Eternals Marvel
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Inhalt / Kritik

Eternals Marvel
„Eternals“ // Deutschland-Start: 3. November 2021 (Kino) // 24. Februar 2022 (DVD/Blu-ray)

Seit Jahrtausenden schon wandern die Eternals Ajak (Salma Hayek), Druig (Barry Keoghan), Gilgamesh (Don Lee), Ikaris (Richard Madden), Kingo (Kumail Nanjiani), Makkari (Lauren Ridloff), Phastos (Brian Tyree Henry), Sersi (Gemma Chan), Sprite (Lia McHugh) und Thena (Angelina Jolie) vom Planeten Olympia auf der Erde. Das Ziel: die Menschen vor den Deviants zu schützen, mächtige Monster, die alles zerstören wollen. Doch irgendwann waren die Erzfeinde besiegt, die Aufgabe der Helden und Heldinnen erfüllt. Und so gingen sie im Anschluss getrennte Wege, alle suchten sie nach einem neuen Sinn. Zu ihrer großen Überraschung müssen sie irgendwann jedoch erfahren, dass die Deviants zurück sind, stärker denn je. Und nur gemeinsam können sie diese noch aufhalten. Aber das ist gar nicht so einfach, denn in der Zwischenzeit haben sich die zehn nicht nur als Gruppe getrennt. Sie führen inzwischen auch völlig unterschiedliche Leben …

Marvel und die (unerwartet) großen Namen

Eines muss man Marvel ja lassen: Es ist schon sehr beeindruckend, welche Talente man für das eigene Cinematic Universe so an sich binden konnte. Das betrifft nicht nur die zahlreichen Stars vor der Kamera, welche die Filme zu Ereignissen machen. Auch hinter der Kamera tummeln sich namhafte Filmschaffende. Darunter befinden sich auch solche, die man auf den ersten Blick so gar nicht mit Comic-Adaptionen in Verbindung bringen würde, seien es der Horrorexperte Scott Derrickson (Sinister, Doctor Strange) oder der auf Gesellschaftsdramen spezialisierte Ryan Coogler (Nächster Halt: Fruitvale Station, Black Panther). Noch unerwarteter war die Verpflichtung von Chloé Zhao. Was hat jemand, der sich mit The Rider und Nomadland als Meisterin naturalistischer, halb-dokumentarischer Geschichten etabliert hat, im streng genormten Marvel-Zirkus verloren?

Nun liegt die Antwort vor. Eternals heißt sie und ist zumindest gemessen an den galaktischen Erwartungen etwas ernüchternd. Klar: Niemand konnte hier ernsthaft erwarten, dass die in China geborene Regisseurin ihren typischen Stil ganz unverändert beibehalten würde. Schließlich geht es bei Marvel darum, die Massen zu bedienen, nicht das Arthouse-Festival-Publikum. Und diese Massen wollen nun einmal Technikspektakel, groß angelegte Keilereien und zwischendurch der eine oder andere lockere Spruch. Denn nur weil gerade die Welt unterzugehen droht, muss man noch nicht gleich seine gute Laune verlieren. Zumal am Ende alles gut ausgeht, das weiß jeder im Kinosaal. Schließlich sollen die Filme in erster Linie unterhalten. Um die deprimierenden Aspekte da draußen sollen sich andere kümmern.

Viele Figuren, noch mehr Sprünge

Dennoch ist es etwas enttäuschend, wie selten Zhao die Gelegenheit hat, ihre besonderen Fähigkeiten wirklich anwenden zu können. Auffallend sind beispielsweise die konstanten Zeitsprünge und Ortswechsel. Mal steht das heutige London auf dem Reiseplan, dann kämpfen wir uns einige Jahrhundert zuvor durch einen Dschungel, befinden uns plötzlich in einer Wüste wieder, nur um dann ein zerstörtes Hiroshima 1945 zu betrauern. Viele der Szenen sind nur wenige Minuten lang, manche nicht einmal das. Das macht Eternals einerseits visuell sehr abwechslungsreich. Aber es macht den Film auch irgendwie ermüdend, zumal die Laufzeit mit mehr als zweieinhalb Stunden wieder sehr exzessiv ausgefallen ist. Man versuchte in den Film eine ganze Serie zu packen, was in der Form gleichzeitig zu viel und zu wenig ist.

Damit zusammen hängt ein ungewohnt starker Fokus auf die Figuren. Gleich zehn Männer und Frauen umfasst das neu zusammengestellte Team, drumherum gibt es noch ein paar Randfiguren – darunter Harish Patel als Comic-Relief-Sidekick Karun, den Manager von Kingo. Und zumindest zu den Hauptpersonen hat Zhao einiges zu sagen. Das Ergebnis ist so, als sollte Eternals eine Mischung aus Avengers und Solo-Filmen in einem sein. Gipfeltreffen und Origin Story im Doppelpack. Dass das ein bisschen viel ist, versteht sich von selbst. Gleichzeitig ist das aber auch der interessanteste Aspekt des Films, denn innerhalb des Tohuwabohus menschelt es schon sehr. Auch wenn die zehn alle denselben Auftrag haben und gemeinsam zur Erde gereist sind, der Umgang mit den Menschen hat sie in die unterschiedlichsten Richtungen geführt.

Zwischen Tragik und Blödsinn

Teilweise wird das so schmerzhaft und traurig, dass man sich wünschen würde, Zhao hätte tatsächlich ein existenzielles Superhelden-Drama drehen dürfen, anstatt diesen eigenartigen Kompromiss vorzulegen. Dass die Geschichte zum Teil elender Quatsch ist und die Figuren sich nicht immer plausibel verhalten, nur damit die Handlung vorangetrieben werden darf, trägt auch nicht unbedingt dazu bei, dass man den Film ins Herz schließt. Dennoch, die zum Teil üblen Anfeindungen, die Eternals zum Teil erhält, sind in der Form nicht gerechtfertigt. Denn auch wenn das Experiment, Krach-Popcorn mit Indie-Sensibilität zu verknüpfen, nicht so richtig funktioniert hat, so gibt es doch eine Reihe sehenswerter Szenen. Und zumindest bei einigen Figuren wäre es wünschenswert, dass man sie doch auch in Zukunft wieder auf der großen Leinwand begrüßen darf.

Credits

OT: „Eternals“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Chloé Zhao
Drehbuch: Chloé Zhao, Patrick Burleigh, Ryan Firpo, Kaz Firpo
Musik: Ramin Djawadi
Kamera: Ben Davis
Besetzung: Gemma Chan, Richard Madden, Kumail Nanjiani, Lia McHugh, Brian Tyree Henry, Lauren Ridloff, Barry Keoghan, Dong-seok Ma, Harish Patel, Kit Harington, Salma Hayek, Angelina Jolie

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Was passiert, wenn eine Arthouse-Heldin einen Popcorn-Blockbuster macht? Alles und nichts. „Eternals“ ist ein streckenweise zu Herzen gehendes Drama, welches an die Konventionen von Comic-Adaptionen gefesselt wird und zu viel auf einmal erzählen will. Da ist einiges dabei, was sehr sehenswert ist. Anderes überzeugt weniger, die Geschichte selbst ist zudem teilweise ziemlicher Blödsinn.
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