur solide

Das andere ist das Ensemble. Natürlich, der Verlust von Boseman wiegt schwer. Dass auch Michael B. Jordan nicht mehr dabei ist, von einer kurzen Szene einmal abgesehen, ist ebenfalls kaum auszugleichen. Doch das lässt dem weiblichen Teil der Besetzung mehr Raum zur Entfaltung, allen voran Angela Bassett als Königin, die vor einer schwierigen Aufgabe steht. Black Panther: Wakanda Forever ist dabei stärker als der Vorgänger eine Gemeinschaftsarbeit, was ihm ganz gut tut. Und auch im Hinblick auf die Action gibt es Verbesserungen. Zwar sind die noch immer weit entfernt von Referenzmaterial, verlassen sich wie so viele Hollywood-Produktionen auf schnelle Schnitte, bei denen man nicht mehr viel sieht. Aber es ist doch ordentlich, zumindest wenn es mal hoch hergeht, was erstaunlich selten der Fall ist. Insgesamt ist der Film solide mit einigen Passagen, für die sich der Gang ins Kino lohnt. Ein filmisches Großereignis ist das hier aber sicher nicht, selbst wenn die Länge das für sich in Anspruch nimmt.

Credits

OT: „Black Panther: Wakanda Forever“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Ryan Coogler
Drehbuch: Ryan Coogler, Joe Robert Cole
Musik: Ludwig Göransson
Kamera: Autumn Durald Arkapaw
Besetzung: Letitia Wright, Lupita Nyong’o, Danai Gurira, Winston Duke, Dominique Thorne, Florence Kasumba, Michaela Coel, Tenoch Huerta, Martin Freeman, Angela Bassett

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Black Panther: Wakanda Forever
fazit
„Black Panther: Wakanda Forever“ hat als Nachfolger eines Phänomens ein schweres Erbe anzutreten und überzeugt auch nur teilweise. So sind die Ereignisse diesmal stärker Teamarbeit, wovon gerade die Frauen im Ensemble profitieren. Auch die Unterwasserwelt, die eine Art Spieglung von Wakanda ist, kann sich sehen lassen. Die Länge ist aber exzessiv, gerade angesichts der eher schwachen Geschichte, die oft keinen Sinn ergibt. Die Actionszenen sind ordentlich, aber erstaunlich selten, weshalb hier viel zu oft Langeweile einkehrt.
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